Die Familie Zogg aus Grabs beschloss 1874: Auf nach Amerika, mit acht Kindern

Im Landesmuseum Zürich ist ein Reisevertrag von Grabser Auswanderern aus dem Jahr 1874 ausgestellt.

Mathäus Lippuner
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Der Original-Reisevertrag vom 6. August 1874 zwischen der zehnköpfigen Familie Zogg aus Grabs und der Auswandereragentur C. Brown & Cie. wird während zehn Jahren im Landesmuseum in Zürich ausgestellt. (Bild: PD)

Der Original-Reisevertrag vom 6. August 1874 zwischen der zehnköpfigen Familie Zogg aus Grabs und der Auswandereragentur C. Brown & Cie. wird während zehn Jahren im Landesmuseum in Zürich ausgestellt. (Bild: PD)

Das Ausstellungsstück stammt aus dem Ortsarchiv Grabs. Der Reisevertrag aus dem Jahr 1874 wird während der kommenden zehn Jahre im Landesmuseum Zürich ausgestellt. Das Landesmuseum ist gemeinsam mit weiteren Museen unter dem Dach des Schweizerischen Nationalmuseums vereint. Es ist das meist besuchte historische Museum der Schweiz. Es umfasst drei kulturgeschichtliche Museen und ein Sammlungszentrum. Mehrmals im Jahr finden Wechselausstellungen zu kulturgeschichtlichen Themen statt.

Das Museum beherbergt die grösste kulturgeschichtliche Sammlung der Schweiz. Die Dauerausstellung umfasst Exponate zu Kultur und Geschichte des Lebensraums Schweiz. Es heisst unter anderem: «Die grosse historische Ausstellung beleuchtet anhand von vier Themenschwerpunkten (Migration/Besiedlung, Emigration, Religion, Politik und Wirtschaft), die Landesgeschichte vom Mittelalter bis in die Gegenwart.»

Emigrationsreisevertrag aus Grabser Ortsarchiv

Eines der auch für Schulen gestalteten Themen ist Flucht und Migration. Dazu heisst es: «Warum verlassen Schweizerinnen und Schweizer ihre Heimat? Wer kommt in die Schweiz? Was sind wichtige Migrationsgründe? Ist Ein- und Auswandern ein Phänomen der Gegenwart oder gab es das schon zu früheren Zeiten? Ein historischer Längsschnitt lässt erkennen, dass immer schon aus diversen Gründen migriert wurde. Die Besucherinnen und Besucher können sich mit den wandelnden Motiven von Ein- und Auswanderung befassen. Sie erfahren etwas über die Chancen und Risiken für die Migranten, sowie über die Schweiz, die sich vom Aus- zum Einwanderungsland entwickelt hat.»

Das Landesmuseum Zürich hat in Grabs um einen Emigrationsreisevertrag aus dem 19.Jahrhundert für die Dauerausstellung nachgesucht, welchem entsprochen worden ist.

Während zehn Jahren im Landesmuseum

Es wurde ein entsprechender Leihvertrag abgeschlossen. So wird eines der Exponate während zehn Jahren aus dem Ortsarchiv Grabs sein: der Original-Reisevertrag vom 6. August 1874, zwischen der Familie Zogg aus Grabs und der Auswandereragentur C. Brown & Cie, Basel. Die im Reisevertrag betroffene Auswandererfamilie zählte zehn Personen: Die Eltern Florian und Anna mit acht Kindern im Alter zwischen «1 Säugling» und 18 Jahren. Die Reise ging per Eisenbahn ab Station Buchs oder Trübbach – die Familie wohnte zeitweise in Wartau – über Basel nach Le Havre und mit dem Dampfschiff nach Baltimore USA.

1700 Franken kostete die Reise nach Amerika

Früher, per Pferdekutsche, dauerte es bis Le Havre bis 25 Tage. Ab etwa 1860 war diese Strecke mit der Eisenbahn in 40 Stunden zu bewältigen. Mit den Segelschiffen dauerte eine Überfahrt von Le Havre bis New York, je nach Wetterverhältnissen, einen Monat und darüber. Sie wurde mit dem Aufkommen der Dampfschiffe wesentlich verkürzt.

Die Reisekosten für die Familie Zogg betragen 1770 Franken. Dabei inklusive sind «200 Pfund Gepäck pro Kopf für Erwachsene und 100 Pfund pro Kopf für Kinder über drei Jahr» sowie «für hinreichende und gesunde Verköstigung und Verpflegung» wird gesorgt.

Reisekosten bezahlten oft die Ortsgemeinden

Die Bezahlung der Reise wickelte, wie bei vielen, auch bei dieser Familie die Ortsgemeinde Grabs ab. Von minderbemittelten Auswanderern (nur von Ortsbürgern) deren Reisekosten von der Ortsgemeinde übernommen wurden, sind viele solche Gesuche, Berichte, Briefe, Protokolle und Verträge aus dem 19.Jahrhundert im Ortsarchiv Grabs erhalten geblieben. Die Kosten für die Ortsgemeinde betrugen pro erwachsene Person ungefähr die zehnfache Summe eines jährlichen Bürgernutzens.

Die Ausreisenden mussten sich mit Unterschrift verpflichten, während zehn Jahren (im Falle eines Rückkehrens) auf den Erhalt eines Ortsbürgernutzens, dieser konnte auch ein Stück Pachtland sein, zu verzichten.

Am meisten Auswanderer aus unserer Region

So konnte das dem Auswanderer bisher zugeteilte Ortsgemeindeland an andere Bürger verpachtet werden und die bezahlten Reisekosten flossen mit dem Pachtzins wieder in die Ortsgemeindekasse. Und eine Rückkehr kam ohnehin höchst selten vor. Im Kanton St.Gallen sind in jenen Jahren aus den Bezirken Sargans und Werdenberg am meisten Menschen ausgewandert – mehrheitlich nach Nordamerika.

Die Erhebung genauer Zahlen über Ausgewanderte im 19.Jahrhundert sind kaum möglich. Es gibt aber einigermassen realistische Statistiken vom Kanton und auch von Forschern und Historikern.

Zum Beispiel sollen ausgewandert sein: 1845–1885: aus dem Kanton St.Gallen 12065 Personen, davon aus dem Bezirk Werdenberg 2127 Personen, davon zirka 500 aus Grabs (es waren jedoch deutlich mehr). Von 1820–1880 nach USA 90000 Schweizer, von 1846–1854 2,8 Millionen Europäer nach USA. Vom 18. und 19.Jahrhundert, bis 1880, zählten die USA insgesamt über 10 Millionen Zugewanderte.

Hinweis www.landesmuseum.ch