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Der Räfiser Werner Tischhauser forscht auf den Spuren von Zecken

Der Räfiser Werner Tischhauser hat sich der Forschung zur Warnung und Prävention von Zeckenstichen verschrieben. Dazu hat er eine App entwickelt.
Heidy Beyeler
Werner Tischhauser hat sich der Forschung verschrieben. (Bilder: Adriana Ortiz)

Werner Tischhauser hat sich der Forschung verschrieben. (Bilder: Adriana Ortiz)

Im Gespräch mit Werner Tischhauser hat sich sehr schnell herauskristallisiert, dass sich der Forscher zu einer komplexen Geschichte hinreissen liess, als er seine Arbeit an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZAHW) auf den Schadorganismus Zecke fokussierte. Das Ziel: Eine präventive Lösung gegen Zeckenstiche zu entwickeln. Auf die erste Frage, wie er auf die Zecke gekommen sei, sagte der in Räfis aufgewachsene Werner Tischhauser pragmatisch, «das ist eine lange Geschichte».

Schon als Kind hat er sich gerne draussen in der Natur aufgehalten. Dass er sich später einmal beruflich mit der Natur und deren Umfeld beschäftigen würde, wusste er damals noch nicht. Nach der Schule absolvierte er die Lehre als Typograf bei der Pago in Buchs und arbeitete später bei der Buchs-Druck als Techno-Polygraf im Layout.

Über Zweitweg-Matura an ZHAW

Dass er einmal Forscher werden würde, daran dachte er damals noch nicht. Nach ein paar Jahren wagte Tischhauser den Schritt zur Zweitweg-Matura und entschied sich später für das Studium Umweltingenieurwesen an der ZHAW in Wädenswil. Im Rahmen der ersten Semesterarbeit befasste er sich mit dem Naturgefahrenweg im Werdenberg und kam so mit dem Projekt «Regionaler Naturpark Toggenburg-Werdenberg» in Berührung. 2005 wurde eine Machbarkeitsstudie erarbeitet und Werner Tischhauser machte eine zusätzliche Ausbildung als Naturparkführer. Aus dem Naturpark Toggenburg-Werdenberg wurde allerdings nichts. «Ich habe sogar ein Poloshirt, das mit dem Logo Naturpark Toggenburg-Werdenberg versehen ist, obwohl der Park nicht realisiert werden konnte», erzählt Tischhauser lachend.

So zog Tischhauser ein Haus weiter an den Schamserberg ins Center da Capricorns, wo er zusammen mit einem ZHAW-Team das Projekt Naturpark Beverin realisieren konnte, bis hin zum Bundeslabel Naturpark.

Spannendes Forschungsgebiet

Sein Studium an der ZHAW Wädenswil schloss er vor etlichen Jahren ab. Heute arbeitet Werner Tischhauser als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der ZHAW, Institut für Umwelt und natürliche Ressourcen IUNR. Dort entwickelte er im Rahmen eines KTI-Forschungsprojekts der Forschungsgruppe Phytomedizin, die Präventions-App «Zecke», geeignet für Smartphones (iPhone oder Android). Dazu gründet er mit Prof. Dr. Jürg Grunder, Leiter der Forschungsgruppe, die ZHAW Spin-off A&K Strategy GmbH. Mit dieser Präventions-App erhalten Benutzer die neusten Informationen über Zecken. Die App «Zecke» dient der Forschung und der Prävention gegen die Übertragung von Erkrankungen durch Zeckenstiche.

16 000 Zeckenstichdaten ausgewertet

Seit 2015 bis 2018 wurden über 16 000 Zeckenstichdaten generiert, ausgewertet und interpretiert. Die Auswertung mit «Citizen Science»-Daten, sogenannten Bürgerwissenschaftsdaten, führte zur ersten Zeckenstichkarte der Schweiz. «Dabei ergaben sich – auch für uns – überraschende Resultate», berichtete Tischhauser von seinem Lernprozess in angewandter Wissenschaft. Das Resultat: Mehr als 20 Prozent aller gemeldeten Zeckenstiche ereigneten sich bei Aktivitäten im Garten. Zecken lauern nicht nur im Wald, sondern auch im Siedlungsgebiet!

Es zeigt sich, dass die Präventions-App wichtige Funktionen erfüllt: Einerseits liefert sie Benutzern Informationen über Vorsorgemassnahmen zu ihrem Schutz zur Verhinderung von Zeckenstichen und sie informiert darüber, wie Zecken richtig entfernt werden. Und, wer von einer Zecke gestochen wird, kann den Vorfall in sein Zeckenstich-Tagebuch eintragen unter Nennung wo und wann der «Überfall der Zecke» erfolgte und an welcher Körperstelle der Parasit zugestochen hat. Dieser Eintrag dient der Kontrolle des Zeckenstichs auf Symptome einer Borreliose-Infektion. Auf der anderen Seite liefert die Präventions-App wertvolle Daten für die angewandte Forschung.

«Dass die Häufigkeit von Zeckenstichen dort besonders hoch ist, wo viele Menschen leben und Naherholungsgebiete nutzen, scheint logisch zu sein, weil die Zecken aus vielen Individuen auswählen können.»

Das Ergebnis habe denn auch gezeigt, dass die Mehrheit der Stichmeldungen aus dem urban geprägten Mittelland stammte.

Zecken in der ganzen Schweiz

Mittlerweile gilt laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) die ganze Schweiz als Risikogebiet für Frühsommer-Meningoenzephalitis, weiss Tischhauser. Einzig die Kantone Genf und Tessin sind von der FSME-Impfempfehlung ausgeschlossen, hingegen sind mit Lyme-Borreliose-Bakterien infizierte Zecken in der ganzen Schweiz verbreitet. Deshalb rät der Zeckenspezialist, sich vorsorglich gegen Zecken und deren Krankheiten zu schützen. Wie man dabei vorgehen soll, erfährt man beispielsweise über die Zecken-App der ZHAW.
Im Gespräch wies Werner Tischhauser darauf hin, dass es bei Zeckenstichen einige gut gemeinte Tipps gibt, die er als «Mumpitz» bezeichnet. Zum Beispiel ist es falsch, wenn man Öl oder Alkohol über die Zecke träufelt, bevor man sie aus der Haut entfernt. Es ist wichtig, den Zeckenkörper nicht zu quetschen, damit keine Krankheitserreger über den Stechapparat in die Haut des Menschen eingespritzt werden. Werner Tischhauser rät:

«Die Zecke zieht man besten mit einer Pinzette raus. Fehlt das geeignete Werkzeug, packt man die Zecke mit den Fingernägeln und zieht sie von Hand raus – mutig, mutig!»

Zecken- und Insektensprays sowie hautbedeckende Kleidung und geschlossene Schuhe schützen vor Zecken.

Zecken- und Insektensprays sowie hautbedeckende Kleidung und geschlossene Schuhe schützen vor Zecken.

Wenn man hinaus geht in die Natur und in Naherholungsgebiete und Parks, sollte man auf adäquate Kleidung achten. Mit Kleidern und geschlossenen Schuhen, also bedeckter Haut, schützt man sich vor Zecken. Kopfbedeckungen bieten ebenfalls Schutz, ebenso wie Insekten- oder Zeckensprays. Übrigens: Die Zecken befinden sich meist in der bodennahen Vegetation: gehäuft im Mischwald, Waldrändern, entlang von Hecken aber auch auf Weiden und Wiesen, bis zu einem Meter Höhe. Falsch ist die Mär, Zecken liessen sich von Bäumen auf die Opfer fallen, sagt der Zeckenkenner schmunzelnd. Zecken bewegen sich nicht aktiv auf den Wirt (Mensch, Tier) zu, sondern warten und lassen sich beim direkten Kontakt abstreifen.

App erinnert an Zeckenstichkontrolle

Die Zecken-App ist mit einem ausgeklügelten Werkzeug ausgerüstet. Eine dynamische Gefahrenkarte kennzeichnet beispielsweise Zecken-Risikogebiete. Für einen gezielten Schutz gibt es Tipps für vorzunehmende Massnahmen, damit man gar nicht erst gestochen wird. Und wenn man gestochen wird, kann man das Ereignis im eigenen Zeckentagebuch vermerken, welches den App-User nach dem Eintragen des Zeckenstiches automatisch an die mehrmalige Zeckenstichkontrolle erinnern wird etc.

Download App Zecke

Für Smartphones und Tablets:
Android-Version ab Version 5.0 Installation
iOS-Version ab Version 8.0 zur Installation

Die von Werner Tischhauser entwickelte Zecken-App zeigt auf einer Gefahrenkarte, wo Risikogebiete liegen.

Die von Werner Tischhauser entwickelte Zecken-App zeigt auf einer Gefahrenkarte, wo Risikogebiete liegen.

Es wird weitergeforscht

Das Thema Zecken wird an der ZHAW weiter ein Thema sein. Am IUNR ist schon ein weiteres, für drei Jahre angesetztes Projekt – ZAG, Zecken abwehrendes Grün – im Gange.
Die Forscher stellen sich die Frage: Können biodiverse Vegetationssysteme standortgerecht und zeckenabweisend sein? «Gibt es auf Standorten mit guter Nährstoffversorgung zeckenabwehrende Pflanzen? Gibt es Gehölze/Bäume, die über ihr Laubabbauverhalten Zeckenpopulationen weniger fördern? Wie das funktionieren soll, versuchen Axel Heinrich und Alena Arisov (Fachgruppe Pflanzenverwendung) zusammen mit Jürg Grunder (Fachgruppe Phytomedizin) und Werner Tischhauser (Geschäftsleiter A&K Strategy GmbH) herausfinden.
Der Zeckenexperte Werner Tischhauser hat sich der Zeckenforschung zur Prävention verschrieben und wird seinen Forschungsdrang weiter einsetzen, um valable Möglichkeiten zu erforschen, die auf natürlicher Basis gegen Zecken eingesetzt werden können.

Welche Krankheiten übertragen Zecken auf Menschen?

FSME ist die Abkürzung für Frühsommer-Meningoenzephalitis, eine virale Krankheit, die das zentrale Nervensystem angreifen kann. FSME-Viren gehen mit dem Einstich der Zecke sofort in den Wirt über und können eine Hirnhautentzündung auslösen.
Das sofortige Entfernen der Zecke hat bei FSME keinen Einfluss, anders als bei Borreliose. Gegen die FSME gibt es keine spezifische Therapie; behandelt werden können lediglich die Symptome. Schutz vor FSME bietet die vom BAG empfohlene Impfung.

Die mit Borrelien infizierten Zecken können die bakterielle Lyme-Borreliose hervorrufen. Die Bakterien befinden sich im Zeckendarm und werden mit einer zeitlichen Verzögerung von 12 bis 24 Stunden während des Saugvorgangs auf den Wirt (Mensch, Tier) übertragen. Nur 3 von 100 Zeckenstiche verursachen eine Borreliose, weil nicht bei jedem Stich die Übertragung des Erregers stattfindet und das Immunsystem einen Teil der Infektionen stoppt. Das bedeutet, nach einem Tag in der Natur den gesamten Körper gut nach festgesaugten Zecken absuchen bzw. absuchen lassen, um so eine mögliche Infektion mit Borrelien zu vermeiden.

Eine korrekte Therapie mit Antibiotika verhindert ein Fortschreiten der Erkrankung. Deshalb sollte man bei Symptomen, die mit einer Borreliose vereinbar sind, eine Ärztin, einen Arzt aufsuchen. Weder die FSME-Impfung noch gebildete Antikörper früherer Erkrankungen schützen vor der Borreliose. (wt)

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