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Wehrbereitschaft und Durchhaltewillen im Werdenberg vor 75 Jahren

Dieser Artikel arbeitet einige lokale Begebenheiten im auch für die Schweiz unruhigen Kriegsjahr 1944 auf.
Hansruedi Rohrer
Festumzug am Kreismusiktag vom 30. Juli 1944 mit der «Harmonie» Buchs und Dirigent Fritz Blumer (neben dem Fähnrich).Festumzug am Kreismusiktag vom 30. Juli 1944 mit der «Harmonie» Buchs und Dirigent Fritz Blumer (neben dem Fähnrich).
Festumzug am Kreismusiktag vom 30. Juli 1944 mit der «Harmonie» Buchs und Dirigent Fritz Blumer (neben dem Fähnrich).Festumzug am Kreismusiktag vom 30. Juli 1944 mit der «Harmonie» Buchs und Dirigent Fritz Blumer (neben dem Fähnrich).
Festumzug am Kreismusiktag vom 30. Juli 1944 mit der «Harmonie» Buchs und Dirigent Fritz Blumer (neben dem Fähnrich).Festumzug am Kreismusiktag vom 30. Juli 1944 mit der «Harmonie» Buchs und Dirigent Fritz Blumer (neben dem Fähnrich).
Festumzug am Kreismusiktag vom 30. Juli 1944 mit der «Harmonie» Buchs und Dirigent Fritz Blumer (neben dem Fähnrich).Festumzug am Kreismusiktag vom 30. Juli 1944 mit der «Harmonie» Buchs und Dirigent Fritz Blumer (neben dem Fähnrich).
Festumzug am Kreismusiktag vom 30. Juli 1944 mit der «Harmonie» Buchs und Dirigent Fritz Blumer (neben dem Fähnrich).Festumzug am Kreismusiktag vom 30. Juli 1944 mit der «Harmonie» Buchs und Dirigent Fritz Blumer (neben dem Fähnrich).
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Bereitschaft und Durchhalten vor 75 Jahren

Region Der Schritt ins Jahr 1944 wurde in der Schweiz und der Region mit der Frage verknüpft: Was wird uns dieses fünfte Kriegsjahr bringen? Man hörte vom Jahr der Entscheidung, und die Mächtegruppen wiesen darauf hin, dass dieser Krieg bald einer Begrenzung unterliege. Aber die Völker kämpften verbittert weiter. So wusste die Bevölkerung auch im Werdenberg und Toggenburg, dass vorderhand noch keine rosigen Zeiten anbrechen. Bundesrat Walter Stampfli richtete seine Neujahrsansprache über den Radio-Landessender Beromünster an das Schweizer Volk. «Wachsamkeit, Bereitschaft, Opferwilligkeit und Hingabe bleiben das Gebot der Stunde», sagte er.

Zur Unterhaltung führten die Dorfvereine trotz allem ihre Anlässe durch, wie zum Beispiel die Musikgesellschaft Harmonie Buchs mit ihrem Winterkonzert am 8. und 9. Januar 1944 im Hotel Bahnhof. Einige Musikanten mussten danach bald wieder in den militärischen Aktivdienst einrücken. Und am 16. Januar spielte im Restaurant Schneggen, Buchs, die einheimische Kapelle Hans Schwarz. Der Eintritt inklusive Vergnügungssteuer kostete 55 Rappen. Im Untergeschoss des Restaurants war auch Haros Kuhstallbar bis 2 Uhr geöffnet. Dort gab es neue Schallplatten zu hören.

Gamperney-Derby mit Skichilbi

Am 6. Februar wurde das 13. Gamperney-Derby in Grabs als bekanntes Skirennen durchgeführt. «Alle bekannten Ostschweizer sind wieder am Start», hiess es. Bei der anschliessenden Skichilbi in der «Mühle» Grabs unterhielt wiederum die Kapelle Schwarz aus Buchs.

Das im Frühjahr beschlossene Sonntagsfahrverbot für Postautos wirkte sich vor allem für die weiter von der Bahnlinie entfernt wohnende Bevölkerung nachteilig aus. Als Abhilfe wurde in der Gamser Lokalzeitung «Werdenberger Anzeiger» die Frage aufgeworfen, ob nicht ein Fuhrwerkverkehr nach der Station Haag eingerichtet werden könnte.

Am 17. April machte die Kriegsfürsorgestelle der Gemeinde Buchs bekannt, dass alle Kinder bis zum vollendeten achten Altersjahr mit Erkennungsmarken ausgerüstet werden müssen. Diese Marken würden das einzige Mittel bilden, um bei Luftangriffen verlorene oder verwundete Kinder ihren Eltern zuführen zu können oder Tote zu identifizieren. «Die Eltern werden dringend ersucht, die mit einer Umhängeschnur versehenen Erkennungsmarken ihren Kindern um den Hals zu legen und derart zu befestigen, dass diese weder bei Tag noch in Nacht abgestreift werden können.» Am 12. Mai folgte eine Ergänzung der Luftschutzmassnahmen: «Die Hausinsassen haben unverzüglich in allen Stockwerken, einschliesslich Estrichen und Kellern, Behälter für Wasser und Sand bereitzustellen.»

Kino im Saal des Hotels Rätia

Das Kino Leuzinger, das damals noch im Saal des Hotels Rätia einquartiert war, zeigte Anfang Juni den bekannten Schweizer Film «Marie-Louise», einem Film aus jener Zeit, der später als Zeitdokument in die Geschichte einging.

Anfang Juli befanden sich im Kanton St.Gallen verschiedene Lager mit Militärinternierten. Die Leute standen dem landwirtschaftlichen Arbeitseinsatz zur Verfügung. Engere Grenz- und Festungsgebiete beim Einsatz waren für die Internierten gesperrt.

Havariertes Flugzeug stürzte bei Nesslau ab

Eine Zeitungsnotiz vom 22. Juli: «Seit mehr als einer Woche erleben wir – zum grossen Glück bis jetzt noch als passive Zuschauer – eine Intensität des Luftkrieges gegen Süddeutschland wie noch nie. Die Zahl der Fliegeralarme nimmt rapide zu, es vergeht sozusagen kein Tag und keine Nacht mehr, ohne dass die Sirenen unheimlich durchs Land heulen und das dumpfe Donnern der schweren Motoren gehört zum Ton dieser Tage. Besonders gut konnte man gestern Freitag zwei amerikanische Bomber beobachten, die während der Mittagsstunde längere Zeit über unserer Gegend kreisten, offenbar einen Landungsplatz suchend, da es sich vermutlich um havarierte Flugzeuge handelt, die während der Nacht über Süddeutschland operierten und von denen ein Teil in der Schweiz notlanden musste. Vermutlich dürfte es eine dieser beiden Maschinen sein, die dann später bei Nesslau abstürzte.

Am 30. Juli fand am Werdenbergersee der kantonale Kreismusiktag mit 14 Musikvereinen und 380 Mann statt. Dazu formierte sich ein grosser Festumzug ab Bahnhof bis zum Festplatz. Ein grosses Publikum bildete hier schon Spalier und bekundete Interesse.

Bundesfeiern mit Musik, Turnern und Freudenfeuer

Am 1. August wurde der Anlass in Buchs infolge Regens in die evangelische Kirche verlegt. Als Einleitung gab es Vorträge eines Bataillonsspiels und der «Harmonie» Buchs sowie der Männerchöre. Eine Ansprache von Major Weber und turnerische Darbietungen folgten im Programm. Die 1.-August-Feier in Grabs wurde dieses Jahr in schlichter Weise in der Kirche begangen. Lieder der Gesangsvereine und Vorträge der Musikgesellschaft Konkordia umrahmten die Ansprachen von Pfarrer Schiess und Oberleutnant Künzler. Die Bundesfeier in Sennwald wurde trotz des unsicheren Wetters auf dem Schulhausplatz abgehalten, wo sich nach 8 Uhr abends eine grosse Menschenmenge versammelte. Am späten Abend flammte auf Eidenen das Freudenfeuer auf.

Flüchtlingskinder aus Frankreich

Am 5. Oktober trafen in Buchs 60 Flüchtlingskinder aus Frankreich ein, die im Werdenberg an die beim Roten Kreuz angemeldeten Freiplätze verteilt wurden. Am 11. Oktober erging an sämtliche Velofahrer von Buchs und Grabs der dringende Aufruf, auf die Benützung ihres Rades weitmöglichst zu verzichten. Die Versorgungslage mit Fahrradreifen und Schläuchen war äusserst schwierig geworden.

Bis Anfang November hatte es in einigen Weilern in Wildhaus noch kein elektrisches Licht; die Bewohner mussten sich mit der Petrollampe zufriedengeben. Behördliche und private Initianten sorgten nun dafür, dass acht dieser Gemeindeteile mit dem elektrischen Strom versehen wurden.

Quelle: Werdenberger Nachrichten, 1944

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