Amateurin spielt an den VP Bank Ladies Open in Gams die Profis an die Wand

Die erst 17-jährige Elena Moosmann entschied die 6. Austragung der VP Bank Ladies Open für sich. Im neu durchgeführten Matchplay-Format setzte sie sich gegen die Proetten Emma Nilsson im Halbfinal und Hayley Davis im Endspiel durch.

Robert Kucera
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Die nasse Witterung auf dem Golfplatz Gams-Werdenberg vermochte weder Spielerinnen noch Turnier in die Knie zu zwingen. Der grosse Spielverderber am Samstag war aber der Wind. Die zweite Runde konnte erst am Sonntag zu Ende gespielt werden. Mit Folgen für das erstmals an den VP Bank Ladies Open angewandete Format Matchplay. Es wurden zwei statt drei Runden gespielt.

Im ersten Durchgang kämpften somit 44 Spielerinnen (Rang 5 bis 48) um den Verbleib im Turnier und später um die Positionen 3 bis 24. Die Top Vier kämpften in Halbfinals um den Finaleinzug. Hier kam es gleich zu zwei Duellen Amateur gegen Profi. Denn nach zwei Runden lagen mit 138 Schlägen punktgleich Isabella Holpfer aus Österreich und die Schweizerin Elena Moosmann an der Ranglistenspitze.

Der Siegerin gefällt der Golfplatz Gams-Werdenberg

Mit dem neuen Spielformat kam Moosmann bestens zurecht. Die 17-Jährige aus Hünenberg (Zug) hat es schon mehrmals gespielt, «speziell war einzig, dass es nur über neun Löcher ging und zügig vorbei war». Diese Wettkampfform findet die Innerschweizerin, wie sie sagt, «lässig». Dass ihr in Gams aber gleich der ganz grosse Coup gelingt, daran dachte sie im Vorfeld nicht. «Ich bin gerade etwas sprachlos», meinte Moosmann wenige Minuten nach dem Sieg.

«Ich kann es noch gar nicht fassen, dass ich gewonnen habe.»

Ihr primäres Ziel war, den Cut zu schaffen, um am Sonntag mitspielen zu dürfen. Nun hat sie den grössten Sieg in ihrer Karriere herausgespielt und dem Veranstalter bei der 6. Austragung den ersten Schweizer Sieg geschenkt.

Auf dem Gamser Golfplatz lief es ihr von Beginn weg rund. Mit 67 Schlägen am Freitag und deren 71 am Samstag dokumentierte sie eindrücklich, dass ihr die Anlage liegt. «In den letzten zwei Jahren habe ich hier schon gespielt. «Es ist sehr schön hier – nur das Wetter war immer regnerisch oder windig. Aber der Platz ist in einem guten Zustand.» Dass sie am Finaltag sogar nach dem Titel greifen könnte, verarbeitete sie am Samstagabend ausgezeichnet. «Ich habe super geschlafen und war überhaupt nicht nervös.»

Schwierigkeiten am letzten Loch im Halbfinal und Final gemeistert

Erstmals Nerven zeigte Moosmann im Halbfinal gegen Emma Nilsson, als sie nach dem vierten Loch mit 2:0 in Front lag.

«Eigentlich darf man im Golf nie daran denken, wie es gerade läuft»,

weiss die Amateurin. Doch die Aussichten, den Final bestreiten zu können, führten zu zahlreiche Gedanken und dazu, dass es nach sieben von neun Löchern 2:2 stand. Beim letzten Loch flog zudem ihr Ball zu weit und landete auf dem Kiesweg. Eine Situation, die selbst gestandene Schiedsrichter am kühlen Sonntag ins Schwitzen brachte. Doch die Sachlage war klar: Der mögliche straffreie Drop aufs Gras war reglementarisch nicht möglich. Moosmann hätte schon ins hohe Gras ausweichen müssen.

Richtigerweise spielte sie vom Kiesweg, der Ball geriet aber zu kurz, im Anschluss glückte auch der Annäherungsschlag an die Fahne nicht nach Wunsch. Um das Remis und somit die Finalqualifikation zu retten – als besser klassierte Spielerin war das ihr Vorteil – musste sie nun einen nicht ungefährlichen mittellangen Put versenken.

«An diesem letzten Loch kribbelte es in meinem Körper gewaltig. Besonders beim Put»,

gibt sie zu. Doch die junge Golfspielerin vermochte dem Druck Stand zu halten.

Diese Erfahrungswerte halfen ihr im Finalmatch gegen Hayley Davis aus England. Dieses verlief zunächst ausgeglichen, ehe Davis am dritten Loch eine weitaus bessere Put-Position nicht auszunützen wusste. Besser machte es Moosmann einen Umgang später. Sie ging mit 1:0 in Führung. Entscheidend war erst der Abschlag, dann das lange Spiel auf dem Fairway, das sie in eine ausgezeichnete Lage brachte. Nur zwei Löcher später hiess es 2:0. Davis misslang der Abschlag, der Annäherungsschlag an die Fahne erfolgte dann aus dem Semirough. Moosmann dagegen schlug präzise vom Fairway in Richtung Fahne und versenkte den Ball in einem einzigen Anlauf – das Birdie am sechsten Loch war die Vorentscheidung.

Oder doch nicht? An Loch acht kam die Engländerin auf 2:1 heran. «Ich versuchte Schlag für Schlag zu spielen, an nichts zu denken», umschreibt die Innerschweizerin, die diesbezüglich sicherer agierte als noch im Halbfinal. Ein Verdienst auch von Coach Jeremy Carlsen. «Wir haben im Final immer über etwas anderes geredet, als das, was gerade läuft.» Dennoch spitzte sich die Lage am letzten Loch zu. Moosmann verpatzte den Abschlag, ihr Ball landete im hohen Gras. Es kam noch schlimmer: Aus dem Rough schlug sie den Ball nur wenige Meter weit – erneut ins Rough. Alle Vorteile lagen nun bei Davis. Doch die 17-Jährige kämpfte weiter.

«Es war noch nicht fertig, man darf im Golf nie aufgeben»,

sagt sie. Zu Recht: Davis verschlug den Ball aufs Green und musste sich daraufhin aus einem Bunker befreien. Im Gleichschritt ging es dann ans Putten, wo Moosmann alles klar machte.

Schlussrangliste
1. Elena Moosmann (Schweiz). 2. Hayley Davis (England). 3. Isabella Holpfer (Österreich). 4. Manon de Roey (Belgien). 5. Anaïs Meyssonnier (Frankreich). 6. Laura Gomez Ruiz (Spanien). 7. Stefania Avanzo (Italien).
8. Emilie Piquot (Frankreich). 9. Maria Beautell (Spanien) 10. Maria Hernandez (Spanien). – Ferner: 14. Anaïs Maggetti. 18. Chiara Tamburlini. 27. Klara Wildhaber. 33. Caroline Rominger. 36. Melanie Mätzler (alle Schweiz).