Befürworter aus der Region Werdenberg informierten über die Pro-Argumente: «Ja zum Jagdgesetz heisst nicht Nein zum Wolf.»

Vertreter der Land- und Alpwirtschaft sowie der Jagd erläuterten am Buchserberg ihre Argumente für ein Ja zum revidierten Jagdgesetz. Es gehe um eine Regulierung und nicht um eine Ausrottung der Wildtiere, betonten sie.

Adi Lippuner
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Jules Mullis, Revierjagd St. Gallen, Markus Hobi, Alpwirtschaftliche Kommission, Martin Keller, St. Galler Schafzuchtverband und Peter Nüesch, St. Galler Bauernverband (von links), treten für ein ja zum revidierten Jagdgesetz ein.

Jules Mullis, Revierjagd St. Gallen, Markus Hobi, Alpwirtschaftliche Kommission, Martin Keller, St. Galler Schafzuchtverband und Peter Nüesch, St. Galler Bauernverband (von links), treten für ein ja zum revidierten Jagdgesetz ein.

Bilder: Adi Lippuner

Das aus dem Jahre 1985 stammende Jagdgesetz wurde revidiert und kommt nun, nachdem das Referendum ergriffen wurde, am 27.  September vors Volk.

Am Montag legten folgende Befürworter der Vorlage am Buchserberg ihre Argumente für die Annahme des Jagdgesetzes dar: Jules Mullis, Revierjagd St.Gallen, Peter Nüesch, St.Galler Bauernverband, Markus Hobi, Präsident der Alpwirtschaftlichen Kommission und Martin Keller, Schafzüchter und Präsident des St.Gallischen Schafzuchtverbands.

«Ohne Regulierung ist die Alpwirtschaft bedroht»

Ohne Regulierungsmöglichkeiten der Wolfbestände sieht Markus Hobi «die Alpwirtschaft existenziell bedroht». Die Anzahl der Wölfe nehme zu.

«Waren es Ende 2018 noch 48, sind es heute 80 Tiere. Deshalb ist eine massvolle Regulation nötig, und für mich ist ganz klar, ein Ja zum Jagdgesetz ist nicht ein Nein zum Wolf.»

Vielmehr gehe es darum, neue Lösungen zu finden und zwar, solange der Bestand reguliert und den Wölfen auch eine gewisse Furcht vor dem Menschen beigebracht werden könne.

Konflikte zwischen Wild- und Nutztieren

Für Peter Nüesch definiert das neue Gesetz die Eckwerte zur Regulation und sichert dabei die Bestände langfristig.

«In den letzten Wochen wurden schweizweit mehrere hundert Schafe und Kälber durch Wölfe gerissen. Konflikte zwischen der Landwirtschaft und Wild- und Nutztieren sind kaum mehr zu vermeiden.»

Mit Herdenschutzhunden und elektrischer Zäunung lasse sich zwar ein guter Schutz erreichen, eine vollständige Sicherheit sei jedoch unmöglich. Für die traditionelle Berglandwirtschaft sei eine funktionierende Alpwirtschaft unabdingbar, so Markus Hobi. Bei steigendem Druck durch Wolfsrudel bestehe die Gefahr, dass viele Alpen nicht mehr bestossen würden. Dies hätte die Vergandung der Gebiete zur Folge.

«Gefährdet sind zudem auch seltene Rassen wie das Engadinerschaf, das Walliser Landschaf, die Appenzellerziegen, die Nera Verzasca oder die Bündner Strahlenziegen, um nur einige zu nennen. Diese Tiere werden von Liebhabern mit grossem Einsatz gezüchtet. Bei zunehmenden Wolfsrissen müssen wir damit rechnen, dass diese aufgeben.»

Zehn Jahre Erfahrung mit Herdenschutz

Die Schafe von Martin Keller weiden während der Sommermonate im Unterengadin, und zwar im Scarltal. Ein Hirte und mehrere Herdenschutzhunde begleiten die Schafe und sorgen für deren Schutz. «Wir haben zehn Jahre Erfahrung gesammelt, und wir sind in dieser Region in der glücklichen Lage, dass keine Wanderwege durch das Weidegebiet führen», stellt Keller fest.

Der Herdenschutzhund betrachtet die Schafe als Familienmitglieder.

Der Herdenschutzhund betrachtet die Schafe als Familienmitglieder.

Denn das aggressive Abwehrverhalten der Herdenschutzhunde – diese schützen als «Familienmitglied» die Schafe – führe zu Konflikten mit Wandertouristen. So seien in stark frequentierten Gebieten Schutzhunde eine grosse Herausforderung für alle Verantwortlichen.

«Zudem sind Wolfsrisse sowohl für den verantwortlichen Hirten als auch für den Besitzer der Tiere eine emotionale Belastung. Selbst wenn die Tiere bei einem nachgewiesenen Riss durch den Wolf entschädigt werden, gehen solche Erlebnisse unter die Haut.»

Für Jules Mullis ist wichtig, dass bei einer Annahme des Jagdgesetzes nicht die Jäger die erlaubten Abschüsse vornehmen würden, sondern der zuständige Wildhüter.

«Wer im Zusammenhang mit dem revidierten Gesetz von einer Jagd auf Wölfe spricht, sagt ganz klar die Unwahrheit.»

Denn die Oberaufsicht für die kontrollierte Bejagung durch staatliche Stellen liege beim Bund.

Vorgeschriebene Wildkorridore sind wichtig für die Wildtiere

Wichtig ist Jules Mullis auch die Erstellung von 300 Wildkorridoren, wie sie im Gesetz vorgesehen sind. «Damit erhalten die Wildtiere die Möglichkeit, ungefährdet vom Einstands- ins Äsungsgebiet zu wechseln.»

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