Aktionäre geben grünes Licht: Bergbahnen Wildhaus starten einen erneuten Anlauf für einen regionalen Ticketverbund im obersten Toggenburg

Die Aktionärinnen und Aktionäre der Bergbahnen Wildhaus geben mit einem eindrücklichen Abstimmungsergebnis grünes Licht für ein erneutes Angebot an die Toggenburg Bergbahnen für ein gemeinsames Winterticket. Zudem wählten sie Nationalrätin Esther Friedli und Armin Rohner in den Verwaltungsrat.

Thomas Schwizer
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Die Bergbahnen Wildhaus sind bereit, für die Ertragsverteilung aus einem gemeinsamen Ticketverbund ihre laufenden Investitionen in das Projekt Wildhaus 2.0 (hier die neue Sesselbahn Oberdorf-Freienalp) auszuklammern.

Die Bergbahnen Wildhaus sind bereit, für die Ertragsverteilung aus einem gemeinsamen Ticketverbund ihre laufenden Investitionen in das Projekt Wildhaus 2.0 (hier die neue Sesselbahn Oberdorf-Freienalp) auszuklammern.

Bild: Adi Lippuner

Mit der laufenden Realisierung der 12-Millionen-Investition in das Projekt Wildhaus 2.0 hat die Bergbahnen Wildhaus AG (BBW) ihren Glauben an eine erfolgreiche Zukunft untermauert. Nachdem die Toggenburg Bergbahnen AG im Mai 2020 ihr feindliches Übernahmeangebot an die Aktionäre der BBW zurückgezogen hat, starten die Wildhauser nun einen erneuten Anlauf, den regionalen Ticketverbund der beiden Bahnen zu reaktivieren. Er ist Ende Winter 2018/2019 ausgelaufen und wurde von den TBB nicht mehr erneuert.

Angebot für gemeinsames Ticket vom Juni 2018 wird erneuert

Mit eindrücklichen 98 Prozent der Stimmen haben die Aktionäre der Bergbahnen Wildhaus AG an der schriftlich durchgeführten Generalversammlung vom Samstag einen Antrag des Verwaltungsrates genehmigt, einen neuen Anlauf für ein gemeinsames Winterticket zu unternehmen.

Sie haben damit grünes Licht dafür erteilt, das Angebot vom 21.Juni 2018 an die Toggenburg Bergbahnen AG und den Verein Bergbahnen Toggenburg zu reaktivieren. Es enthält den Vorschlag, neben einem gemeinsamen Winterticket auch örtliche Tickets für die Anlagen der Bahnunternehmen in Wildhaus und Alt St. Johann-Unterwasser anzubieten. Die Wildhauser sind wie vor zwei Jahren bereit, die Investitionen in die Erneuerung ihrer Anlagen bei der Verteilung der Einnahmen aus dem gemeinsamen Ticket auszuklammern.

Zwei Drittel der Bahnkunden blieben auf «ihrer» Achse

Nach der Generalversammlung hielten Jakob Rhyner, Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Wildhaus, und BBW-Geschäftsführer Urs Gantenbein fest, dass man nun das Angebot an die BBT abgebe und für Diskussionen offen sei.

Gantenbein bestätigte, was er schon im Geschäftsbericht schrieb. Im vergangenen Winter haben Gäste, die nur die Anlagen in Wildhaus benutzen, es geschätzt, dass sie ein etwas günstigeres lokales Tickets erhielten. Enttäuscht seien aber jene gewesen, die bisher die ganze Wintersportregion nutzten.

Zahlen zeigen: Nur rund ein Drittel nutzte die Gesamtregion

Zählungen aus den Vorjahren mit einem gemeinsamen Ticket zeigten: Über die ganze Saison gerechnet blieben jeweils rund zwei Drittel der Obertoggenburger Gäste auf «ihrer» Achse. Nur rund ein Drittel nutzte jeweils die Gesamtregion.

Familien mit Kindern, die nur die Anlagen in Wildhaus benutzten, freuten im vergangenen Winter über etwas tiefere Ticketpreise.

Familien mit Kindern, die nur die Anlagen in Wildhaus benutzten, freuten im vergangenen Winter über etwas tiefere Ticketpreise.

Bild: PD

Gemäss dem Antrag des Verwaltungsrates ist es das erklärte Ziel der Wildhauser, ein regionales Ticket in einem zweiten Schritt auch auf den Sommer auszudehnen.

Esther Friedli und Armin Rohner neu im Verwaltungsrat

Die Aktionärinnen und Aktionäre der Bergbahnen Wildhaus AG haben auch den Verwaltungsrat erneuert. Neu gewählt wurden die Nationalrätin, Gastronomin und Politberaterin Esther Friedli aus Ebnat-Kappel sowie Armin Rohner, Geschäftsführer einer Logistikfirma aus Altstätten.

Stabswechsel: Armin Rohner und Esther Friedli sind neu im Verwaltungsrat der Bergbahnen Wildhaus AG, Walter Eggenberger und Birger Stumpf schieden aus (von links).

Stabswechsel: Armin Rohner und Esther Friedli sind neu im Verwaltungsrat der Bergbahnen Wildhaus AG, Walter Eggenberger und Birger Stumpf schieden aus (von links).

Bild: Thomas Schwizer

Friedli und Rohner ersetzen die Verwaltungsräte Birger Stump und Walter Eggenberger, welche zurückgetreten sind. Die weiteren Verwaltungsräte Rolf Eggenberger und Hans Sturzenegger, beide aus Grabs, wurden für die Amtsdauer 2020–2024 wiedergewählt.

Auch Jahresbericht und Jahresrechnung genehmigt

Sowohl diese Wahlen als auch alle anderen Anträge wurden mit jeweils über 90 Prozent Zustimmung der Aktionäre gutgeheissen. Von den 2216 Aktionärinnen und Aktionären der Bergbahnen Wildhaus AG nahmen 1152 ihr schriftliches Stimm- und Wahlrecht wahr und vertraten dabei 27'778 der eingetragenen Stimmen. Insgesamt waren gut zwei Drittel der berechtigten Stimmen vertreten.

Unter anderem wurden der Jahresbericht und die Jahresrechnung genehmigt und dem Verwaltungsrat Entlastung erteilt. Auch der Aktionärsbon wird in gewohnter Form weitergeführt.

Stürme und Corona richten Schaden an

Das Geschäftsjahr 2019/20 war gekennzeichnet von einem guten Start in den Winter. Jäh gestoppt wurde dies durch Orkanstürme Ende Januar und Anfang Februar, die den insbesondere für Familien wichtigen Skilift Oberdorf irreparabel zerstörten.

Trotz schnellem Teilersatz kostete der Wegfall dieses zentralen Angebotes Kunden und damit Umsatz. Mitte März verhinderte die wegen der Coronapandemie verordnete Schliessung der Skigebiete einen versöhnlichen Saisonschluss.

Das Aktienkapital wird weiter erhöht

Trotz dieser Schläge und der ersten Investitionen ins Projekt Wildhaus 2.0 konnte die Bergbahnen Wildhaus AG die üblichen Abschreibungen voll tätigen und erzielte noch einen kleinen Jahresgewinn von 12'000 sowie einen Bilanzgewinn von 684'000 Franken.

Zur Finanzierung des Projektes Wildhaus 2.0 wurde in den vergangenen drei Jahren das Aktienkapital um insgesamt 2,6 Millionen Franken erhöht. Deshalb stieg trotz ersten Investitionen in das Projekt Wildhaus 2.0 das Eigenkapital stärker als das Fremdkapital.

Auch die laufende Erhöhung des Aktienkapitals um eine weitere Million Franken ist auf gutem Weg. Gemäss Geschäftsführer Urs Gantenbein liegen bereits feste Zusagen für 300'000 Franken vor.

Am 11.Oktober wird die neue Sesselbahn im Oberdorf eingeweiht, mit freier Fahrt auf allen Anlagen, aber coronabedingt begrenzten Festivitäten.

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