Bei familienergänzender Kinderbetreuung besteht in der Region Sarganserland-Werdenberg Verbesserungspotenzial

Eine Wahlveranstaltung der SP Wartau widmete sich dem Thema auf Basis einer Untersuchung der Fachhochschule Graubünden.

Hanspeter Thurnherr
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Sie sprachen an der Wahlveranstaltung: Monika Engler, Katrin Serries, Laura Bucher, Pia Zurbrügg, Alexander Hatziisaak, Gabriel Dinner, Moderatorin Claudia Zogg und Kathrin Dinner (von links).

Sie sprachen an der Wahlveranstaltung: Monika Engler, Katrin Serries, Laura Bucher, Pia Zurbrügg, Alexander Hatziisaak, Gabriel Dinner, Moderatorin Claudia Zogg und Kathrin Dinner (von links).

Bild: Hanspeter Thurnherr

Im Zentrum des Abends stand eine von Claudia Zogg moderierte Podiumsdiskussion zum Angebot berufskompatibler Kinderbetreuung in der Region.

Regierungsratskandidatin Laura Bucher, St. Margrethen, sagte, der Kantonsrat diskutiere in der Februarsession eine Gesetzesvorlage, welche jährlich fünf Millionen Franken vorsieht, um damit tiefere Elternbeiträge zu ermöglichen. Bucher sieht allerdings im von der Regierung vorgeschlagenen Verteilschlüssel einen Fehlanreiz.

Wie Gabriel Dinner, Geschäftsführer der Kitawas Kindertagesstätten (Kitas), ausführte, betreibt der Verein Kitawas im Wartau und Sarganserland vier Kitas mit je zwölf Plätzen und zwei Mittagstische.

Schulferienzeit macht Sorgen

Kathrin Dinner, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fachhochschule Graubünden (FHGR), untersuchte das Angebot genauer: «In den beiden Wahlkreisen gibt es 155 Plätze, was einem Versorgungsgrad von fünf bis sechs Prozent entspricht. Dies ist beachtlich, auch wenn der Schweizer Durchschnitt bei rund zehn Prozent liegt.»

Gemäss Monika Engler, Professorin an der FHGR, liegt die Region im kantonalen Mittel – Buchs komfortabel, das Sarganserland bescheiden. Probleme sieht sie im Schulbereich: «Es gibt im Wartau einen Mittagstisch, aber keinen Transport.» Sie bemängelt, dass auch beim Mittagstisch die Schulferien nicht berufskompatibel abgedeckt sind. Ein weiteres Dilemma: Kitaplätze müssen oft fix genommen werden, obwohl die Arbeitgeber flexiblere Arbeitnehmende möchten.

Mit Betreuungsschlüssel das Problem lösen

Gabriel Dinner befürchtet, dass dadurch Kitas zur Schulbetreuerin mutieren, wodurch Babys auf der Strecke bleiben. Man müsste daher mehr Plätze für Säuglinge schaffen und diese anders finanzieren. Denn es brauche für sie mehr Personal. Für Katrin Serries, Regionalleiterin Ostschweiz des Verbandes Kinderbetreuung Schweiz, ist das Problem nur über den Betreuungsschlüssel lösbar.

Allerdings sei man sich noch nicht einig, was der eigentliche Auftrag sei: morgens die Kinder abgeben und abends abholen können – oder auch Bildungsarbeit in der Frühförderung leisten? Man wisse aber, dass die Hebelwirkung des Lernens im Alter von 0 bis 4 Jahren am grössten sei.

Kinderbetreuung muss der Gesellschaft etwas wert sein

Pia Zurbrügg, Präsidentin der SP Werdenberg, verdeutlichte, dass gerade Eltern, die keine regelmässigen Arbeitszeiten haben, auch auf die Betreuung durch Tagesfamilien angewiesen seien. Auf eine entsprechende Frage meinte sie: Es brauche in der Kinderbetreuung einen gesunden Mix von akademisch gebildetem Personal und von Fachfrauen Betreuung. «Denn Sozialkompetenz ist nicht aus Büchern lernbar.»

Einig waren sich die Podiumsteilnehmer und in der Diskussion auch die Zuhörer, dass die Kinderbetreuung der Gesellschaft etwas wert sein müsse und sich letztlich die Kosten mehrfach als lohnend erweisen.

Wartauer Kandidat stellte sich vor

Zum Einstieg hatte sich in Trübbach Alexander Hatziisaak als Kandidat der SP Wartau für den Kantonsrat vorgestellt. Für den Studenten der Rechtswissenschaften ist das Thema Gesundheit und die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen ein Kernthema. Er nannte eindrückliche Zahlen: 83 Milliarden Franken Gesundheitsausgaben entsprechen 12,4 Prozent Bruttosozialprodukt, Tendenz steigend.

Die Prämien entsprechen heute durchschnittlich 14 Prozent des Einkommens, auch wegen Verschlechterungen der Prämienverbilligung. Die SP kämpfe mit der Prämienentlastungsinitiative, welche demnächst beim Bund eingereicht werde, dagegen. Sie fordert unter anderem, dass die Krankenkassenprämie nur maximal 10 Prozent des Einkommens kosten darf. «Denn die Prämie soll für geringer Verdienende erschwinglich bleiben», betonte Hatziisaak.