Weshalb eine seltene Albino-Buche im Toggenburg ohne Blattgrün überlebt

Eigentlich ist sie dem Tod geweiht. Dennoch gedeiht im Toggenburg eine Buche mit weissen Blättern seit zehn Jahren dank der unterirdischen Hilfe der umliegenden Flora.

Alexandra Gächter
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Jeden Frühling bildet diese kleine Buche schneeweisse Blätter. (Bild: Waldregion 5, Toggenburg)

Jeden Frühling bildet diese kleine Buche schneeweisse Blätter. (Bild: Waldregion 5, Toggenburg)

Im Toggenburg steht ein Bäumchen, das seinesgleichen sucht: Eine Buche mit schneeweissen Blättern. Zwar erinnert die kleine Buche von der Grösse her eher an einen Strauch als an einen Baum, doch mit etwas Glück wächst sie weiter heran.

Die Albino-Buche ist bereits zehn Jahre alt und kleiner als ihre gleichaltrigen Artgenossen. «Sie ist ein bisschen verkrüppelt», gibt der Toggenburger Regionalförster Christof Gantner zu. Nichtsdestotrotz sei es verwunderlich, dass das Bäumchen überhaupt so lange überlebt hat. «Pflanzen benötigen Blattgrün, um Wasser und CO2 mit Hilfe von Sonnenenergie in Zucker und Sauerstoff zu verwandeln. Ohne diesen Zucker ist die Pflanze nicht überlebensfähig», so Gantner.

Pflanzen helfen den Schwächeren

Wenn die Albino-Buche nun aber gar nicht überlebensfähig ist, wieso gedeiht sie denn seit zehn Jahren? «Die einzig logische Erklärung ist, dass sie unterirdisch via Wurzeln und Pilzfäden von anderen Bäumen und Pflanzen mit Nährstoffen versorgt wird. Aus der Forschung weiss man, dass es diesbezüglich Zusammenhänge gibt. Versuche haben es bestätigt», so Gantner. Und so spriessen jedes Jahr neue weisse Blätter von den Zweigen der kleinen Buche. Von Insekten erhält sie regelmässig Besuch.

Der Herbst hält bereits im Sommer Einzug: Früher als bei ihren Artgenossen verfärben sich die Blätter der Albino-Buche braun und fallen ab. (Bild: Waldregion 5, Toggenburg)

Der Herbst hält bereits im Sommer Einzug: Früher als bei ihren Artgenossen verfärben sich die Blätter der Albino-Buche braun und fallen ab. (Bild: Waldregion 5, Toggenburg)

Der genaue Standort dieser speziellen Buche soll nicht publik werden, um das Bäumchen zu schützen. Man würde es im Moment sowieso nicht finden. «Die weissen Blätter sind bereits braun geworden und abgefallen. Die Blätter von anderen Buchen werden hingegen zuerst rot oder gelb, bevor sie sich braun färben und abfallen», sagt Christof Gantner.

Einen Baum mit weissen Blättern hat Gantner noch nie zuvor gesehen, wie er sagt. Damit steht er nicht alleine da. Weiteren Baumkennern, darunter sogar der renommierte Professor Frantisek Baluska, sind Buchen mit weissen Blättern unbekannt. Baluska ist Pflanzen-Neurobiologie und beschäftigt sich an der Universität in Bonn mit der Kommunikation von Pflanzen. Genau wie Christof Gantner hält Frantisek Baluska eine Genmutation beim Toggenburger Bäumchen für eine mögliche Erklärung des Albinismus.