Bad-Rans-Richter war befangen - wird der Monsterprozess neu aufgerollt?

Das St.Galler Kantonsgericht hat einen Richter des Kreisgerichts Werdenberg-Sarganserland für befangen erklärt. Sollte das Urteil für ungültig erklärt werden, müsste der Monsterprozess neu aufgerollt werden.

Roman Hertler
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Für das Luxusprojekt der Genossenschaft Bad Rans hat der Kreisrichter ein geologisches Gutachten verfasst. (Bild: Visualisierung PD)

Für das Luxusprojekt der Genossenschaft Bad Rans hat der Kreisrichter ein geologisches Gutachten verfasst. (Bild: Visualisierung PD)

Die Tinte unter den Urteilen im Monsterprozess um den millionenschweren Anlagebetrug von Bad Rans ist gerade erst getrocknet. Nun sind die Schuldsprüche möglicherweise ungültig. Das Kantonsgericht St. Gallen habe einen der fünf Richter des Kreisgerichts Werdenberg-Sarganserland im Fall Isenbach/Bad Rans für befangen erklärt, schreibt der «Beobachter».

Der hauptberufliche Hydrogeologe ist seit 2010 Kreisrichter. Im Auftrag der beschuldigten Genossenschaft Bad Rans soll er ein geologisches Gutachten erstellt haben, ohne vollständig entschädigt worden zu sein. Den letzteren Umstand soll er seinen Richterkollegen nicht mitgeteilt haben.

Parteien könnten Wiederholung verlangen

Wird der Entscheid des Kantonsgerichts, die Befangenheitserklärung des Kreisrichters, rechtskräftig, könnte es für das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland zum Reinfall werden. Alle Parteien, die in den Fall Isenbach/Bad Rans involviert waren, könnten nämlich verlangen, dass sämtliche Amtshandlungen, an denen der Richter beteiligt war, wiederholt werden. Sprich: Der Monsterprozess, der 100 Stunden gedauert hat, müsste mit neuen Richtern nochmals geführt werden.

Gegenüber dem «Beobachter» sagte der fest angestellte Kreisrichter Hans Willi, man habe den Parteien vergangenen Donnerstag den Entscheid des Kantonsgerichts zugestellt. «Wir warten nun die Reaktion der Parteien ab. Erst dann können wir das weitere Vorgehen bekanntgeben.» Ende November hatte das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland Dutzende Schuldsprüche verhängt . Die Drahtzieher mehrerer Bauprojekte, darunter das Luxushotel Bad Rans, hatten sich hohe Honorare zugeschanzt, gebaut wurde nie. Hunderte Kleinanleger wurden dabei um ihr Altersgeld oder stattliche Teile ihres Vermögens gebracht.

Forderungen von über 43 Millionen Franken

Die Fälle reichen bis ins Jahr 2005 zurück. Bei der Wohnbaugenossenschaft Isenbach in Illnau-Effretikon verloren über 500 Anleger ihr Geld. Sie investierten in der Regel zwischen 20000 und 50000 Franken in Anteilscheine. Das Genossenschaftskapital von 20 Millionen Franken ging vollends verloren. Während des Konkurses meldeten sich 210 Gläubiger mit Forderungen von über 43 Millionen Franken. Die Beschuldigten waren auch in die Planung verschiedener Bauprojekte im St. Galler Rheintal involviert.

Ein Hauptbeschuldigter kassierte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren, ein anderer dreieinhalb Jahre. Zwei Beschuldigte nahmen nicht am Prozess teil. Die Nebenbeschuldigten kamen mit milden Geldstrafen davon.