Beim diesjährigen Treffen der Rebpaten beim Staatswingert in Frümsen standen neue Produkte aus alten Sorten im Mittelpunkt

Trotz nasskaltem Wetter liessen sich die Paten der alten Rebsorten am Samstag die Teilnahme am traditionellen Fest im Frümsner Staatswingert nicht nehmen. Die Meinungen der Rebpatinnen und Rebpaten waren geteilt, es kristallisierten sich Favoriten hervor und schon war die ganze Gruppe in Fachgespräche rund um den Wein vertieft.

Adi Lippuner
Drucken
Teilen
Markus Hardegger (links) begrüsst Rebpate und Regierungsrat Fredy Fässler mit seiner Ehefrau.

Markus Hardegger (links) begrüsst Rebpate und Regierungsrat Fredy Fässler mit seiner Ehefrau.

Bild: Adi Lippuner

Angepasst an die Wetterbedingungen, gab es Informationen und Degustationen in verschiedenen überdachten Bereichen. Entsprechend den Coronavorschriften wurden Gruppen gebildet. Für Felix Indermauer aus Berneck, einen Kenner historischer Rebsorten ist klar: «Der Sortengarten darf keine Einbahnstrasse sein, es sollen Produkte aus den Trauben entstehen, die auch ihre Abnehmer finden.»

Seine Ausführungen zu den beiden Sorten Räusching und Heunisch machten Lust auf die anschliessende Degustation von Weinen, die daraus gekeltert wurden. Räuschling war früher in der östlichen Schweiz, Deutschland und dem Elsass weit verbreitet. Früher als «saurer Wein» bezeichnet, präsentieren sich die Weine heute als zartfruchtig und säurebeschwingt. Auch der reich tragende Heunisch findet heute als Nischenprodukt seine Fans.

Die Meinungen der Rebpaten waren geteilt

Die Rebpaten erhielten, sozusagen als Ergänzung zu den Ausführungen der Fachleute Gelegenheit, Weine aus alten Sorten zu degustieren. Da waren zwei weisse Heunisch, einmal aus dem Wallis und einer aus der Südpfalz. Probiert wurden auch ein Räuschling, ein Grünfränkischer und ein Adelfränkischer.

Angeregte Diskussionen rund um die Weine aus den alten Sorten Räuschling und Heunisch.

Angeregte Diskussionen rund um die Weine aus den alten Sorten Räuschling und Heunisch.

Bild: Adi Lippuner

Die Meinungen der Rebpatinnen und Rebpaten waren geteilt, es kristallisierten sich Favoriten hervor und schon war die ganze Gruppe in Fachgespräche rund um den Wein vertieft. In einer zweiten Degustationsrunde standen zwei Blaue Muskateller, ein Grüner Veltliner, ein Roter Veltliner, der Blaue Abst und ein Gänsfüsser bereit. In einem Bereich herrschte Einigkeit: «Die Vielfalt der Weine, auch aus alten Sorten ist beachtlich.»

Für die Verarbeitung von Kompott geeignet

Andi Schmid machte in seinem Referat gluschtig auf den Roten Weinbergpfirsich, wie er bisher vor allem an der Mosel angebaut wird. Seine Versuche in Scharans, im bündnerischen Domleschg zeigen, dass diese Pflanze, sozusagen als Ergänzung zu den Reben auch in der Schweiz durchaus Potenzial hat. Im Unterschied zu den weissen Weinbergpfirsichen, welche als Tafelobst verwendet werden, eignet sich der Rote Weinbergpfirsich für die Verarbeitung und zwar von Kompott über Sirup bis hin zu Likör.

Staatswingert ist zu Hause für 423 Sorten

Markus Hardegger, Leiter Fachstelle Weinbau und auch Präsident des Vereins Arca Vitis, der sich um den Erhalt der alten Rebsorten kümmert, informierte die Anwesenden über den Staatswingert. Dort werden insgesamt 423 Sorten gepflegt, wobei ein Grossteil Müller-Thurgau und Blauburgunder zu den bekannten Weinen aus dem Frümsner Rebberg gekeltert werden. Die Sammlung alter Rebsorten, von den in der Schweiz 140 bekannten Pflanzen, stehen 136 im Sortengarten, habe sich seit der Vereinsgründung im Jahr 2009 erfreuliche entwickelt.

Felix Indermauer mit der reich tragenden Sorte Heunisch.

Felix Indermauer mit der reich tragenden Sorte Heunisch.

Bild: Adi Lippuner

Nicht zum Backen, sondern zur Pflege gedacht

Wichtig für den Staatswingert sind auch die Versuche mit neuen Sorten, wobei den «Piwi» (Pilzwiderstandsfähigen Reben) Aufmerksamkeit geschenkt werde. «Backpulver, Milchpulver und Fenchelöl werden nicht als Backzutaten, sondern zur Pflege dieser Reben eingesetzt,» so Markus Hardegger.

In diesem Zusammenhang wand er Rebmeister Mario Eggenberger und seinem Team ein Kränzchen. «Da wird mit viel Einsatz und Motivation gearbeitet, denn wir haben jährlich auch zwischen 40 und 50 Führungen, teilweise auch mit Apéro im Staatswingert und dieser Kontakt und die Zusatzaufgaben bewältigt das Team mit Freude», sagte Hardegger.