Am Swissultra in Buchs hatten Eva Hürlimann und Norbert Lüftenegger wichtige Unterstützung bei ihrer Rekord-Jagd

Die sportliche Leistung, einen Weltrekord zu realisieren, ist nur eine Seite der Medaille. Der entscheidende Kick kommt von aussen.

Robert Kucera
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Das strahlende Lachen war am Swissultra-Triathlon in Buchs ihr Markenzeichen und wirkte ansteckend: Eva Hürlimann, neue Weltrekord-Inhaberin im Deca der Frauen. (Bild: Robert Kucera)

Das strahlende Lachen war am Swissultra-Triathlon in Buchs ihr Markenzeichen und wirkte ansteckend: Eva Hürlimann, neue Weltrekord-Inhaberin im Deca der Frauen. (Bild: Robert Kucera)

Die Freude über das soeben Erreichte ist bei der Emmentalerin aus Hasle bei Burgdorf, Eva Hürlimann, und dem Österreicher aus Obertrum am See, Norbert Lüftenegger, gross. Vom ersten Tag weg war das Duo auf Weltrekord-Kurs.

Trotz der günstigen Konstellation haben sich die beiden Ausdauer- und Ausnahmesportler weiterhin gut auf den Wettkampf konzentrieren können. «Schon an den ersten Tagen an einen Weltrekord zu denken ist übertrieben», hält Lüftenegger fest.

«Es kann so viel passieren in dieser langen Zeit.»

Ähnlich ging es Hürlimann: «Ich war mir schon nicht ganz sicher. Es kann immer etwas passieren – etwa ein Bienenstich oder eine Entzündung, welche man nicht in den Griff kriegt.»

Mit Fortdauer des Rennens konnte die 36-Jährige entspannter an die Sache rangehen. Sie konnte sich Zeit nehmen und am Schlusstag war klar, dass sie es nur noch bis Kontrollschluss über die Ziellinie schaffen musste.

Weitaus komplexer gestaltete sich das Ganze für den 42-Jährigen. Leistungsvermögen und die täglich erzielte Zeit wiesen zwar eine klare Erfolg-Tendenz auf. Doch Gleiches galt auch für den Zweitplatzierten Konstantinos Zemadanis aus Griechenland. Bei Rennhälfte war klar: Der Sieger des Double Deca wird neuer Weltrekordhalter.

Gegenseitig motiviert und gepusht

Die Demut und Bescheidenheit, mit der Lüftenegger und Hürlimann ihren Sport angehen, ist eine Gemeinsamkeit. Den Weltrekord will sich keiner von beiden alleine auf die Fahne schreiben. «Zemadanis und ich haben uns gegenseitig motiviert und gepusht. Die Zeiten waren auch deshalb gut, weil wir uns gegenseitig angetrieben haben.
Alleine wäre es für beide nicht möglich gewesen.»

Sieger des Double Deca (20-facher Ironman) und neuer Weltrekordhalter über diese Distanz: Norbert Lüftenegger aus Österreich. (Bild: Robert Kucera)

Sieger des Double Deca (20-facher Ironman) und neuer Weltrekordhalter über diese Distanz: Norbert Lüftenegger aus Österreich. (Bild: Robert Kucera)

Der Österreicher verwaltete auf der zweiten Hälfte des Double Deca Swissultra-Triathlon geschickt den Vorsprung auf seinen Rivalen. Die Entscheidung fiel am 19. Tag, als der Grieche eine Krise hatte. «Das fand ich schade. Denn man fühlt mit den Konkurrenten mit, wir machen den Sport miteinander.

Wir sind eine Familie, wir sind gute Freunde geworden in diesem Wettkampf.»

Für Hürlimann war es auf der Jagd nach dem Weltrekord enorm wichtig, mit einem guten Gefühl das Rennen zu bestreiten. «Ich habe mich vom ersten Tag weg wohlgefühlt. Es war eine unglaublich schöne Zeit mit meinem Mann, mit den Leuten und den anderen Athleten», sagt sie. «Ich konnte meine Passion ausleben, weil ich wusste, dass es den Kindern zu Hause gut geht und der Alltag normal weiter geht. Das war ein sehr wichtiger Punkt», hält die Bernerin fest.

Aber auch die Unterstützung in Buchs war elementar.

«Ohne eingespieltes Team wäre ein Weltrekord nicht möglich. Sonst redet man aneinander vorbei, man kann dann die Leistung nicht erbringen.»

Zu ihrem Glück kennt ihr Mann sie sehr gut. «Er sieht es mir sofort an, was ich brauche», erklärt Hürlimann.

Schritt für Schritt bis Beine wieder locker waren

Mit ihrem Markenzeichen, dem an-steckenden Lächeln, fuhr und lief die 36-jährige Emmentalerin Runde für Runde. «Ich war in einem Tempo unterwegs, in welchem ich den Sport geniessen konnte», gibt sie Auskunft. Stets achtete sie darauf, den Körper nicht zu überfordern, und ging nie ans Limit.

Es gab zwar keine grosse Krise. Doch an den letzten drei Wettkampftagen, so erzählt Eva Hürlimann, beschäftigte sie am Morgen nach dem Aufstehen eine grosse Frage:

«Wie soll ich mit diesen Beinen heute einen Ironman machen?»

Die Antwort lieferte sie sich selber auf sportlichem Weg. Sie nahm Schritt für Schritt, bereits während des Schwimmens waren die Beine lockerer, auf dem Rad war ihr dann klar, dass es gar nicht so schlimm sei. Kaum im Sport-Modus drin war sie wieder in ihrem Element und zog nach dem Zieleinlauf am Samstag ein positives Fazit: «Es ist ein gewaltig schönes Erlebnis gewesen.»

Auf dem Weg zum Ziel, so teilt auch Norbert Lüftenegger mit, sei der Spassfaktor wichtig. «Wenn man zu verbissen ist, kann es bei einem so langen Wettkampf zum Problem werden.» Doch der 42-jährige Österreicher hatte nicht jeden Tag Spass.

«Am 15. Tag stand ich kurz vor der Aufgabe. Meine Supporter und die anderen Athleten haben mich ermutigt, weiter zu machen. Denn so schnell gebe man nicht auf.»

Im Schwimmbecken hatte er mit einem Mal Schmerzen in den Schienbeinen. Er konnte sich nicht mehr abstossen, die Bewegungen im Wasser verliefen nicht schmerzfrei. Er schwamm die Strecke zu Ende und gönnte sich in der Wechselzone eine längere Pause.

Beim Radfahren entspannte sich die Muskulatur wieder. Erst auf der Laufstrecke verspürte er wieder etwas Schmerzen. «Doch da war ich bereits über dem Berg.» Mit Massage und Eis auflegen am selben Abend wurde das Problem schliesslich behoben, die Lage entspannte sich. Die letzten zwei Tage bestritt Lüftenegger gar schmerzfrei.

«Mein Glück war, dass nach dem Schwimmen die Radstrecke kam. Wenn es ans Laufen gegangen wäre, wäre es schwierig geworden.»

Sieg und Weltrekord hingen in der Tat an einem seidenen Faden.