Alpwirtschaft
Nach Hagelschauer gibt es auf der Alp Sellamatt kein Futter mehr für Kühe und Rinder – «Würden wir sie nicht zufüttern, wären die Tiere sehr unzufrieden»

Letzten Samstag zogen starke Hagelschauer über das Obertoggenburg und hinterliessen die Churfirsten im Juli im weissen Kleid. Für die Alpen hat dies teilweise verheerende Auswirkungen.

Katharina Rutz
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Wegen des Hagelsturms vom vergangenen Wochenende gibt es auf der Alp Sellamatt zu wenig Futter für die Rinder.

Wegen des Hagelsturms vom vergangenen Wochenende gibt es auf der Alp Sellamatt zu wenig Futter für die Rinder.

Bild: PD

Besonders betroffen war die Alp Sellamatt, wo rund 1100 Kühe und Rinder von verschiedenen Landwirten gesömmert werden. Einerseits gab es verletzte Rinder, andererseits Schäden an den Dächern der Alphütten. «Die Tiere waren glücklicherweise nicht schlimm verletzt», sagt Elias Tschümmy, Präsident der Alpkorporation Sellamatt.

Das Gras wurde vollständig zerstört

Viel schlimmer sind die Auswirkungen auf das Futter für die Rinder. «Das Gras auf den Alpweiden hat es alles zusammengeschlagen», so Elias Tschümmy.

«Es ist trostlos!»

Da die Tiere nun kein Futter mehr finden, müssen die Landwirte handeln. Entweder sie führen zusätzliches Futter auf die Alpen oder aber sie fahren mit ihren Rindern in die Talbetriebe zurück. Elias Tschümmy beschreibt die Situation:

«Würden wir sie nicht zufüttern, wären die Tiere sehr unzufrieden und ständig am ‹Plärren›.»

Wo die Alpweiden allerdings steil und felsig sind und die Tiere sich versteigen könnten, mussten die Bauern sogar zurück ins Tal. Fangen die Rinder an, zu klettern, besteht eine zu grosse Gefahr, dass sie abstürzen würden.

Futternot hat weitreichende Auswirkungen, allenfalls bis in den Winter

Zwar handelt es sich bei der Alp Sellamatt um eine Hochalp, wo die Landwirte nur im Hochsommer sind, dennoch können sie noch nicht einfach auf ihre etwas tiefer gelegenen Voralpen ziehen, wo das Vieh im Früh- und Spätsommer gealpt wird. «Dort besteht eine Weideruhezeit von sechs Wochen, die eingehalten werden muss», erklärt der Alpkorporationspräsident.

Die Futternot auf den Alpen kann für die Landwirte auch noch längerfristige Auswirkungen haben. Möglicherweise werden die betroffenen Landwirte auch im Winter zu wenig Futter haben. «Es kommt darauf an, wie sich das Wetter jetzt noch entwickelt», so Tschümmy.

Werden die Sömmerungsbeiträge gekürzt?

Nun könnte man auf die Sömmerungsbeiträge verweisen, welche die Landwirte im Rahmen ihrer Direktzahlungen vom Bund erhalten. Dafür muss allerdings eine Mindestanzahl an Tieren über eine bestimmte Zeit auch wirklich gesömmert werden. Ob diese Vorgaben auf der Alp Sellamatt nun noch erreicht werden können, ist unklar. Elias Tschümmy sagt:

«Wir sind im Gespräch mit dem Landwirtschaftsamt des Kantons St.Gallen, um hier eine Lösung zu finden und Kürzungen zu vermeiden.»

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