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Im Werdenberg haben die Bäume genug vom Sommer

Während die Menschen den Hochsommer geniessen, scheinen die Pflanzen bereits eine Jahreszeit voraus zu sein. Was veranlasst sie dazu, sich das Herbstgewand überzustreifen?
Bianca Helbling
Aufgrund der Trockenheit sind viele Bäume bereits verfärbt, wie hier im Buchser Rietli. (Bild: Heini Schwendener)

Aufgrund der Trockenheit sind viele Bäume bereits verfärbt, wie hier im Buchser Rietli. (Bild: Heini Schwendener)

Wer momentan in die Werdenberger Waldhänge schaut, wird sich einen verwunderten Blick nicht verkneifen können. So mancher Baum erscheint schon bunt oder braun. Martin Lieberherr, Revierförster der Ortsgemeinde Gams, erklärt, warum gewisse Gewächse jetzt schon im Herbstmodus sind: «Das ist wahrscheinlich eine Reaktion auf die extreme Trockenheit. Vor allem bei Buchen und Birken macht sich dies nun bemerkbar.» Wenn die Blätter der Bäume sich bunt verfärben, bedeutet dies, dass die Pflanze das Wachstum einstellt und sich auf den Winter vorbereitet. Im Herbst geschieht das auf natürliche Weise als Reaktion auf die schwächere Sonneneinstrahlung und die kürzeren Tage. Die wertvollen Nährstoffe werden in Wurzeln, Stamm und Ästen gespeichert, während den Blättern das Wasser und unter anderem der Farbstoff Chlorophyll, der für das Grün der Blätter verantwortlich ist, entzogen wird.

Ein Grossteil der aus dem Boden aufgenommenen Flüssigkeit verdunstet über die Blätter. Da auch wenig Niederschlag fällt, setzten viele Bäume auf Selbstschutz. Sie lagern die funktionellen Bestandteile, lassen die Blätter verdorren und stellen sich auf eine nährstoffarme Zeit ein.

Folgenreiche Schäden befürchtet

Wenn es so weitergehe, sagt Lieberherr, werde die Situation kritisch. «Momentan sieht man noch nicht viel beim Blick in den Wald». Doch die Trockenheit kann für Bäume längerfristige Auswirkungen haben, die Erholung ein bis zwei Jahre dauern. «Durch den sehr warmen Frühling sind viele Samen und Früchte gewachsen, vor allem bei Tanne, Linde und Fichte. Das hat die Pflanzen Kraft gekostet. Kombiniert mit der Trockenheit kann dies dazu führen, dass die nächsten zwei Jahre beispielsweise weniger Früchte heranreifen, da zuerst die Reserven wieder aufgefüllt werden müssen». Für genauere Prognosen ist es allerdings noch zu früh, weil insbesondere auch das Wetter des kommenden Frühlings einen grossen Einfluss haben wird.

Und was kann dagegen unternommen werden, wenn im heimischen Garten ein Bäumchen Farbe bekennt? Förster Lieberherr winkt ab: «Sofern es bereits bunt verfärbte Blätter hat, ist es zu spät. Der Baum hat dann mit dem Jahr abgeschlossen und wird auch im Falle eines warmen und feuchten Spätherbstes nicht mehr seine Blätter spriessen lassen». Um einen Baum mit genügend Feuchtigkeit zu versorgen, würde wohl ohnehin eine Giesskanne Wasser pro Tag nicht reichen. Auch ein abendlicher Regenguss kann nur kurzfristig Abhilfe schaffen, da der vertrocknete Boden Wasser bekanntermassen weniger schnell und leicht aufnimmt als ein Gesättigter.

Invasiver Borkenkäfer bedroht Fichten

Zusätzlich zur Dürre macht speziell den Fichten noch etwas anderes zu schaffen: «Durch die Trockenheit sind die Bäume sehr strapaziert. Sie stehen unter Stress und haben weniger Abwehrkräfte, was den Borkenkäfer ungemein begünstigt. Infolge der Sturmschäden vom Frühling existiert für das Ungeziefer mehr Brutmaterial. Ausserdem haben Fichten als sogenannte Flachwurzler ohnehin schlechte Voraussetzungen für lange Dürreperioden». Doch bisher schlage sich diese Baumart erstaunlich gut, so Lieberherr.

Die Auswirkung dieses frühzeitigen Saisonwechsels der Flora ist im Gesamten schwer einzuschätzen. Trotz der zahlreichen negativen Aspekte der Trockenheit ist es gleichwohl faszinierend, welche innovativen Schutzmechanismen die Natur entwickelt, um sich ihr Überleben zu sichern. Die Menschen können hingegen nicht viel unternehmen, um den Bäumen zu helfen. Auch die Wälder ihrerseits beanspruchen eine zu grosse Fläche, als dass wirksame Präventivmassnahmen ergreifbar sind. Neben den aufgestellten Waldbrandgefahrentafeln können selbst die Förster nicht viel ausrichten. Aus Sicht der Vegetation ist demzufolge nur auf eine längere Niederschlagsphase zu hoffen. Dem Betrachter bleibt es, die Farbvielfalt bereits jetzt bei sommerlichen Temperaturen zu geniessen – ein Phänomen das hoffentlich nicht zur Normalität wird.

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