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Auf der Suche nach dem "Brot des Waldes" im Werdenberg

Wenn der Sommer langsam zu Ende geht, zieht es die Pilzsammler wieder zu ihren Lieblingsplätzen in den Wald. Die Grabserin Alexandra Milesi geht schon seit ihrer Kindheit auf Pilzsuche. Heute gibt sie ihr grosses Wissen über Pilz an Kursen und Workshops weiter.
Ramona Riedener
Dieses Jahr hat es sehr viele Steinpilze. Es gibt sie in allen Grössen. (Bild: Ramona Riedener)

Dieses Jahr hat es sehr viele Steinpilze. Es gibt sie in allen Grössen. (Bild: Ramona Riedener)

Obwohl Pilze eigentlich das ganze Jahr wachsen, gilt der Herbst als Saison für die Früchte des Waldes. Pilzen liegt im Trend. So wagen sich neben den "alten Hasen" auch Neulinge auf die Schatzsuche. Da Sammlerglück auch seine Schattenseite hat, liegen die genussvollen Exemplare oft ganz nah bei den giftigen Artgenossen. Ein Pilz davon verdirbt bestenfalls die Mahlzeit und endet im schlimmsten Fall tödlich. Deshalb ist es gerade für Pilzsammler, die noch wenig oder keine Erfahrungen haben, sehr wichtig, ihre Ausbeute begutachten zu lassen.

Während der Saison von August bis Oktober können Pilze in der Region Werdenberg gratis bei der Kontrollstelle an der Unterstütlistrasse 15 in Buchs jeweils am Dienstag und Donnerstag von 18 bis 18.30 und am Samstag von 18 bis 19 Uhr gezeigt werden. Für Pilzsucheranfänger gut zu wissen ist, dass die Früchte des Waldes immer vom 1. bis 10. des Monats Schonzeit haben. Während dieser Zeit und an den übrigen Tagen zwischen 20 Uhr und 8 Uhr morgens ist sammeln verboten. Damit auch andere eine faire Chance auf eine herbstliche Mahlzeit aus dem Wald haben, ist das Sammeln auf zwei Kilo pro Person und Tag beschränkt.

Mit Körben und Messer an den Lieblingsplatz

Eingefleischte Pilzsammler haben zwischen Tannen, Lärchen und Sträuchern ihr Plätzchen, wo die Pilze umhüllt von Moos und Baumwurzeln wie Pilze aus dem weichen Waldboden schiessen. Es braucht allerdings Zeit und Erfahrung, sein eigenes Pilzparadies aufzuspüren. Das neu entdeckte Territorium zu schützen, dürfte allerdings nicht einfach sein, denn der Wald gehört jedem Sammler, da hilft es nur der Schnellere zu sein. Ihren Mitsammlern zuvor kommen will auch die 53-jährige Alexandra Milesi aus Grabs. Mit zwei Körben und Messer ist sie an diesem Spätsommertag unterwegs zu ihrem Lieblingsplatz. Die erfahrene Pilzsammlerin kennt den Wald und die örtlichen Gegebenheiten wie ihre Westentasche.

"Den Pilz nie abschneiden. Immer den ganzen samt der Knolle aus der Erde herausnehmen, denn die Knolle braucht man zwingend für die genaue Bestimmung des Pilzes"

Gewusst wie, gewusst wo: Alexandra Milesi kennt sich im Wald aus. (Bild: Ramona Riedener)

Gewusst wie, gewusst wo: Alexandra Milesi kennt sich im Wald aus. (Bild: Ramona Riedener)

Nach dem Temperatureinbruch und dem Regen der vergangenen Tage, sei die Pilzsaison angebrochen. "Die guten fürs Töpfchen, die anderen zu wissenschaftlichen Zwecken", erklärt die Pilzfachfrau, die seit Kindesbeinen eine ganz besondere Liebe zur Natur hat. Eingepackt von Kopf bis Fuss um Zeckenbissen vorzubeugen, geht es weg vom Waldweg den Hang hinauf ins Unterholz. Zwischen Moos und Laub spriessen auch schon die ersten gesuchten Exemplare aus dem Waldboden heraus. Prüfend betrachtet die Expertin den Pilz, bevor sie ihn mit dem Messer vorsichtig aus der Erde los löst. "Den Pilz nie abschneiden. Immer den ganzen samt der Knolle vorsichtig mit dem Messer oder einer Drehbewegung aus der Erde herauszunehmen. Die Knolle braucht man zwingend für die genaue Bestimmung des Pilzes", erklärt Milesi, während sie den Pilz von allen Seiten genau prüft. Nachdem sie ihn aufgrund seines kräftigen Stiels, dem braunen, glatten Hut und dem Schwamm darunter als Steinpilz erkannt hat, wird der Findling geputzt, von Wurmstichen und Schneckenspuren befreit und ins Körbchen der "Guten" gelegt.

Pilze leben in Partnerschaft mit Bäumen

Unweit dieser Stelle finden sich weitere Exemplare derselben Sorte in diversen Grösse. Während sie auf dem weichen Waldboden kniet und einen Pilz nach dem anderen behutsam aus der Erde löst, erklärt die Expertin auf was es beim Sammeln des „Brot des Waldes“ ankommt. So sei es wichtig luftdurchlässige Körbe oder Stofftaschen zum Sammeln zu verwenden, weil in Plastiksäcken die Pilze rasch schimmeln und ungeniessbar werden. "Pilze sind Lebewesen des Waldes. Sie leben nur in Partnerschaft mit Bäumen", weiss die Biotechnologin, die sich sowohl mit den grossen wie auch mit den kleinen Pilzen auskennt. Der grösste Teil eines Pilzes sei unsichtbar, weil das Myzel, ein verfaserter Organismus unterirdisch wuchere und weder zum Tier- noch zum Pflanzenreich gehöre.

"Schnecken haben keine Leber, deshalb machen ihnen giftige Substanzen nichts aus"

Die "Guten" im rechten, die andern für wissenschaftliche Zwecke im linken Körbchen. (Bild: Ramona Riedener)

Die "Guten" im rechten, die andern für wissenschaftliche Zwecke im linken Körbchen. (Bild: Ramona Riedener)

Das, was wir Pilz nennen, sei ein mit Regenwasser vollgepumpt Fruchtkörper dieses unterirdischen Teils. Rund 2500 verschiedene Pilzarten gäbe es, nur 200 davon seien ess- und geniessbar. Nicht selten wachsen die ungeniessbaren und giftigen ganz nah bei den "guten" Pilzen. Auch an diesem Spätsommertag, stösst Alexandra Milesi auf Exemplare, die den Steinpilzen zum Verwechseln ähnlich sehen. Keine grosse Herausforderung für die Expertin ist es, die ungeniessbaren Doppelgänger zu entlarven und ins Körbchen der "Schlechten" zu verbannen. Meist giftig sind die farbenprächtigen Artgenossen, die beinahe verführerischen Reiz versprühen. Davon, dass die Schnecken sie lieben, darf sich der unerfahrene Sammler nicht beirren lassen. "Schnecken haben keine Leber, deshalb machen ihnen giftige Substanzen nichts aus", weiss die Fachfrau.

Zwischen einer genussvollen Mahlzeit und einer Nacht mit Brechdurchfall können Pilze liegen. Zwar enden nicht alle Vergiftungen tödlich, Vorsicht ist aber vor allem bei Kindern, älteren oder geschwächten Menschen geboten. Deshalb ihr Rat: "Lieber einmal mehr die Kontrollstelle aufsuchen, als etwas zu riskieren."

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