Bei Schwingerkönig Nöldi Forrer kommt die Gesundheit vor 150 Kränzen

Schwingerkönig Nöldi Forrer ist an der rechten Hüfte operiert worden und macht sich Gedanken über die Zukunft.

Urs Huwyler
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Nöldi Forrer kann die Klinik gut gelaunt mit einer rechten Hüftprothese verlassen.

Nöldi Forrer kann die Klinik gut gelaunt mit einer rechten Hüftprothese verlassen.

Bild: Urs Huwyler

Nach fünf Tagen durfte Schwingerkönig Nöldi Forrer die Hirslanden-Klinik am Rosenberg in Heiden verlassen. «Es ist erstaunlich, wie gut es ihm schon geht», sagt der behandelnde Arzt Pierre Hofer, Orthopädie St. Gallen, und fügte an, er habe dem königlichen Schwinger die grösste «handelsübliche» Hüftgelenk-Kugel einsetzen müssen. Für die nächsthöhere Prothesen-Nummer hätte es einer Spezialanfertigung bedurft. Die rechte Problemhüfte ist beim 41-jährigen Käsermeister aus Stein nun also neu. «Links braucht es keinen Eingriff. Das hilft mir bei der Reha», sagt Nöldi Forrer.

Monatelang konnte er nicht schmerzfrei arbeiten und schon gar nicht schwingen, unterstützte die Pharmaindustrie. «Vor zehn Jahren bin mit dem Bike vor dem Haus gestürzt und rechts hart auf dem Boden aufgeschlagen. Damals dachte ich, das werde schon wieder. Eine medizinische Behandlung wäre sinnvoll gewesen», weiss der sechsfache Eidgenosse heute, dass er damals als mittelalterlicher Wilder die Situation falsch eingeschätzt hatte. Die Gelenkkugel wies Einbuchtungen auf und ein Splitter sorgte für zusätzliche Beschwerden.

Schwingen mit Prothese ist wohl möglich

Weder die Fortsetzung der Karriere noch ein allfälliger Rücktritt stehen derzeit für Forrer zur Diskussion. «Zuerst geht es darum, dass ich mich bis ins hohe Alter beschwerdefrei bewegen kann. Darauf arbeite ich hin. Alles andere spielt derzeit keine Rolle. Ich kenne das Gefühl, schmerzfrei zu sein, nicht mehr, möchte wieder ohne Einschränkungen Sport treiben können. Bergwandern, Skifahren oder Biken. Danach kann ich mir Gedanken machen, was schwingerisch möglich ist.»

Seit zwei Jahren setzt sich Nöldi Forrer 150 Kränze als persönliches Ziel. Derzeit hält er den Rekord mit 147 Kopf-Auszeichnungen. Heuer kamen lediglich zwei dazu. Das heisst, dass sich erst 2021 der 150er-Traum realisieren lasse, denn bis nächsten Sommer dürfte der Aufbau mindestens dauern. Dann sind jedoch die «leichteren» Kantonalen vorbei. «Wie gesagt, die Gesundheit geht vor. Für drei Kränze setze ich diese nicht aufs Spiel», betont der König aus dem Jahr 2001. Sollte der Routinier die Marke mit einer Hüftprothese erreichen, wäre dies eine besondere Geschichte. Medizinisch ist eine Rückkehr ins Sägemehl nach Einschätzung von Hofer für einen Schwinger denkbar. Er hatte vor einiger Zeit einen Spitzenhandballer hüfttechnisch operiert und dieser spielte auf höchstem Niveau weiter.

An der Betreuung wird es Forrer nicht fehlen. In der Orthopädie steht ihm Christian Gutgsell (persönlicher Trainer/Physiotherapeut von Sprinterin Salomé Kora) zur Seite. «Aber», warnt Pierre Hofer, «um zurückzukommen braucht es neben einem optimalen Heilungsverlauf einen extremen Willen, Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, an die Grenzen zu gehen und zu leiden.»