Infoanlass zu Koexistenz Wanderer und Biker: Suche nach St. Galler Modell

Experten des Langsamverkehrs sind sich einig, dass die gemeinsame Nutzung der Weginfrastruktur durch Wanderer und Biker für die Schweiz sinnvoll ist. Wanderer und Biker im Einklang – so lautet denn auch die Interpellation des Toggenburger Kantonsrats Martin Sailer (SP).

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Aktive Diskussionsrunde – auf der Bühne Martin Sailer, Interpellant und Kantonsrat Toggenburg; Peter Stirnimann, ehemaliger Leiter Fachstelle Langsamverkehr Graubünden; Bruno Hirschi, Geschäftsleitungsmitglied Schweiz Mobil (von rechts, sitzend). (Bild: PD)

Aktive Diskussionsrunde – auf der Bühne Martin Sailer, Interpellant und Kantonsrat Toggenburg; Peter Stirnimann, ehemaliger Leiter Fachstelle Langsamverkehr Graubünden; Bruno Hirschi, Geschäftsleitungsmitglied Schweiz Mobil (von rechts, sitzend). (Bild: PD)

(wo) Selbst zwar kein aktiver Mountainbiker, so liegt Sailer aber der Tourismus am Herzen. «Ich ärgere mich ständig, dass viele meiner Kollegen zum Biken nach Graubünden fahren, es wäre doch landschaftlich auch bei uns sehr schön.» So hat er im Juni zusammen mit 28 weiteren Kantonsräten diese Interpellation sowie drei konkrete Fragen bei der Regierung eingereicht. Ende September ist die Antwort der Regierung des Kantons St. Gallen eingetroffen und das Biker Netzwerk hat die Gelegenheit genutzt, zusammen mit Bike- und Wander-Experten sowie politischen Vertretern Schritte für eine nachhaltige Entwicklung des Mountainbike-Tourismus zu finden, wie es in einer Medienmitteilung schreibt.

Neben dem Interpellanten Martin Sailer aus dem Toggenburg nahmen auch die Sarganserländer Kantonsräte Jens Jäger (FDP, Vilters-Wangs) sowie Markus Bonderer (SVP, Sargans) kürzlich an einer Diskussion in Bad Ragaz teil.

Graubünden als positives Beispiel

Der Kanton Graubünden befasst sich seit knapp 10 Jahren mit der Entwicklung des Mountainbiketourismus und erntet aktuell als Vorzeigeregion auch die Früchte dieser Massnahmen. Lässt sich das Bündnermodell auch auf St. Gallen anwenden? Peter Stirnimann, ehemaliger Leiter der Fachstelle Langsamverkehr Graubünden ist seit Beginn federführend an dieser Entwicklung in Graubünden beteiligt und zeigte den Anwesenden auf, wie Graubünden die Thematik angepackt hat. Als wichtige Grundlage sieht Stirnimann das klare und breitabgestützte Bekenntnis eines Miteinanders auf den bestehenden Wegen. Mit einer guten Planung und einer eindeutigen Signalisation sowie dem richtigen Angebot können Massen gelenkt und Konflikte verhindert werden.

Weiter stellt Stirnimann klar, dass die kantonale Verwaltung eine zentrale Rolle einnimmt. Sie müsse den Prozess und Rahmen definieren, damit alle Beteiligten die benötigte Sicherheit bei Projektumsetzungen erhalten. Bruno Hirschi, Geschäftsleitungsmitglied von Schweiz Mobil bestätigt die Wichtigkeit einer starken kantonalen Fachstelle auch im schweizweiten Vergleich.

Fachstelle Fuss- und Veloverkehr gefordert

St. Gallen hat mit der Fachstelle Fuss- und Veloverkehr eine aktive Fachstelle, die sich traditionell intensiv mit Velowegen und Agglomerationsverkehr auseinandersetzt und gemäss den Experten dabei auch einen guten Job macht. Die aufkommenden Bedürfnisse von Mountainbikerouten und deren Fragestellungen sind aber Neuland und benötigen entsprechendes Know-how und Ressourcen.

Mehr Ressourcen für die Verwaltung ist gemäss Markus Bonderer eine aussichtslose Forderung. Es benötigt eine klare Strategie und eine entsprechende Priorisierung dieser neuen Anforderungen. Viktor Styger von den SG Wanderwegen und auch Roger Walser, Geschäftsführer Bikeretzwerk, sind sich einig, dass es einen gemeinsamen Weg gibt und in Projekten wie beispielsweise Wegunterhaltskurs bereits gemeinsam umgesetzt wurden.

Sowohl die Wanderer als auch die Biker wünschen attraktive Wege und haben mehrheitlich die gleichen Bedürfnisse. Die guten Erfahrungen in der Ferienregion Heidiland sollen vertieft und auf den ganzen Kanton angewendet werden. Die Schlussrunde machte klar, dass Graubünden in Sachen Mountainbike Entwicklung als Vorzeigekanton gilt. Am Ende muss der Kanton St. Gallen von oben die Rahmenbedingungen setzen und kommunizieren. Gleichzeitig sollen die Leistungsträger von unten mit guten Projekten die Entwicklung anstossen. (pd)