Ein Jahr nach Altersheim-Debakel in Sennwald – neue Leiterin: «Ich kann mich gut auf Gegenwart und Zukunft konzentrieren»

Seit August leitet Jeanette Mösli das Altersheim Forstegg in Sennwald, das vor einem Jahr in die negativen Schlagzeilen geriet. Mit dem W&O blickt sie zurück auf das erste halbe Jahr.

Interview: Corinne Hanselmann
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Jeanette Mösli, Heimleiterin Altersheim Forstegg Sennwald

Jeanette Mösli, Heimleiterin Altersheim Forstegg Sennwald

Corinne Hanselmann

Nachdem das Altersheim Forstegg wegen finanzieller Ungereimtheiten in die negativen Schlagzeilen geraten und der ehemalige Heimleiter ausgeschieden ist, wählte der Gemeinderat Sennwald Jeanette Mösli als neue Leiterin. Sie ist im Werdenberg keine Unbekannte, hat sie doch unter anderem die Kinderbetreuung Grabs-Gams-Sennwald und das Familienzentrum Grabs aufgebaut. Die 60-Jährige war neun Jahre lang Grabser Gemeinderätin und bis 2019 Präsidentin der Betriebskommission Stütlihus Grabs. Sie hat einst Pflegefachfrau gelernt, in Spitälern gearbeitet und Auszubildende unterrichtet. Die Anstellung als Heimleiterin im «Forstegg» ist für sie der Wiedereinstieg in eine Aufgabe auf operativer Ebene.

Jeanette Mösli, wie erlebten Sie die ersten Monate im Altersheim Forstegg?

Jeanette Mösli: Gut. Vor allem war ich beeindruckt, wie viele positive Rückmeldungen ich zum Heimbetrieb erhielt, sei es von Bewohnerinnen und Bewohnern, aber auch von Angehörigen. Dies beruhigte mich sehr, da es mir zeigte, dass das Altersheim seine Aufgabe nach wie vor in einer guten Qualität erfüllt.

Was sind Ihre wichtigsten Aufgaben?

Ich bin zuständig für die operative Sicherstellung der Lebens- und Wohnqualität der Bewohnerinnen und Bewohner. Dazu muss ich gute Rahmenbedingungen schaffen, damit die verschiedenen Dienste wie Pflege, Hauswirtschaft, Küche und Hauswartung ihre Aufgaben in guter Zusammenarbeit erfüllen können. Zudem bin ich Ansprechperson innerhalb des Betriebes und gegen aussen. Gegenüber der Altersheimkommission und dem Gemeinderat bin ich für gute betriebswirtschaftliche Ergebnisse verantwortlich.

Weshalb hat es Sie gereizt, die Leitung des Altersheims Forstegg zu übernehmen?

Eine schöne Arbeit reizt immer (lacht). In der Altersarbeit sind viele interessante Entwicklungen im Gange. Daran teilzuhaben ist eine gute Sache. Das «Forstegg» hat mich einfach angesprochen und nicht mehr losgelassen und nun bin ich hier. Ich habe das angetroffen, was ich erwartet habe.

Das Altersheim Forstegg, bzw. der ehemalige Leiter, geriet vor einem Jahr in die negativen Schlagzeilen (der W&O berichtete). Werden Sie häufig darauf angesprochen?

Ich persönlich werde sehr wenig darauf angesprochen. Ich kann mich gut auf die Gegenwart und die Zukunft konzentrieren. Jeder Betrieb muss offen sein für Entwicklung und Veränderung.

«Das ‹Forstegg› ist heute ein Betrieb, der wach ist und in die Zukunft blickt – dauernd bereit, notwendige Anpassungen zu machen.»

Erzielten die Massnahmen, die im Rahmen der Betriebsanalyse erarbeitet wurden, die gewünschte Wirkung?

Die Massnahmen wie beispielsweise die Korrektur des Stellenplans sowie die interne Aufsicht durch eine Kommission haben die gewünschte Wirkung erzielt. So konnte das «Forstegg» 2019 erstmals seit Jahren wieder ein positives Jahresergebnis erzielen. Der Betrieb konnte sozusagen zur Normalität zurückkehren. Nun gilt es, den Betrieb zu sichern, gesamthaft an der Qualität zu arbeiten, neue Abläufe «einzuschleifen» und weitere Erfahrungen zu sammeln, um für die Zukunft gerüstet zu sein.

Der Betrieb konnte zur Normalität zurückkehren.

Der Betrieb konnte zur Normalität zurückkehren.

Corinne Hanselmann

Der in den vergangenen Jahren ausgebaute Personalbestand wurde 2019 wieder abgebaut. Welche Konsequenzen hat das für die Bewohner und den Betrieb?

Der Personalbestand musste nur in der Hotellerie reduziert werden. Dazu gehören Küche, Reinigung, Wäscherei und Hauswartung, nicht aber die Pflege. Für die Bewohner gab das insofern Veränderungen, dass viele Leute gingen – zum Teil auch selber entschieden zu gehen. Es kamen also neue Gesichter. Das Wohl der Bewohner stand immer an oberster Stelle und die Qualität hat sich laut Rückmeldungen nicht verschlechtert.

Worauf legen Sie Wert bei Ihren Mitarbeitenden?

Mir ist es wichtig, dass sie ihre Arbeit gerne machen und nicht vergessen, für wen sie hier sind. Die fachliche Kompetenz muss vorhanden sein und auch immer wieder erweitert werden. Die Mitarbeitenden verdienen korrekte Arbeitsbedingungen und eine angemessene Wertschätzung für die erbrachte Leistung. Aber Personalentwicklung geht nicht von heute auf morgen. Dies bedingt lange, seriöse Arbeit. Wir haben zum Glück viele gute Mitarbeitende.

Seit Mitte 2018 gibt es eine Altersheimkommission in der Gemeinde Sennwald. Wie funktioniert diese Zusammenarbeit zwischen Ihnen und der Kommission?

Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut, ich werde gut unterstützt. Wir treffen uns mindestens sechsmal jährlich. Mit Kommissionspräsident Peter Kindler tausche ich mich regelmässig aus, alle ein bis zwei Wochen.

Was unterscheidet das Altersheim Forstegg von anderen Institutionen?

Jeder Betrieb ist einzigartig. Das «Forstegg» ist ein kleiner, handlicher und überschaubarer Betrieb. Dies ermöglicht es in einem gewissen Rahmen, unkompliziert und persönlich auf Bedürfnisse einzugehen. Das Wohnen und Leben hat hier eine hohe Qualität.

Wie häufig gibt es Wechsel bei den Bewohnern?

Rund ein Viertel der Bewohnenden wechselte sich 2019 aus. Das Durchschnittsalter beim Eintritt liegt bei 86 Jahren. Ich gehe davon aus, dass dies noch steigen könnte. Die Leute treten also sehr spät ins Heim ein, erst wenn sie die Hilfe benötigen. Das hängt auch mit der Entwicklung des Angebots im teilstationären und ambulanten Bereich zusammen.

In den vergangenen Jahren hörte man in der Gemeinde Sennwald immer wieder, dass die Angebote für «Wohnen und Leben im Alter» nicht ausreichen und die 35 Plätze im Altersheim nicht genügen. Wie sehen Sie das?

Ob in Sennwald die Angebote genügen, liegt nicht an mir zu beurteilen. In den sechs Monaten konnte ich feststellen, dass aktuell die 35 Zimmer soweit gut besetzt werden konnten.

Könnte man auch mehr Zimmer besetzen?

Ob wir dauerhaft mehr hätten besetzen können, bin ich mir nicht sicher. Die Heimfinanzierung ist so geregelt, dass eine hohe Auslastung nötig ist.

«Wir können es uns nicht leisten,
Betten leer zu haben.»

Unbesetzte Plätze sind grundsätzlich nicht finanziert. Stand heute liegt die Auslastung bei 100 Prozent. Im Jahr 2019 lag die Auslastung bei 98,2 Prozent.

Wie sieht für Sie «Wohnen im Alter» in Zukunft aus?

Die Bedürfnisse bezüglich «Leben und Wohnen im Alter» werden immer individueller. Deshalb ist ein vielfältiges Angebot, das unterschiedlich auf Bedürfnisse älterer Menschen reagieren kann, immer wichtiger. Hierbei gilt es zu beachten, dass sich im Bereich Wohnungsbau viel getan hat und heute viele Wohnungen altersgerecht sind. Ein Gesamtpaket mit ambulanten, teilstationären und stationären Angeboten ermöglicht den Einwohnern ein gutes Leben und Wohnen im Alter. Sehr wichtig sind zudem gute und zuverlässige Angebote zur Entlastung der Angehörigen, wie etwa Ferienplätze. Denn die Angehörigen spielen eine enorm wichtige Rolle in der Altersarbeit.