Alpkäse
Alpkäsesortiment auf dem Höhepunkt

Kurz vor der «Heifahrt» ist die Alpkäsepalette im Keller am grössten und somit ist der richtige Zeitpunkt für die Alpkäsetaxation.

Marco Bolt*
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Unter den Augen des Experten: Josef Artho von der Bamos AG.

Unter den Augen des Experten: Josef Artho von der Bamos AG.

Marco Bolt

Nicht einfach war der Sommer 2021 für Mensch und Tier auf den Alpbetrieben. Die andauernde Nässe, die Wetterextreme sowie die Ungewissheit über die von Jahr zu Jahr zunehmenden Wolfsangriffe auf unsere Nutztiere erschwerten die Alpzeit. Das Alppersonal, welches Tag und Nacht um das Wohl der Tiere besorgt ist und unter erschwerten Bedingungen die Milch zu köstlichen Alpprodukten verarbeitet, hat Grosses geleistet. Nicht vergessen werden darf, dass ein Grossteil der Alpbetriebe in den Regionen Werdenberg und Sarganserland ohne das Herzblut der Alpfunktionäre und der freiwilligen Helfer nicht so betrieben werden könnte, wie es heute ist.

Optik, Geschmack, Teig, Lochung und Sauberkeit

Ein Grossteil der Milchverarbeitungsalpbetriebe in den Kantonen St. Gallen, den beiden Appenzell und Liechtenstein sind Mitglieder des Vereins Alpkäseproduzenten SG,AI/AR,FL, welcher sich für die Qualitäts- und Absatzförderung der Alpprodukte sowie weiterer Interessen seiner Mitglieder engagiert. Zur Qualitätssicherung des Alpkäses dienen neben den vorgeschriebenen Laboranalysen auch die jährliche Alpmulchentaxation in den Käsekellern der Sömmerungsbetrieben.

Die diesjährigen Taxationen fanden zwischen dem 19. August und dem 7. September statt. Während bei Alpkäseprämierungen normalerweise nur ein dafür ausgewählter Käselaib bewertet wird, werden bei der Alpkäsetaxation pro Alpbetrieb zwischen 10 und 15 Alpkäse unterschiedlichen Datums nach den Kriterien Äusseres , Geschmack, Teig und Lochung beurteilt. Aber auch die Sauberkeit der Sennerei und des Käsekellers wird bewertet, ebenfalls wird die Journalführung der Fabrikationskontrolle kontrolliert.

Im Auftrag des Vereins Alpkäseproduzenten wird diese Qualitätskontrolle jeweils von den Experten Josef Artho und Hans Gähler der Bamos AG durchgeführt. Auf ihren Touren begleitet, werden sie abwechselnd von den Vorstandsmitgliedern des Vereins.

Sechstel aller Alpkäse mit dem Punktemaximum

Dass sich die Qualität des hiesigen Alpkäses nach wie vor auf hohem Niveau befindet, zeigen auch die diesjährigen Ergebnisse. Sechs der 36 bewerteten Alpbetriebe erreichten sogar das Punktemaximum 20. Dies ist keine Selbstverständlichkeit, betreiben doch die meisten Alpkäserinnen und Alpkäser ihr Handwerk ausschliesslich während der Sommermonate und dies auch noch unter erschwerten Produktionsbedingungen.

Gereifte Qualität: Der Alpkäse in den Regionen Werdenberg und Sarganserland ist auch dieses Jahr sehr überzeugend.

Gereifte Qualität: Der Alpkäse in den Regionen Werdenberg und Sarganserland ist auch dieses Jahr sehr überzeugend.

Marco Bolt

Die Arbeitstage sind lang und die Verantwortung gross. Da muss einer schon mit Leib und Seele Älpler sein, um für drei bis vier Monate dieser intensiven Arbeit nachzugehen. Die Käseherstellung auf der Alp verlangt nicht nur das Wissen über ein traditionelles Handwerk, sondern auch exaktes, hygienisches Arbeiten; vom Melken im Stall über die Verarbeitung in der Sennerei bis zur Pflege im Käsekeller. So überrascht es nicht, dass bei einem erfolgreichen Taxationsergebnis die Freude gross ist. Es kommt auch nicht selten vor, dass die Nachbarsälpler beim Eintreffen der Taxationsexperten bereits von ihren Berufskollegen über deren Ergebnisse informiert wurden, Handyempfang vorausgesetzt.

Prämierung wegen Unsicherheiten abgesagt

Jetzt neigt sich die Alpzeit langsam dem Ende zu, die ersten Tiere sind bereits wieder ins Tal zurückgekehrt und für die restlichen steht in den kommenden Wochen ebenfalls der Alpabzug bevor. Da der Alpkäse zuerst reifen muss, bedeutet das Ende der Alpzeit aber nicht das Ende der Alpkäsesaison, ganz im Gegenteil: Nach der Alpzeit ist das Alpkäsesortiment am grössten. Es hat für jeden Geschmack etwas dabei. Auch diejenigen, die den reiferen, würzigeren Alpkäse priorisieren, können sich freuen, denn dieser ist konsumbereit.

Aufgrund zu vieler Vorlagen und zu grosser Ungewissheit muss der Alpkäseproduzentenverein die diesjährige Alpkäsepublikumsprämierung auf der Molseralp leider absagen. Die Verantwortlichen sind aber guten Mutes, dass die verschiedenen geplanten Degustationen bei den Detailhändlern sowie an den Alpabfahrten durchführen können.

* Marco Bolt ist Alpwirtschaftsberater am Landwirtschaft-
lichen Zentrum St. Gallen in Salez

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