Abneigung gegen Uniformen: Wegen ein paar Franken ausgerastet

Ein Einheimischer aus der Region, ein Mann von bald 60 Jahren, hat nach einem Ladendiebstahl die Fassung verloren. Dabei hat er zwei Polizisten mehrfach heftig beschimpft und bedroht. Die Quittung folgte jetzt am Kreisgericht. Sie beläuft sich auf acht Monate Haft.

Reinhold Meier
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Offenbar bringt der Anblick von Polizeiuniformen den Verurteilten schnell auf 180, jedenfalls unter Alkoholeinfluss. (Bild: Kantonspolizei St.Gallen)

Offenbar bringt der Anblick von Polizeiuniformen den Verurteilten schnell auf 180, jedenfalls unter Alkoholeinfluss. (Bild: Kantonspolizei St.Gallen)

Der Mann hatte in einem regionalen Einkaufszentrum drei Lebensmittel mitgehen lassen und war dabei vom Personal beobachtet worden. Dieses zog alsbald zwei Polizeibeamte hinzu.

Doch die Beamten hatten, als sie vor Ort eingetroffen waren, kaum Zeit, sich auch nur vorzustellen. So schnell ging der Angeklagte auf sie ohne Vorwarnung und äusserst aggressiv an. «Verpisst Euch, Ihr Blöden ...», fluchte er unter Benutzung erdenklicher Schimpfwörter.

Wüste Drohungen gegen die Polizisten

Die Begegnung entwickelte sich dann sehr dynamisch. Denn als Nächstes wandte er sich an einen der beiden Beamten und forderte ihn zum Zweikampf auf. Dazu schlug er seine Faust in flache Hand und rief, jener solle nur kommen, er sei bereit. Auch dabei titulierte er ihn erneut mit Begriffen des untersten Gossenjargons.

Damit nicht genug. Kurz darauf sprang er auch noch hoch, schnappte sich eine Taschenlampe und stellte sich dem Polizisten in Kampfeshaltung entgegen. Beim Diebstahl ging es nur um 12.80 Franken Nachdem der Ordnungshüter ihn erfolgreich dazu bewegt hatte, wieder abzusitzen, drohte er jedoch weiter und legte dabei noch ein Zacken zu. Er werde sich sein Gesicht merken, schrie er dem Beamten ins Gesicht und werde ihm ein Messer in den Rücken stechen. Im Übrigen wisse er genau, wie man aus Dünger eine Bombe bastle, er habe alles Daheim. Er wisse, wo der Polizeiposten sei, werde sie in die Luft jagen, und das werde dann sehr schmerzhaft für die Beiden.

Unter Alkoholeinfluss schnell auf 180

Es folgte, was folgen musste: drei Tage Untersuchungshaft. Fast unnötig zu erwähnen, dass der Beschuldigte im besagten Shoppingcenter schon seit einiger Zeit Hausverbot hatte. Beim Diebstahl ging es lediglich um Waren im Wert von 12.80 Franken für Zimtsterne, Lebkuchen und eine Kinderüberraschung.

In der Verhandlung zeigte sich Beschuldigte eher von der angenehmen Seite. Das Ganze schien ihm sichtlich peinlich. Die Vorwürfe gestand er denn auch ein. Offenbar bringen ihn aber Uniformen einfach schnell auf 180, jedenfalls unter Alkoholeinfluss, wie bald einmal deutlich wurde. Tatsächlich fielen denn auch zwei einschlägige Vorstrafen ins Gewicht: eine bedingte Freiheitsstrafe und eine bedingte Geldstrafe wegen mehrfacher Beschimpfung sowie Gewalt und Drohung gegen Beamte. Sie lagen erst ein knappes Jahr zurück. Die aktuelle Tat erfolgte somit in der Probezeit. Auch diese Taten waren unter Alkoholeinfluss verübt worden.

Fertig mit «bedingt»

Die Staatsanwaltschaft beantragte, eine sogenannte Gesamtstrafe für alle Taten gemeinsam zu bilden. Das ist in Fällen mit einschlägigen, bisher nur bedingt verhängten Vorstrafen üblich. Entsprechend wollte sie den Angeklagten für insgesamt zehn Monate unbedingt im Gefängnis sehen. Im Blick auf die frühere bedingte Geldstrafe sei der Mann zudem zu verwarnen. Ferner müsse er 100 Franken Busse zahlen.

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland blieb mit seinem Spruch nur geringfügig unter diesem Antrag. Es sprach den Mann wegen Hausfriedensbruchs, geringfügigen Diebstahls und vor allem wegen der Beschimpfungen sowie Gewalt und Drohungen gegen Beamte schuldig. Dafür verhängte es eine Gesamtstrafe von acht Monaten Haft unbedingt. Die Busse von 100 Franken wird fällig. Bei der früher ausgesprochenen bedingten Geldstrafe wird die Probezeit um ein Jahr verlängert, was wohl ebenfalls dazu beitragen dürfte, künftiges Wohlverhalten zu fördern.

Schmerzen dürften auch die Verfahrenskosten, die rund 200 Mal höher liegen als der geradezu lächerlich kleine Deliktsbetrag, welcher der unnötige Auslöser für den übergrossen Rattenschwanz war.