Abstieg FC Vaduz
FCV-Präsident Patrick Burgmeier zur Saison: «Eine Talfahrt der Emotionen»

Der geschäftsführende FCV-Präsident Patrick Burgmeier zieht Bilanz, nachdem der Verein zum dritten Mal aus der Super League absteigt. Paradox: Es gibt Lob statt Schelte.

Gery Kaufmann
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Enttäuschung nach dem Abstieg – doch für den FC Vaduz gibt es viel Lob.

Enttäuschung nach dem Abstieg – doch für den FC Vaduz gibt es viel Lob.

Walter Bieri / Keystone

Patrick Burgmeier, wenig hat gefehlt für den Klassenerhalt. Erst im letzten Spiel gab der FC Vaduz die Barrage aus der Hand.

Patrick Burgmeier: Gerade das macht es extrem bitter, dass wir fast die Sensation geschafft hätten. Anfang Saison hätte uns das eigentlich niemand zugetraut und lange Zeit war man hinten abgeschlagen. Dann kämpften wir uns zurück und hätten den einen oder anderen Verein noch in den Abstiegskampf ziehen können. Auf einmal hatten wir als Neunter etwas zu verlieren. Diese Talfahrt der Emotionen trägt sicher auch dazu bei, dass von der Mannschaft bis zur Geschäftsstelle alle so niedergeschlagen sind.

Wie lautet Ihr Fazit aus sportlicher Sicht?

Wir brauchten eine gewisse Findungsphase, weil die wenigsten Spieler Erfahrung in der Super League hatten. Im Jahr 2021 haben wir mit einer überragenden Aufholjagd gezeigt, was eigentlich möglich wäre. Gegen Schluss ist uns etwas die Luft ausgegangen. Als Underdog mussten wir bei jedem Spiel bis ans Limit gehen, was extrem kräftezehrend war. Wenn du aus den letzten acht Spielen nur vier Punkte holst, ist das einfach zu wenig.

Der Mannschaft lässt sich nichts vorwerfen.

Im Gegenteil. Was sie und das Trainerteam geleistet haben, kann man nicht genug loben.

Und diese Leistung wurde auch über dem Rhein durchaus anerkannt, wie die Berichterstattung zeigt.

So positiv, vor allem in sportlicher Hinsicht, sind wir nach aussen, glaube ich, noch nie wahrgenommen worden. Zürcher, Berner oder Luzerner haben uns die Daumen gedrückt, was doch ein gutes Zeichen ist. Was die Sympathiewerte anbelangt, konnten wir ziemlich punkten, aber davon kann man am Ende des Tages nichts kaufen. Trotzdem ist es für uns als Verein wichtig, dass wir auch ausserhalb des Landes positiv wahrgenommen werden. Auch wegen der speziellen Situation, dass wir in der Schweiz mitspielen.

FCV-Präsident Patrick Burgmeier schmerzt der Abstieg zwar, doch er verteilt viel Lob ans Team.

FCV-Präsident Patrick Burgmeier schmerzt der Abstieg zwar, doch er verteilt viel Lob ans Team.

Eddy Risch (Vaduz, 1.3.2018)

Wird der FCV nächste Saison vom gestiegenen Interesse profitieren?

Der FC Vaduz hat sich in der Super League sicher als spannende Plattform präsentiert, sowohl für Spieler als auch Fachkräfte auf anderen Positionen. Sobald die Stadien wieder komplett öffnen, wird man vielleicht sehen, dass wir den einen oder anderen Fan dazugewonnen haben. Es ist auch im Sinne unserer Sponsoren, wenn wir ein positives Image ausstrahlen.

Ist so viel Lob als Absteiger nicht paradox?

Das hängt bestimmt auch mit unserer Ausgangslage zusammen. Wir hatten mit Abstand das kleinste Budget der Liga (Anm. d. Red.: zirka 6 Millionen Franken), der nächste Verein hatte schon doppelt so viel zur Verfügung. Bei diesen Möglichkeiten lässt sich ein Abstieg kaum als Misserfolg bezeichnen. Wir müssen das über die Mannschaftsleistung und Mentalität kompensieren. Wir vertreten Werte wie Bodenständigkeit und Familiarität, trotzdem sind wir auch sportlich sehr ambitioniert.

Welche Folgen hat der Abstieg auf das Budget?

Dieses wird sich im selben Rahmen bewegen wie in der Saison 19/20, als wir das letzte Mal in der Challenge League waren. Gegenüber der Super-League-Saison 20/21 entspricht dies ungefähr einer Reduktion von 25 Prozent, was sich auch auf die Spielerlöhne und manche Sponsorenverträge auswirkt.

Die vertragliche Situation der meisten FCV-Spieler ist bereits geregelt, dennoch rückten einige ins Rampenlicht. Kann der aktuelle Kader Ihrer Meinung nach gehalten werden?

Der eine oder andere hat sich in der Super League bewiesen. Daher gehe ich schon davon aus, dass da noch etwas Bewegung reinkommt. Franz Burgmeier (Anm. d. Red.: FCV-Sportchef) wird die nächsten paar Wochen einiges zu tun kriegen. Grundsätzlich legen wir keinem Spieler Steine in den Weg und es ist Teil unserer Philosophie, dass Talente bei uns den nächsten Schritt machen können. Schlussendlich muss jeweils individuell eine Lösung gefunden werden, die auch für den Verein passt. Wir werden ausserdem noch versuchen, uns auf zwei, drei Positionen zu verstärken.

Auch Trainer Mario Frick wird bei Vereinen in der Super League gehandelt.

Das spricht für seine Arbeit und die des Teams. Wie er selber sagt, hat er bei uns viel gelernt und eine enorme Entwicklung gemacht. Vor allem wenn man bedenkt, dass er als U18-Trainer des Liechtensteiner Fussballverbands zu uns gekommen ist und dies seine erste Station als Profitrainer ist. Natürlich müssen wir uns auch damit befassen, dass Mario auf dem Markt begehrt ist. Stand heute gehen wir jedoch davon aus, dass er Mitte Juni mit dem FC Vaduz in die Vorbereitung startet.

Der Vaduzer Trainer Mario Frick steht nicht zur Diskussion - im Gegenteil: Auf dem Fusballmarkt ist er begehrt.

Der Vaduzer Trainer Mario Frick steht nicht zur Diskussion - im Gegenteil: Auf dem Fusballmarkt ist er begehrt.

Walter Bieri / Keystone

Spätestens dann muss das Team auch wieder zurück auf den Platz. Gestern wurde bekanntgegeben, dass der Cup abgebrochen wird und der FC Vaduz das Land in der Qualifikation für die Conference League vertritt.

Wir sind den anderen Vereinen sehr dankbar für diesen Entscheid. Für uns ist die Europa-Qualifikation sportlich sehr interessant und eine wichtige Einnahmequelle, alles andere wäre gelogen. Die Teilnahme wird jedes Jahr im Budget berücksichtigt, das ist auch unser Anspruch. Jede weitere Runde wäre sozusagen ein Bonus obendrauf.

Aufgrund der Bauarbeiten am Rheinpark Stadion muss der FC Vaduz für die ersten Heimspiele der kommenden Saison ausweichen. Ist das Ersatzstadion bekannt?

Ich kann das Stadion noch nicht verraten, aber wir haben für die Meisterschaftsspiele eine zufriedenstellende Lösung gefunden und werden diese demnächst bekanntgeben. Für die europäischen Spiele haben wir auch schon Möglichkeiten geprüft und können jetzt, wo unsere Teilnahme fix ist, daran weiterarbeiten.

Was nimmt sich der FC Vaduz nächste Saison in der Challenge League vor?

Als Absteiger, bei dem kein Totalumbruch ansteht, will man natürlich an den Erfolgen anknüpfen. Allerdings müssen wir die Erwartungen meiner Meinung nach am Boden halten. Das letzte Mal brauchte es eine sportlich überragende Saison, um aufzusteigen. Damals gehörten wir nicht zu den Favoriten, sondern mussten unter anderem GC hinter uns lassen. Auf alle Fälle bin ich davon überzeugt, dass wir nächste Saison eine ambitionierte Mannschaft haben werden, die vorne mithalten kann.