Auch in Gams gibt es eine doppelte schnelle Datenleitung - Elektra setzt im Wettbewerb mit der Swisscom auf Regionalität

Die Elektra Gams setzt gegen die Marketingmacht der Swisscom auf eine eigenständige Glasfaserlösung. Im Gegensatz zur Swisscom, die parallel in Gams eine eigene Glasfaserleitung realisiert, führe die Elektra die Leitung bis ins Haus.

Thomas Schwizer
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Der Auf- und Ausbau des Glasfasernetzes schreitet auch in der Region Werdenberg rasch voran. (Bild: Urs Bucher)

Der Auf- und Ausbau des Glasfasernetzes schreitet auch in der Region Werdenberg rasch voran. (Bild: Urs Bucher)

In der Gemeinde Grabs realisieren die Technischen Betriebe und die Swisscom parallel jeweils eine eigene Versorgung mit einem neuen Glasfasernetz. Auch in Gams wird für den Ausbau des Glasfasernetzes eine Parallelinfrastruktur aufgebaut; einerseits durch die Elektra Gams, andererseits durch die Swisscom selbst.

Elektra-Betriebsleiter Heinz Kolb begründet dies auf Anfrage des W&O. Als die Elektra Gams die Erschliessung des Dorfgebietes mit einem Glasfasernetz plante, hat sie die Swisscom angefragt, ob sie Interesse daran habe, dieses Netz mitzunutzen. Damals sei noch keine Rede davon gewesen, dass die Swisscom «jedes Dörfli» mit einer eigenen Glasfaserleitung erschliessen will, stellt Kolb fest.

Elektra Gams: «Swisscom hätte stark profitiert»

Die Swisscom sei damals bereit gewesen, für die Mitnutzung der durch die Elektra erstellten Infrastruktur etwa die Hälfte der Erstellungskosten zu übernehmen. Das habe die Elektra allerdings abgelehnt.

Als Grund dafür gibt Heinz Kolb an, dass die Swisscom mit dieser Lösung davon profitiert hätte, dass sie günstig zu einem FTTB-Anschluss gekommen wäre, also einem Glasfaseranschluss direkt ins Gebäude des Nutzers (Fibre to the Building).

Das sei aus Sicht der Elektra Gams der richtige Entscheid gewesen, sagt Kolb. Denn einige Gemeinden seien beim Ausbau ihres Glasfasernetzes diese Kooperation eingegangen, und hätten in der Folge Kunden an die Swisscom verloren.

Swisscom: «Gams surft ab sofort ultraschnell»

Die Swisscom schrieb am 12.Juli in einer Medienmitteilung mit dem Titel «Gams surft ab sofort ultraschnell», dass der Ausbau ihres Glasfasernetzes abgeschlossen sei.

Mit ihrer Marketing- und Werbemacht hätte die Swisscom einen Vorteil gegenüber der Elektra Gams beziehungsweise der regionalen Signal- und Datenlieferantin Rii Seez Net (Telefon, Internet, TV) erhalten, betont der Elektra-Betriebsleiter. Die Elektra baue in Gams die Datenautobahn, Rii Seez Net befahre sie mit modernsten «Lastwagen» voller Daten.

Glasfaser bis ins Haus als relevanter Pluspunkt

Die Swisscom biete mit ihrem eigenen Glasfasernetz «nur» Fibre to the Street (FTTS). Den Glasfaseranschluss von dort bis ins Gebäude müsse bei dieser Lösung der Liegenschaftsbesitzer selbst bezahlen, erläutert Heinz Kolb. Die FTTB-Lösung der Elektra Gams enthalte dagegen auch den Anschluss auf den letzten Metern bis zum Verteilerkasten im Haus, was er als relevanten Pluspunkt bezeichnet.

In jenen Gebäuden, in denen noch keine Glasfaser vom Verteilerkasten bis zu den Steckdosen besteht, bietet die Elektra ihren Kunden an, diese zusammen mit dem inbegriffenen Hausanschluss gleichzeitig kostenpflichtig zu realisieren bzw. durch Partner-Installateure erstellen zu lassen. Die meisten Kunden nehmen dies in Anspruch, um optimal von den superschnellen Leitungen zu profitieren, stellt Kolb fest.

Elektra Gams erhält viel Zuspruch lokaler Kunden

Der Grabser Gemeindepräsident Niklaus Lippuner hat im W&O vom 28.November festgestellt:

«Die Datenleistung der FTTB-Glasfaserlösung, welche auch die Technischen Betriebe Grabs bieten, ist aufgrund des bedeutend kürzeren Schlussstückes deutlich höher, zumal das Datenvolumen auch in Zukunft weiter steigen wird.»

Swisscom-Sprecherin Esther Hüsler hielt dem damals entgegen;

«Die heutigen Kupferkabel der Swisscom können bis ins Gebäude Datenmengen transportieren, die noch vor wenigen Jahren nie erwartet wurden und die für die aktuellen Kommunikationsbedürfnisse mehr als ausreichen.»

Für die Elektra Gams, so stellt Heinz Kolb fest, sei es erfreulich, dass das eigene Glasfaserangebot bei den lokalen Kunden in Gams viel Zuspruch finde, betont der Betriebsleiter. Hier habe Regionalität noch einen hohen Stellenwert, auch was Service und Unterhalt betrifft.

Swisscom war schneller – Netz der Elektra wird bis Herbst 2020 fertig

Die Swisscom teilt in einem Communiqué mit, dass sie nach mehrmonatiger Bauzeit den Ausbau des Glasfasernetzes in Gams abgeschlossen hat. Damit erhalte ein Grossteil der Einwohner «Zugang zum modernsten Netz der Schweiz».

Die Elektra Gams braucht für den Ausbau ihres Glasfasernetzes etwas länger und dürfte gemäss Heinz Kolb «im Sommer/Herbst die meisten Gebiete des Dorfes erschlossen haben». Ausgenommen davon seien dann noch Berg- und gewisse Aussengebiete. Bereits heute versorge die Elektra Gams rund zwei Drittel des Dorfes mit der ultraschnellen Leitung.

Grossteil der Leitungen wird neu erstellt

Die Realisierung erfolgt aus Kapazitätsgründen etappenweise. Begonnen wurde in jenen Teilgebieten, wo die Nachfrage nach Glasfaseranschlüssen am grössten war.

Warum war die Swisscom beim Ausbau des Glasfasernetzes schneller als die Elektra? «Wir mussten einen Grossteil der Infrastruktur neu erstellen, weil unsere Rohrleitungen vor Jahrzehnten nicht für die heutige Telekommunkation gebaut worden sind», erklärt Heinz Kolb.

Sinnvollerweise kombiniere man diese Erneuerungsarbeiten mit anderen grösseren Bauvorhaben an Strassen. So wartet die Elektra Gams auf die vom Kanton vorgesehene und schon längere Zeit angekündigte Erneuerung der Haagerstrasse im Gebiet Madrusa. Hier habe die Elektra darum den Glasfaserausbau noch nicht realisiert.

Bedeutung der Bezeichnungen

  • Bei FTTH (Fibre to the Home) wird die Glasfaserleitung bis zur Steckdose in der Wohnung gezogen.
  • Bei FTTB (Fibre to the Building) wird die Glasfaserleitung bis zum Verteilerkasten des Gebäudes gezogen. Von dort bis zu den einzelnen Steckdosen wird die bisherige Leitung genutzt oder hier muss das Glasfaser auf Kosten des Liegenschaftsbesitzers realisiert werden, wenn es im Gebäude noch nicht vorhanden ist.
  • Bei FTTS (Fibre to the Street) wird die ultraschnelle Datenleitung nur im Hauptstrang in der Strasse verlegt. Von dort bis ins Gebäude und zu den einzelnen Steckdosen wird die bisherige Leitung genutzt oder auf diesen Teilstücken muss die Glasfaser auf Kosten des Liegenschaftsbesitzers realisiert werden.