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Sie arbeitete, er führte den Haushalt: Anita und Peter Eggenberger aus Buchs tauschten 23 Jahre lang die Rollen

Während Anita Eggenberger aus Buchs die Rolle als Ernährerin übernahm, führte ihr Ehemann Peter Eggenberger 23 Jahre lang den Haushalt und sorgte für die beiden gemeinsamen Kinder. Ein untypisches Modell, das sich bewährte.
Alexandra Gächter
Peter und Anita Eggenberger geniessen seit einigen Jahren ihre Pension mit Enkel hüten und Gartenarbeiten. (Bild: Alexandra Gächter)

Peter und Anita Eggenberger geniessen seit einigen Jahren ihre Pension mit Enkel hüten und Gartenarbeiten. (Bild: Alexandra Gächter)

Das Ehepaar Anita und Peter Eggenberger hat die Norm auf den Kopf gestellt. In den Achtzigerjahren nahm die Frau und Mutter zweier Kinder eine 100-Prozent-Stelle an. Ehemann Peter Eggenberger gab seinen Job auf und wurde Hausmann und Vollzeit-Vater. Geplant war es nicht so.

Beide absolvierten ein Studium und arbeiteten vor ihrer Hochzeit – Anita Eggenberger als Lehrerin, Peter Eggenberger als Planer in Chur. Ende Siebzigerjahre folgte die Geburt ihrer beiden Töchter. Die Mutter gab ihre Stelle auf und wurde Hausfrau. Ihr Ehemann zeigte von Anfang an viel Interesse an den Kindern. Er nahm bei der Geburt des zweiten Kindes einen Monat unbezahlten Urlaub und absolvierte einen Säuglingspflegekurs. Ihn störte es zunehmend, dass er wegen des Jobs so wenig Zeit für seine Kinder hatte.

Ehemann war nicht in AHV inkludiert

Als sich Peter Eggenberger in den frühen Achtzigern beruflich verändern wollte, seine Traumstelle aber nicht erhielt, keimte die Idee auf, die Rollen zu tauschen. Da Anita Eggenberger gerne wieder als Lehrerin arbeiten wollte, entschieden sie sich 1983 für diesen ungewöhnlichen Schritt.

«Wir machten eine Liste mit Vor- und Nachteilen.»

«Ein grosser Nachteil war, dass ich im Monat weit mehr als 1000 Franken weniger verdiente als mein Mann. Wir fragten uns, ob ich damit eine vierköpfige Familie ernähren kann. Wir mussten sparen, aber es ging.» Leider stiessen sie auf einen weiteren finanziellen Nachteil. Arbeitet der Mann zu 100 Prozent, ist die AHV der Hausfrau automatisch inkludiert. Umgekehrt war dies – zumindest früher – nicht der Fall. Die Familie Eggenberger musste für die AHV von Peter Eggenberger zusätzlich Beiträge leisten. Dennoch überwogen die Vorteile. «Als Lehrerin hatte ich viel mehr Ferien als mein Mann und die Ferien waren ja immer zeitgleich mit den Töchtern. So konnte ich trotz meiner Arbeit viel Zeit mit den Kindern verbringen», sagt Anita Eggenberger.

Stelle in Malans nicht erhalten, weil sie Mutter war

Bei der Umsetzung stiessen sie allerdings auf einige Stolpersteine. Anita Eggenberger bewarb sich im bündnerischen Malans, bekam die Stelle aber nicht, weil ein Pfarrer im Schulrat war, der das untypische Familienmodell nicht unterstützen wollte. In Buchs erhielt sie die Stelle als Primarlehrerin. Doch obwohl sie hier bereits neun Jahre lang zuvor gearbeitet hatte, war man skeptisch, ob sie die Arbeit nach der Babypause noch beherrschte. Nach einer Probelektion durfte sie die Stelle antreten.

Mit Betty Bossy kochen gelernt

Während Anita Eggenberger also ihren gelernten Beruf wieder ausführte, stand Peter Eggenberger vor einem Novum. Er hatte in seiner Kinder- und Jugendzeit weder Kochen noch Haushalten gelernt. «Betty Bossi wurde sozusagen zu meiner Kochlehrerin. Meine Mutter zeigte mir, wie man bügelt und Anita hat mich den Rest gelehrt. Wenn Mann will, kann er das Haushalten lernen – und ich wollte», sagt Peter Eggenberger.

Anfangs waren seine Eltern etwas skeptisch, schliesslich hatten sie für sein Studium als Forstingenieur einiges bezahlt, aber sie akzeptierten die Umstände wie auch das Umfeld sehr gut. Für die beiden Töchter sei der Rollentausch völlig normal gewesen.

«Der Rollentausch war für die ganze Familie eine sehr gute Entscheidung. Besonders die jüngere Tochter hatte wahnsinnig Freude, dass ihr Vater zu Hause war.»

23 Jahre lang behielten sie dieses Familienmodell so bei. Dann wurde Anita Eggenberger pensioniert. «Das war ein weiterer Vorteil: Da ich fast fünf Jahre älter bin als mein Mann, erhielten wir früher unsere AHV, als wenn Peter gearbeitet hätte. Allerdings war auch der Altersunterschied gerade in der früheren Zeit untypisch. Für uns hat es – genau wie der Rollentausch – gepasst», sagt Anita Eggenberger. Seit einigen Jahren geniesst das Paar also seine Rente. Die Hausarbeit teilen sie auf. Durch die jahrelange Arbeit als Hausmann kann Peter Eggenberger viel besser kochen, wie seine Frau sagt. Und nun, da Enkel da sind, kann Peter Eggenberger von seinem Erfahrungsschatz als Vollzeit-Vater zehren.

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