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Auch im Werdenberg und Obertoggenburg wird der Wald vom Klimawandel überrollt

Trockenheit, Hitze, Schädlinge, Stürme – auch der Wald in der W&O-Region durchlebt stürmische Zeiten.
Jessica Nigg
Der Wartauer Förster Ernst Vetsch findet klare Worte zum Zustand des hiesigen Waldes. (Bild: Jessica Nigg)

Der Wartauer Förster Ernst Vetsch findet klare Worte zum Zustand des hiesigen Waldes. (Bild: Jessica Nigg)

Die Wälder der Region Sarganserland-Werdenberg und darüber hinaus haben derzeit mit mehreren negativen Folgen des Klimawandels zu kämpfen. Vor allem bei Nadelhölzern ist dies zu sehen. Viele von ihnen sind abgestorben und bilden braune Tupfer in der sonst grünen Waldlandschaft.

Sorgen macht nicht nur der viel beschriebene Fichtenborkenkäfer, der durch den Sturm Burglind und den darauffolgenden Hitzesommer 2018 ein wahres Hoch erlebt. Auch andere Baumarten wie Föhren und in Hanglagen sogar Buchen sowie Weisstannen, Ahorn, Eichen, Ulmen und Eschen leiden, wie der Wartauer Förster Ernst Vetsch erklärt.

Auch viele Lärchen, von denen man bisher annahm, sie seien besonders robust, haben zu kämpfen. Ihre Nadeln färben sich auch immer öfter braun – aber nicht aufgrund eines temporären Befalls durch den sogenannten Lärchenwickler, sondern weil auch der Lärchenborkenkäfer auf dem Vormarsch ist. Im Wartau gab es einige Fälle beim Schollberg. Schlimmer sei das Problem im Sarganserland, so Vetsch:

«Dort ist eine grosse Menge an Bäumen befallen –
im Seeztal sogar massenhaft.»

«Seit dem vergangenen Jahr macht sich der Klimawandel sehr deutlich bemerkbar», sagt Vetsch. Auch wenn es im Wartau bei weitem noch nicht so schlimm sei wie in anderen, exponierteren Gemeinden mit weniger Niederschlag, stelle man auch hier verschiedene Veränderungen fest.

Anders als im Bündner Rheintal und im Seeztal sind im Wartau die Wälder (noch) saftig grün – aber auch hier gibt es diverse Probleme, welche die Schutzfunktion des Waldes mittelfristig beeinträchtigen. (Bild: Jessica Nigg)

Anders als im Bündner Rheintal und im Seeztal sind im Wartau die Wälder (noch) saftig grün – aber auch hier gibt es diverse Probleme, welche die Schutzfunktion des Waldes mittelfristig beeinträchtigen. (Bild: Jessica Nigg)

Vetsch ist deutlich: «Die Fichte wird mittelfristig in tiefen Lagen wegrasiert.» Auch andere Bäume haben mit den sich verändernden Umweltfaktoren Mühe. «Es geht auf einmal alles sehr schnell, die Bäume können darauf nicht reagieren.» Viele Bäume sterben ab.

Da der Holzpreis am Boden ist, verursacht das Fällen und Abtransportieren des anfallenden Holzes hohe Kosten, die nicht nur private Waldbesitzer überfordern, sondern auch Ortsgemeinden, Kantone und den Bund an oder über die Grenzen des Machbaren bringen. Schon in der W&O-Region, und der Schweiz fällt durch die aktuellen Entwicklungen viel Holz an – «in Deutschland sind es sogar Millionen von Kubikmetern», weiss Vetsch.

Auch «Bäume mit Zukunft» haben Mühe

Die Förster sind angehalten, sich in die Zukunft zu richten und bei der Waldbewirtschaftung auf Nachhaltigkeit und Biodiversität zu achten. «Wir setzen auf Bäume mit Zukunft – unter anderem Eichen, Ahorn, Nuss- und Kirschbäume, bei den Nadelhölzern auf Lärchen, Douglas- und Weisstannen.» Aber auch hier gebe es Schwierigkeiten: So frisst das Wild gerne junge Weisstannen, Eichen und Ahornbäume.

In Deutschland beispielsweise werden Ahornbäume derzeit zudem von einem sehr aggressiven Pilz befallen: «Dort müssen die Waldarbeiter beim Holzen der befallenen Bäume Masken tragen.» In Zukunft müsse vermehrt mit solchen Baumkrankheiten gerechnet werden, der bereits ein grosser Teil der Ulmen und Eschen zum Opfer gefallen sind.

«Der waldbauliche Spielraum wird immer weiter begrenzt, die Biodiversität leidet im Moment»,

betont Vetsch. Bäume, die es hier seit vielen Jahren gibt, werden verschwinden, andere – man weiss nicht genau, welche es schaffen werden – bilden den Wald der Zukunft. Dieser Nachfolgewald braucht intensive Pflege. Da geht es unter anderem um intelligente Aufforstung: Die geeigneten Standorte müssen gefunden, die Setzlinge geschützt werden – und das kostet viel Geld. «Wir fragen uns, was sollen und können wir überhaupt noch machen», so Vetsch.

Schutzfunktion ist akut gefährdet

Der Wald ist insbesondere für die W&O ein wichtiger Schutz gegen Naturgewalten - ohne ihn wären gewisse Gebiete nicht mehr bewohnbar. (Bild: Heini Schwendener)

Der Wald ist insbesondere für die W&O ein wichtiger Schutz gegen Naturgewalten - ohne ihn wären gewisse Gebiete nicht mehr bewohnbar. (Bild: Heini Schwendener)

Der Wald ist im Wandel und die Übergangszeit wird schwierig. Dies vor allem deshalb, weil der Schweizer Wald in vielen Regionen auch eine Schutzfunktion bekleidet, welche akut bedroht ist. «Die Bäume können auf die veränderten Bedingungen nicht reagieren und auch wir haben kaum genug Zeit für eine Reaktion», so Vetsch. «Es braucht den Schutzwald, da unter anderem Gewitter und Niederschläge immer extremer werden.» Sollte der Schutzwald wegfallen, werden viele Gebiete in Zukunft unbewohnbar, fürchtet Vetsch. «Hoffen wir, dass wir die Zeit noch haben, die Schutzfunktion des Waldes aufrechtzuerhalten.»

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