Kommentar

Auf Nummer sicher gehen

Zu viele Fragen, zu viele Unsicherheiten, dazu kommen noch Ängste. So kommt schlicht keine Ferienstimmung auf.

Robert Kucera
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«Zu reisen ist zu leben.» Dieses Zitat vom dänischen Dichter Hans Christian Andersen sorgt dafür, dass es mich im Herzen brennt. Es ist das Fernweh in Kombination mit der Vorfreude auf wärmende Erlebnisse für die Seele sowie auf warme Sonnenstrahlen auf meiner Brust. Leben pur.

Dieses Jahr tut dieser Brand aber so richtig weh im Herzen. Verreisen? Echt jetzt? Ohne mich! Doch frei nach Hans Christian Andersen steht mir ohne die traditionelle Ferienreise ein desaströser Sommer bevor – ohne Lebenshauch in der Brust. Was natürlich gar nicht geht.

«Also ab in die Ferien! Corona hin, Sicherheitsabstände her. Neben Badetuch und Badehose stapeln sich im Reisekoffer nun die Schutzmasken.»

Nur noch rasch online gehen, buchen, los geht’s. Doch was passiert, wenn der Flug dann doch nicht stattfindet? Das Hotel schliessen muss? Es droht ein nervenaufreibender Prozess, bis ich endlich mein Geld retour erhalte. Dann doch lieber ins Reisebüro gehen. Top-Beratung. Und wenn was schief läuft, habe ich Profis, die sich um meine Angelegenheiten kümmern. Sie setzen sich für meine Rechte ein und haben als treue Partner der Airline und des Hotels die besseren Karten in der Hand als der Online-Einzelkämpfer.

Sind damit alle Probleme beseitigt? Ab in die Ferien? Moment ...

«Was ist, wenn eine Horde Urlauber aus einem Risikoland just in meinem Hotel eincheckt und massenweise Viren im Gepäck hat?»

Oder das nette Ehepaar, das mich, einen Touristen wie sie, nach dem Weg fragt, sich noch gesund fühlt, aber leider nicht mehr ist und mich mit Corona ansteckt? Werde ich krank, sind die Ferien gelaufen.

Oder das Land, welches ich gerade bereise, wird plötzlich auf die schwarze Liste gesetzt und ich werde nach der Ankunft in der Schweiz unter Quarantäne gestellt. Welche Konsequenzen hätte ich vom Arbeitgeber her zu befürchten?

«Bei so vielen Fragen und Unsicherheiten gibt es nur eine Lösung: Daheim bleiben.»

Und gegen die Mär antreten, dass der Schweizer zwar die Welt, aber nicht mal das Nachbardorf kennt. In diesem Sinne sagt der Buchser: «Grabs, halte dich bereit – ich komme!»