Der wirtschaftliche Aufschwung im Werdenberg hat sich etwas abgeschwächt

2017 verringerten sich die Zahlen der Stellensuchenden in der Region Werdenberg überdurchschnittlich stark. 2018 war dies anders, denn nun scheint der Boom in der Industrie eine Sättigung erreicht zu haben.

Heini Schwendener
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Urs Greuter leitet das RAV Sargans, das für die Regionen Werdenberg und Sarganserland zuständig ist. (Bild: Heini Schwendener)

Urs Greuter leitet das RAV Sargans, das für die Regionen Werdenberg und Sarganserland zuständig ist. (Bild: Heini Schwendener)

Die Jahre 2015 und teilweise auch noch 2016 waren für die Wirtschaft in unserer Grenzregion schwierig – als Folge der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizer Nationalbank. 2017 überwogen die positiven Signale im Arbeitsmarkt definitiv, die Zahl der Stellensuchenden im Werdenberg sank innert Jahresfrist um rekordhohe 14,9 Prozent.

In der ersten Hälfte des vergangenen Jahres setzt sich dieser Trend weiter. Doch dann schwächte sich der Rückgang der Stellensuchenden merklich ab. Am Schluss des Jahres 2018 resultierte im Vorjahresvergleich sogar ein Plus von 1 Prozent (vgl. Tabelle), derweil im kantonalen Durchschnitt die Zahl der Stellensuchenden um 7 Prozent gesunken ist.

«Eine Trendwende ist aber nicht sichtbar»

Urs Greuter, Leiter des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) in Sargans, hat eine Vermutung zur Ursache: «Der Boom in der Industrie in der starken Region Werdenberg hat wohl die Sättigung erreicht. Im Industriesektor war der Rückgang schwächer als bei den Dienstleistungen.» Urs Greuter kommt jedoch nach einer Absprache mit dem Kantonalen Amt für Statistik zum Schluss: «Eine Trendwende ist aber nicht sichtbar.» Die Fachleute im Volkswirtschaftsdepartement gehen davon aus, dass sich der sinkende Trend bei den Stellensuchenden in den kommenden Monaten fortsetzen werde, wenn auch nicht mehr so stark wie bis anhin.

In der RAV-Region Sargans, zu der die beiden Wahlkreise Werdenberg und Sarganserland gehören, hat die Zahl der Stellensuchenden im Vorjahresvergleich von 1407 auf 1357 oder um 3,6 Prozent abgenommen. Die Quote der Stellensuchenden im Jahresmittelwert beträgt 2,9 Prozent, das liegt noch immer um 0,7 Prozentpunkte unter dem kantonalen Mittel von 3,6 Prozent.

Im Dezember 2018 gab es im Vorjahresvergleich 9,7 Prozent weniger Arbeitslose, der kantonale Rückgang betrug 17,1 Prozent.

Im vergangenen Jahr haben sich beim RAV Sargans 2497 Personen angemeldet, um einen Antrag auf Arbeitslosenentschädigung zu stellen. 2535 Personen konnten 2018 von der Arbeitsvermittlung abgemeldet werden. Diese Werte sind mit den Vorjahreszahlen vergleichbar.

In der Medienmitteilung des kantonalen Volkswirtschaftsdepartements vom Dezember 2018 hiess es, die Zahl der an den RAV gemeldeten offenen Stellen habe sich im Vorjahresvergleich mehr als verdoppelt, von gut 700 auf aktuell rund 1800. Davon unterstehe gut die Hälfte der seit dem 1. Juli 2018 geltenden Stellenmeldepflicht (STMP). In Berufsarten mit hoher Arbeitslosigkeit müssen Arbeitgeber seither alle offenen Stellen dem RAV melden. So soll das Potenzial der inländischen Arbeitskräfte besser genutzt werden.

Drei Stunden bis zur Vertragsunterzeichnung

Die Auswirkungen der STMP bekam auch das RAV Sargans zu spüren. Einerseits mit mehr Arbeit, andererseits auch mit erfreulichen Vermittlungsergebnissen. Greuter hebt einen besonderen Fall hervor: «Das Highlight zur Stellenmeldepflicht war, als von der Stellenmeldung bis zur Vertragsunterzeichnung nur gerade drei Stunden vergangen sind.» Die STMP hat beim RAV zu mehr Stellenvermittlungen geführt. Und auch zu einer leicht angepassten Arbeitsweise. Der Vermittlungsgedanke habe in solchen Fällen im Vergleich zum Beratungsgedanken etwas mehr Gewicht bekommen.

Greuter verweist auf das Stellenportal www.Job-Room.ch, für das sich Arbeitgeber und private Arbeitsvermittler/-verleiher registrieren können. Finden sie auf der Liste der Stellensuchenden eines RAV eine geeignete Person, erhält der Personalberater eine Meldung, prüft den Vorschlag und erteilt, wenn er passend ist, die Freigabe an die Stellenkoordination und diese übermittelt den Kandidatenvorschlag zur Selektion an den Arbeitgeber. Qualitativ gute Kandidatenvorschläge an Arbeitgeber nach dem Vier-Augen-Prinzip haben Priorität. Laut Urs Greuter ist beim RAV Sargans die STMP gut angelaufen.

Die RAV-Mitarbeitenden unterstützen die Arbeitgeber, wenn nötig vor Ort und zeigen z.  B. auf, wie der Administrationsaufwand gering gehalten werden kann. Alle RAV-Dienstleistungen erfolgen ohne Honorarrechnung.