Aktionstag gegen Rassismus für Buchser Schüler: Gegen Schubladen in den Köpfen

Tussen, Streber oder Freaks: Anlässlich der Aktionstage gegen Rassismus zeigte die Autorin Alice Gabathuler Buchser Primarschülern auf, wie Bewertungsmuster entstehen. Es war ein Vormittag für mehr Respekt.

Ursula Wegstein
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Die Werdenberger Autorin Alice Gabathuler thematisiert mit einer Schublade das Schubladendenken. (Bild: Ursula Wegstein)

Die Werdenberger Autorin Alice Gabathuler thematisiert mit einer Schublade das Schubladendenken. (Bild: Ursula Wegstein)

Sie spricht hochdeutsch. Und sie hat eine Schublade dabei. Hochdeutsch – weil sie niemanden wegen der Sprache ausschliessen möchte. Die Schublade – weil sie vor acht Jahren eine falsche Antwort gegeben hat. Und zwar auf die Frage, warum sie nicht ein Buch über normale Jugendliche schreibe, erzählt die bekannte Werdenberger Jugendbuchautorin Alice Gabathuler bei ihrer Lesung für Schulklassen in der Bibliothek Buchs.

Eine Langweiligen-Ecke muss her

Die Veranstaltung am vergangenen Montag fand im Rahmen der kantonalen Aktionstage gegen Rassismus statt. «Das ist eine normale Schublade», sagt Gabathuler und beschriftet sie mit «normal».

«Wer möchte in diese Schublade?», fragt sie die Sechstklässler der Primarschule Grof in Buchs. Drei Schüler melden sich. Und die anderen? «Wir möchten die Freiheit», sagt eine Schülerin. Und weitere sechs Schülerinnen mit ihr.

Da in der Freiheitsecke nun die Mehrheit ist, klassifiziert Gabathuler um: Die Normalen werden zu Freaks, die Freiheitsliebenden zu den Normalen. Aufmüpfige werden rausgeworfen. Doch die Freiheitsliebenden möchten nicht die Normalen sein, denn Normale seien langweilig. Eine Langweiligen-Ecke muss her.

«Was ist normal? Und wer bestimmt das eigentlich?»

fragt Gabathuler immer wieder. Um diese Frage kreisen ihre Geschichten. Geschichten von Mädchen, die plötzlich zur Aussenseiterin werden. Und Geschichten von Punkerinnen mit Nägeln im Gesicht und buntem Haar. Von Frauen mit Kopftuch und Männern mit dunkler Haut.

«Die Normalen gibt es nicht. Normal ist alles und nichts»

So lautet das Fazit der Schulklasse. Darum wird die Schublade kurzerhand ausrangiert. Ohne sie fällt die Orientierung allerdings schwer. Jeder muss für sich entscheiden, was normal ist. «Wollt Ihr die Schublade zurück?», fragt Gabathuler.

Mit ihrer Geschichte von Mädchen, die boxen und Typen, die sich zum Schlägern verabreden, dann aber als Informant entpuppen, zeigt die Autorin auf, wie vorgefasste Bilder das Denken prägen und zu Vorurteilen führen. Gabathuler entlässt die Schüler mit einem grossen Fragezeichen in der Schublade. Und dem Tipp:

«Guckt doch mal mit dem Herzen hin!»

Stadt Wil setzt ein Zeichen gegen Diskriminierung

Heute starten im Kanton St. Gallen die Aktionstage gegen Rassismus. Die Fachstelle Integration der Stadt und der Region Wil möchte mit einer Wortkampagne möglichst viele Menschen anregen, sich mit ihren persönlichen Haltungen auseinanderzusetzen. Die Stadt Wil setzt mit der Kampagne ein Zeichen für Vielfalt und differenzierte Wahrnehmung.