Alpkäse aus der Region hat höchste Qualität

Im Sommer 2018 ist auf den Werdenberger und Rheintaler Kuhalpen leicht weniger Alpmilch und Alpkäse als im Vorjahr produziert worden. Grund war die wegen Trockenheit deutlich kürzere Alpzeit.

Leo Coray
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Dank für langjährige Alptätigkeit: Alpsektionspräsident Beat Lenherr mit den Geehrten Sepp Muheim, Christina Aliesch, Alexandra Zimmermann und Edi Sprecher (von links) an der Wintertagung der Alpsektionen in der Markthalle Sargans. (Bild: Leo Coray)

Dank für langjährige Alptätigkeit: Alpsektionspräsident Beat Lenherr mit den Geehrten Sepp Muheim, Christina Aliesch, Alexandra Zimmermann und Edi Sprecher (von links) an der Wintertagung der Alpsektionen in der Markthalle Sargans. (Bild: Leo Coray)

200 Älplerinnen und Älpler, Vertreter von Alp- und Ortsverwaltungen, Bauernorganisationen, Gemeinden und Kanton liessen sich am Freitag an der Wintertagung der Alpsektionen Sarganserland-Linthgebiet und Werdenberg-Rheintal in der Markthalle in Sargans über den Alpsommer 2018 informieren. Beat Lenherr (Tschudenhaus, Gams), Präsident der Alpsektion Werdenberg-Rheintal, sprach im Jahresbericht beider Sektionen von einem aussergewöhnlichen Alpsommer. Wie er sagte, konnten die Alpen trotz später Schneeschmelze rechtzeitig bestossen werden und war das Gras gut. Erst im Hochsommer wurden wegen fehlenden Regens Gras und Wasser knapp, wovon vor allem die Alpen im Werdenberg und Rheintal betroffen waren. Auf einigen Alpen musste Wasser mit Helikoptern und Militär-Tankwagen zugeführt werden. Trotzdem hätten sich auf den meisten Alpen die Investitionen der letzten Jahre in die Wasserversorgung ausgezahlt, betonte Lenherr.

Gemäss der von Tagungsleiter Marco Bolt präsentierten Alpstatistik 2018 der Fachstelle Alpwirtschaft des Landwirtschaftlichen Zentrums St. Gallen (LZSG) in Salez wurden auf den elf Werdenberger und Rheintaler Kuhalpen im letzten Sommer 556 000 Kilogramm Milch produziert, 3700 Kilogramm weniger als 2017. Die Alpkäseproduktion betrug 51 500 Kilogramm (-1300). Insgesamt verbrachten 532 Milchkühe (+1) den Sommer auf den Alpen. Sie gaben pro Tag durchschnittlich 11,7 Kilogramm Milch (+0,9). Die Herstellung von Alpbutter nahm um 800 auf 2800 Kilogramm ab. Die durchschnittliche Alpzeit fiel mit 89 Tagen acht Tage kürzer aus als 2017. Auf der Buchser Alp Malschüel gaben 287 Ziegen 40 000 Kilogramm Milch (-2000), woraus unverändert 3600 Kilogramm Ziegenkäse entstanden.

Alle Alpen mit guten Noten bewertet

Die Qualität der Sarganserländer und Werdenberger Alpkäse ist einmal mehr sehr erfreulich», sagte Josef Artho von der Beratungs- und Analytikfirma Bamos AG, Bazenheid, die Alpmulchentaxationen durchführt. Wie er mitteilte, wurden im Sommer Käse von 24 Sarganserländer und Werdenberger Alpen taxiert. Eine Alp wurde mit dem Maximum von 20 Punkten bewertet, was «ausgezeichnet» bedeutet, 21 Alpen erhielten 19,5 bis 19,75 Punkte («sehr gut») und zwei Alpen 19,25 Punkte («gut»). Der Durchschnitt aller Alpen lag bei hohen 19,67 Punkten. Beurteilt werden Geschmack, Aussehen, Teig und Lochung der Käse sowie die Hygiene der Alpbetriebe.

An der Wintertagung wurden vier Älplerinnen und Älpler geehrt, die lange Zeit auf Sarganserländer und Werdenberger Alpen tätig waren. Eine Urkunde für treue Dienste erhielten Sepp Muheim (Libingen, 30 Jahr Küher, Zusenn), Christina Aliesch (Saas i.P., 20 Jahre Hirtin, Sennerin), Alexandra Zimmermann (Vättis, 20 Jahre Küherin, Zusennerin) und Edi Sprecher (Fontnas, 10 Jahre Alphirt). Eine besondere Auszeichnung ging an Fredi Fischli (Flums). Er hatte als Senn seit fünf Jahren mit seinem Käse Höchstnoten erzielt.

Ruhestand für zwei Diener des Alpwesens

Verabschiedet wurden zwei Personen, die sich mehrere Jahrzehnte lang für das Alpwesen eingesetzt hatten. Max Waldburger von der Bamos AG war über 40 Jahre als Milchinspektor, Milch- und Alpberater, Fachlehrer und Kursleiter tätig. Er habe sein Augenmerk besonders auf die Verbesserung von Tiergesundheit und Hygiene gelegt, sagte Tagungsleiter Marco Bolt. Nach 30 Jahren geht Tumasch Lemm vom Meliorations- und Vermessungsamt im Landwirtschaftsamt des Kantons St. Gallen in den Ruhestand. Seine Schwerpunkte seien Wasserversorgung und Erschliessung der Alpen gewesen und sein Motto habe stets dienen und unterstützen gelautet, betonte LZSG-leiter Markus Hobi.

Im fachlichen Teil berichteten Anni Abderhalden und Hansjakob Zwingli vom Landwirtschaftsamt des Kantons St. Gallen, dass 360 St. Galler Alpbetriebe im letzten Jahr wiederum 11,7 Mio. Franken an Sömmerungs-, Biodiversitäts- und Landschaftsqualitätsbeiträge erhielten. Um die Attraktivität der Sömmerung zu erhöhen, wird ab diesem Jahr für gemolkene Kühe, Ziegen und Schafe ein zusätzlicher Beitrag ausbezahlt. LZSG-Leiter Markus Hobi informierte über die Änderung der kantonalen Landwirtschaftsverordnung und deren Auswirkung auf die Alppachtzinsen. Er empfahl den Alpbetrieben, in den Pachtverträgen festzulegen, wer für welche Leistungen zuständig ist.