Beim Ersatz von Gemeindepräsident Peter Kindler hat Sennwald die Qual der Wahl

Vier Kandidierende stellen sich für das Gemeindepräsidium zur Verfügung. Die Findungskommission kann alle vier Bewerber "bestens empfehlen". Am Montag Abend stellten sich die vier Kandidierenden der Bevölkerung vor.

Katharina Rutz
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Die drei Gemeindepräsidiumskandidaten und die -kandidatin präsentieren sich am Montagabend einem grossen Publikum: (von links) Jürg Stricker, Markus Inhelder, Davina Bohl (Moderation), Bertrand Hug und Fabienne Bernegger-Hafner. (Bild: Corinne Hanselmann)

Die drei Gemeindepräsidiumskandidaten und die -kandidatin präsentieren sich am Montagabend einem grossen Publikum: (von links) Jürg Stricker, Markus Inhelder, Davina Bohl (Moderation), Bertrand Hug und Fabienne Bernegger-Hafner. (Bild: Corinne Hanselmann)

«Sieben Bewerbungen sind für das Sennwalder Gemeindepräsidium sind bei uns eingegangen», sagt Max Michel am Wahlpodium vom Montagabend in der Landwirtschaftlichen Schule Salez. Das Mitglied der Findungskommission erklärt, dass daraus vier valable Kandidaten ausgewählt werden konnten, die zu einem Gespräch eingeladen wurden. Drei Bewerbern wurde abgesagt.

Jürg Stricker, Sennwald

Jürg Stricker, Sennwald

"Wir dürfen nicht auf Kosten künftiger Generationen leben."

Das von der Findungskommission organisierte Podium zog viel Publikum an. Rund 450 Personen wollten aus erster Hand mehr über die vier Kandidierenden Fabienne Bernegger, Bertrand Hug, Markus Inhelder und Jürg Stricker erfahren. Moderiert wurde der Anlass von Davina Bohl. Bertrand Hug tritt bereits zum zweiten Mal zur Wahl als Gemeindepräsident von Sennwald an. Vor acht Jahren unterlag er Peter Kindler.

Alle Kandidierenden sind motiviert

Fabienne Bernegger ist sowohl die einzige Frau als auch die einzige Kandidatin, die nicht in der Gemeinde sondern in Buchs wohnhaft ist. Ihre Beziehung zur Gemeinde war denn auch eine der ersten Fragen, welche Davina Bohl an die 43-jährige stellte. Fabienne Bernegger ist sozusagen eine «eingeheiratete». Ihr Mann stammt aus Haag und so kann sie eine Sennwalder-Verwandtschaft vorweisen.
Der international tätige Jürg Stricker würde gerne wieder in seine Gemeinde zurückkehren, was einzig geografisch für ihn ein «Rückschritt» wäre und Markus Inhelder hat sich bereits im April öffentlich zur Wahl gestellt.

Markus Inhelder, Sennwald

Markus Inhelder, Sennwald

"Es ist wichtig, den rund 4000 Arbeitsplätzen Sorge zu tragen."

Selbstverständlich sind alle sehr motiviert, das Amt von Peter Kindler im Juni 2020 zu übernehmen. Alle Kandidierenden zeigten sich ausserdem sehr wirtschaftsfreundlich und betonten die Bedeutung der Industrie für die Gemeinde Sennwald. Bertrand Hug setzt darauf, das ansässige Gewerbe zu behalten und für neue Unternehmen Anreize zu setzen, beispielsweise indem man wie Buchs Bauten zur Verfügung stelle. Fabienne Bernegger würde mit Hilfe der Standortförderung des Kantons alles daran setzen, dass Sennwald eine Gemeinde ist, wo man gerne wohnt und arbeitet.

Digitalisierung gehört zu Herausforderungen

Markus Inhelder betont die Vielfältigkeit der Unternehmen in der Gemeinde. «Es ist wichtig, den rund 4000 Arbeitsplätzen Sorge zu tragen.» Auch kleinere Firmen sollen die Chance erhalten, Bauland zu erwerben. Jürg Stricker setzt auf Dialog und da er jahrzehntelang in der Industrie arbeitete, falle ihm dies leicht.

Bertrand Hug, Frümsen

Bertrand Hug, Frümsen

"Gute Projekte sterben nicht, auch ohne den Gemeindepräsidenten."

Herausforderungen für die Gemeinde seien künftig die Digitalisierung, wie vor allem Bernegger betonte. Aber auch die Raumplanung allgemein und die Schulraumplanung insbesondere seien wichtig. Hier warf vor allem Jürg Stricker seine Erfahrung als ehemaliger Schulratspräsident in die Waagschale. Während Markus Inhelder findet, die Gemeinde brauche rasch Legislaturziele und eine Strategie, sollten die Dinge laut Bertrand Hug nicht übereilt werden. «Gute Projekte sterben nicht, auch ohne den Gemeindepräsidenten», sagte er.

Führungsstil von kollegial bis direktiv

Unterschiede zeigten sich auch im Führungsstil der Kandidierenden. Hug nannte seinen Führungsstil «kooperativ und menschenorientiert». Jürg Stricker würde in Krisensituationen «direktiv» führen, wie er aus seiner militärischen Erfahrung weiss. «Ansonsten führe ich zielorientiert.» Bernegger führt nach eigenen Angaben kollegial und bezieht Mitarbeitende wo möglich gerne mit ein. Inhelder will «fördernd und fordernd» führen. Er gibt jedem Mitarbeitenden einen Vertrauensbonus, den jeder dann aber auch «zurückzahlen» müsse.

Thema Finanzen bot viel Gesprächsstoff

Schliesslich wurde während des Podiums auch viel über die Finanzen gesprochen. Der tiefe Steuerfuss und die im kantonalen Durchschnitt hohen Schulkosten gaben zu diskutieren. Besonders sensibilisiert zeigte man sich gerade auch wegen des Skandals rund um das Sennwalder Altersheim. Jürg Stricker sprach sich deshalb für mehr Kontrolle aus und Markus Inhelder will den Einsatz einer Finanzkommission. Eine Prognose zur Entwicklung des Steuerfusses wagte niemand. Alle Kandidierenden wollen diesen nach Möglichkeit tief halten. Allerdings gaben Hug und Stricker zu bedenken, dass Investitionen bzw. Mehrkosten auf die Gemeinde zukommen würden. Infolgedessen steige der Steuerfuss wohl. Auch Bernegger betonte, dass Investitionen in Infrastrukturen unbedingt zu machen seien, brachte aber auch die «schöne Reserve» der Gemeinde ins Gedächtnis. Jürg Stricker würde von Fall zu Fall abwägen. «Wir dürfen nicht auf Kosten künftiger Generationen leben», so seine Devise. Wäre dies der Fall, so müsste man den Steuerfuss erhöhen, um die Kosten zu tragen.

Fabienne Bernegger, Buchs

Fabienne Bernegger, Buchs

"Die Bildung ist ein hohes Gut, sie ist das Gold der Schweiz."

Einig war man sich, dass der Bildung ein hoher Stellenwert zukommt und auch die Schulstandorte in den fünf Dörfern wurden soweit nicht in Frage gestellt. Alle vier Kandidierenden sind parteilos. Dennoch wollte Davina Bohl wissen, wie wohl der Wahlzettel von ihnen aussehen wird. Bernegger, Stricker und Hug werden einen «bunten» Wahlzettel von links bis rechts einwerfen. Inhelder positioniert sich Mitte bis rechts.