Ausgewanderter Buchser über die Covid-Situation in Thailand: «Für mich ist die Hysterie nicht nachvollziehbar»

Jürg Schwendener - ein ausgewanderter Buchser - berichtet aus Phuket: «Hier, wo viele von der Hand in den Mund leben, haben von einem Tag auf den anderen Millionen Leute kein Einkommen mehr und leiden sogar Hunger.»

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Die drei Buchser Hanskarl Lichtensteiger, der ausgewanderte Jürg Schwendener und Hans Rutz (von links).

Die drei Buchser Hanskarl Lichtensteiger, der ausgewanderte Jürg Schwendener und Hans Rutz (von links).

Bild: PD

(red.) «Seit bald zwölf Jahren darf ich in diesem wunderschönen Land in Phuket leben», schreibt Jürg Schwendener, der aus Buchs nach Thailand ausgewandert ist. Den meisten Rentnern in Thailand gehe es gut, «da sie keinen Job verloren und ein sicheres Einkommen, sprich Rente haben». Bezüglich Covid-19 gehe es in diesem Land streng zu.

«Schon nach Bekanntwerden des Ausbruchs in China wurden sämtliche Flüge von China gestrichen, und die chinesischen Touristen wurden so schnell wie möglich nach Hause geschickt.»

Noch im Februar 2020 seien über zehn Millionen Chinesen nach Thailand gekommen, vor allem um das chinesische Neujahr zu feiern. Aber dann wurden die meisten internationalen Flüge gestrichen.

«Panikartig mussten die Touristen Thailand verlassen, da ihre Visa am Ablaufen waren», schildert Schwendener. Inzwischen seien zwar alle Visa automatisch bis Ende Juli verlängert worden, aber eine Heimreise sei praktisch verunmöglicht.

Die Regierung rief den Notstand aus

Die Regierung rief den Notstand aus, «was ihr ermöglichte, nach Gutdünken Massnahmen zu ergreifen», schreibt der ausgewanderte Buchser weiter. Es folgte die Quarantäne-Regelung, Ausnahmezustand, Ausgangssperre von 22 bis 4 Uhr früh, Maskentragpflicht, Versammlungsverbot, die Schliessung von Schulen und Geschäften ausser Lebensmittelläden und aller Attraktionen und Strände sowie ein Alkoholverkaufsverbot.

«Einkaufen im Bezirk blieb erlaubt und es fehlt betreffend Lebensmitteln an nichts.»

Man könne es als Erfolg bezeichnen, dass von den 66 Millionen Thais gerade mal zirka 3000 angesteckt wurden und nur 54 gestorben seien.

Er kommentiert das wie folgt: «Das sind extrem wenige– aber ob das gut ist, weiss man noch nicht.» Er fragt sich, was passiert, wenn die Touristen wieder einströmen.

Sechs Millionen leben vom Tourismus

«Anfang Mai werden die Restriktionen wieder etwas gelockert, aber das Leid, das angerichtet wurde, ist jetzt schon kaum überschaubar.» Etwa sechs Millionen Leute im Land würden allein vom Tourismus leben und seien plötzlich ohne Arbeit. «Hier, wo viele von der Hand in den Mund leben, haben von einem Tag auf den anderen Millionen Leute kein Einkommen mehr und leiden sogar Hunger.»

Schweizer Verein hilft mit Spenden

Vor allem Ausländer hätten jetzt angefangen, Essen an Hilfsbedürftige zu spenden. «Hier in Phuket ist der Schweizer Verein, für welchen ich die Website mache, aktiv geworden und hilft mit Spenden und Mitgliedern, die aktiv mit anpacken.» Die Aktion werde von der Regierung und der Polizei unterstützt, da es nicht einfach sei, beim grossen Andrang an den Essensausgabestellen die vorgeschriebenen Abstände einzuhalten.

«Die Dankbarkeit ist gross und das Engagement geht dank Spenden weiter.»

Natürlich helfe auch der Staat mit und verteile Geld an Bedürftige und Arbeitslose. «Aber es wird wie nach dem Tsunami lange dauern, bis wieder Normalität einkehren wird», schreibt der Auswanderer. Sein Kommentar dazu lautet, auch angesichts der vergleichsweise tiefen Fallzahlen in Thailand: «Für mich ist die Hysterie nicht nachvollziehbar und ich bin nach wie vor der Meinung, dass es zwar ein sehr ansteckendes Grippevirus ist. Aber es ist nicht tödlicher als seine Vorgänger, doch bei einer starken Verbreitung kann es natürlich die Spitäler an die Grenzen bringen.»

Der Schaden, der durch übertriebene Massnahmen angerichtet wurde, sei kaum fassbar, so Schwendener.

Hinweis

http://www.swiss-society-phuket.com/spendenaktion-covid19/