Bergbahnen springen für Frau Holle in die Bresche: ohne Beschneiung wärs auf manchen Skipisten nur grün und braun

Der Inhalt von Speicherseen, Grundwasser und notfalls der Bezug aus der Wasserversorgung werden in Schnee verwandelt und sorgen im Obertoggenburg und am Pizol trotz ausbleibenden Schneefällen für gute Pistenbedingungen.

Thomas Schwizer
Hören
Drucken
Teilen
Wenn es kalt genug wird, dann laufen die Beschneiungsanlagen (hier im Gebiet Oberdorf, Wildhaus) auf Hochtouren.

Wenn es kalt genug wird, dann laufen die Beschneiungsanlagen (hier im Gebiet Oberdorf, Wildhaus) auf Hochtouren. 

Bild: Bergbahnen Wildhaus

Wer in diesen Tagen den Pistenspass in den Wintersportgebieten geniesst, kann neben tollem Wetter auch gute Pistenverhältnisse geniessen. Diese können geboten werden, obwohl seit Weihnachten der natürliche Schnee-Nachschub fehlt. Mit einer technischen Beschneiung stellen die Bahnunternehmen das unverzichtbare Weiss «künstlich» her.

Damit dies funktioniert, braucht es allerdings deutliche Minustemperaturen. In jenen Nächten, in denen die Beschneiung möglich ist, erfolgt sie aus vollen Rohren. Mitarbeitende der Bergbahnen Wildhaus schieben gar nächtlichen Pikettdienst, wenn unsicher ist, ob die Temperatur tief genug ist, schildert Urs Gantenbein, Vorsitzender der Geschäftsleitung.

Auch «Kinderland» in Alt St.Johann bietet Spass in Weiss an

Glücklicherweise sind diese Bedingungen in manchen klaren Nächten vorhanden, weshalb selbst im Wildhauser Oberdorf auf gut 1200 Metern Höhe die Pistenverhältnisse gut sind.

Dank der Beschneiung können die Kleinsten auch im Kinderland in Alt St.Johann auf lediglich 900 Metern über Meer den Spass im Schnee geniessen – und das bereits seit Mitte Dezember.

Dank der Beschneiung können die Kleinsten auch im Kinderland in Alt St.Johann auf lediglich 900 Metern über Meer den Spass im Schnee geniessen – und das bereits seit Mitte Dezember.

Bild: Adi Lippuner

Erstaunlicherweise können die Toggenburg Bergbahnen (TBB) seit Mitte Dezember das Kinderland in Alt St. Johann auf lediglich 900 Metern Höhe betreiben. Möglich macht auch dies die künstliche Schneeproduktion, dank der frühzeitig ein Vorrat angelegt wurde. Das Unternehmen hat gemäss geoportal.ch die Bewilligung, dafür und für die Beschneiung im Gebiet Ruestel Grundwasser aus einer nahen Fassung zu beziehen. Auskünfte zur Beschneiung und zum Anteil der beschneiten Pisten verweigern die TBB.

Bergbahnen Wildhaus können die Hälfte der Pisten beschneien

Wildhaus kann die Hälfte der Pisten beschneien Schon vor Jahren haben die Bergbahnen Wildhaus (BBW) massiv in die Beschneiung investiert. Sie können heute bei entsprechenden Minus-Temperaturen zwischen 1050 und 1800 Metern Höhe rund 50 Prozent ihrer Pisten mit künstlichem Schnee versorgen.

Mit dem Projekt Wildhaus 2.0 ist ein weiterer Ausbau der Beschneiung geplant. Aus Kostengründen ist dies bei der beschlossenen ersten Etappe noch nicht möglich, gemäss Urs Gantenbein werden aber bereits erste Optimierungen realisiert.

Zwei Speicherseen sammeln das wichtige Nass

Die BBW verfügen über zwei mit Leitungen verbundene Speicherseen. Der höher gelegene fasst 55000 m3 Wasser, jener auf 1300 Metern 5000 m3. Gefüllt werden sie durch Niederschlagswasser und eine eigene Quelle.

Wenn nötig wird der Untere während der Wintersaison mit Wasser gefüllt, das von der Wasserversorgung der Dorfkorporation Wildhaus bezogen wird. Da es kostenpflichtig ist, geschieht dies nur, wenn es dringend nötig ist, erläutert Gantenbein. «Wir haben zum Glück fast immer übriges Trinkwasser dafür», sagt Brunnenmeister Norbert Fischbacher. Einzig an Nachfrage-Spitzentagen sei ein Bezug nicht möglich.

Pizolbahnen beschneien 20 Prozent der Pisten

Bei den TBB und bei den Pizolbahnen ist die Beschneiung noch nicht im gleichen Mass ausgebaut wie in Wildhaus. Die TBB erteilen dazu keine Auskunft. Die Pizolbahnen können heute gemäss CEO Klaus Nussbaumer rund 20 Prozent der Pisten beschneien.

Sie planen aber in den nächsten Jahren einen etappierten Ausbau auf den Achsen Bad Ragaz und Wangs. Ein wichtiger Teil dieses Projektes ist ein neuer grosser Speichersee. Bei den Bahnen wird bei Bedarf Wasser in Trinkqualität für die Beschneiung bezogen, denn es wird schliesslich in der Natur ausgebracht.

In Wildhaus wird es Optimierungen bei der Beschneiung geben

Die technische Beschneiung ist ein sehr wichtiger Faktor für die Betriebssicherheit und damit den wirtschaftlichen Erfolg in der Wintersaison. Das ist den Bergbahnen Wildhaus und den Pizolbahnen bewusst.

In Wildhaus kann rund die Hälfte der Pisten beschneit werden, hier im Gebiet Freienalp.

In Wildhaus kann rund die Hälfte der Pisten beschneit werden, hier im Gebiet Freienalp.

Bild: Bergbahnen Wildhaus

In Wildhaus muss der geplante Ausbau der Beschneiung warten, bis genügend Kapital für weitere Etappen des Projektes Wildhaus 2.0 vorhanden ist. In der beschlossenen ersten Etappe werden vorerst einige Optimierungen gemacht.

 Pizolbahnen suchen Kapital für 13-Millionen-Ausbauprojekt

Die Pizolbahnen AG sammelt seit Oktober 2019 Kapital für ihr Grossprojekt Beschneiung 4.0. Wenn es gelingt, die Finanzierung der ersten Etappe sicherzustellen, soll baldmöglichst mit deren Realisierung begonnen werden.

Den Schwerpunkt bildet der geplante Speichersee Twärchamm als Herzstück der Beschneiung des gesamten Pizolgebietes. Daneben sollen das Leitungssystem Twärchammsee–Suntigweidsee sowie die Fertigstellung der Beschneiung Pizolhütte–Pardiel verwirklicht werden.

Die erste Etappe wird rund 6 Millionen Franken kosten. Für das Gesamtprojekt, das bis im Jahr 2031 realisiert werden soll, wird mit Kosten von rund 13 Millionen Franken gerechnet.

Mehr zum Thema