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Prozess in Mels: Frau sticht Mann aus Eifersucht ein Messer in den Rücken

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland hat eine junge Frau verurteilt, die ihrem damaligen Freund ein Messer in den Rücken gerammt hat, neun Zentimeter tief. Sie betonte, das sei Notwehr gewesen.
Reinhold Meier

Erst fielen böse Worte, dann krachte es. Die Dame des Hauses schleuderte das Natel des Freundes derart auf den Boden, dass es beschädigt wurde. Der Mann revanchierte sich, griff sich das Handy seiner Liebsten und schleuderte es seinerseits durch die Wohnung. Vorangegangen waren heftige Vorwürfe wegen angeblicher Untreueanzeichen per SMS mit dritten Liebchen. So flogen die Tatwerkzeuge durch die dicke Luft. Doch es blieb nicht bei den Handy-Attacken.

Vielmehr ging es rasch in die körperliche Konfrontation. Dabei soll die Frau mehrfach tätlich geworden sein, gegen den ihr physisch weit überlegenen Partner. Sie kratze ihn und riss ihm Haare aus. Einschlägige Büschel wurden später von der Polizei sichergestellt und Kratzwunden vom Arzt dokumentiert. Bald gelangten die beiden Raufenden so in die Küche, wo der zweite Akt seinen Lauf nahm.

Schublade ins Kreuz geworfen

Denn die junge Frau riss in der Küche die Besteckschublade heraus, das Silber klirrte auf den Boden. Sie schnappte sich ein Küchenmesser und stach zu, in die Schulter des Mannes, zweieinhalb Zentimeter tief. Der Verletzte wurde wütend, wie die Anklage nüchtern festhielt. Er drängte sie in eine Ecke und schrie sie an. Dann aber liess er ab, ging ins Wohnzimmer, um seine Sachen zu packen. Die erregte Freundin warf ihm dabei die Schublade ins Kreuz hinterher. Das war der Auftakt zum dritten Akt.

Denn, während der Mann noch packte, näherte sich die Frau von hinten, bewaffnet mit dem Messer. Nach kurzem Blickkontakt stach sie zu, unvermittelt, neun Zentimeter tief in den Rücken, zwischen dem zweiten und dritten Lendenwirbel, lebenswichtige Organe nur knapp verfehlend. Dann rannte sie ins Treppenhaus und rief mehrfach «Er bringt mich um», bis Nachbarn auf den Tumult aufmerksam wurden.

«Sie musste sich verteidigen»

Die Beschuldigte bestritt die Vorfälle an Schranken kaum. Sie machte aber geltend, sie habe in Notwehr gehandelt, ja, handeln müssen. Sie habe Angst um ihr Leben gehabt und nicht flüchten können. «Ich habe nicht mehr überlegt, wollte mich nur noch befreien.» Als das Messer neben ihr gelegen habe, habe sie es ergriffen und ohne Nachdenken zugestochen. «Mir war nicht bewusst, was das hätte anrichten können», betonte sie. Sie hatte 0,7 Promille Alkohol im Blut. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Sie habe sich in einer Notlage befunden und sich mit dem zweiten Messerstich Zeit zur Flucht verschafft. «Sie musste sich verteidigen.»

Die Anklage jedoch forderte Schuldsprüche. Den ersten für den kleineren Messerstich, der als einfache Körperverletzung zu werten sei, den zweiten für den lebensbedrohlichen Messerstich, der als versuchte schwere Körperverletzung gelten müsse und den dritten für die mehrfachen Tätlichkeiten. «Es war reines Glück, dass der Mann keine dauerhaften Schäden erlitten hat». Ihn von hinten beim Packen anzugreifen, zeuge von krimineller Energie und nicht von Notwehr. «Es gab keinen Grund mehr, ihn anzugreifen». Sie forderte denn auch 18 Monate Freiheitsentzug, bedingt auf drei Jahre Probezeit.

«Der Anlass war nichtig»

Das Gericht sprach die Angeklagte vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung frei. Der erste Messerstich könne als Abwehrhandlung in einer Notlage verstanden werden. Sie sei zwar nicht bewiesen, aber eben auch nicht das Gegenteil, weshalb in «In dubio pro reo» freizusprechen sei. Bei den Tätlichkeiten jedoch und vor allem bei dem zweiten, tiefen Messerstich müssten Schuldsprüche erfolgen. «Das war keine Notwehr, sondern Absicht.» Das Opfer habe viel glaubwürdiger ausgesagt, als die Täterin, hinzu kamen medizinische Belege, aber auch die Zeugenaussagen der Nachbarn.

«Der Anlass war nichtig und die Eskalation völlig unverhältnismässig», hielt das Gericht fest. Es verhängte 15 Monate Haft, bedingt ausgesprochen auf zwei Jahre Probezeit. Zugute hat es der Verurteilten gehalten, dass sie bisher gänzlich unbescholten lebte und auch nach der Tat nichts mehr vorgefallen ist.

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