Ab 2022 sind die Psychiatriedienste in Sargans unter einem Dach

Nachdem eine letzte Einsprache bereinigt werden konnte, hat diese Woche der Spatenstich für den Neubau Tiefriet in Sargans stattgefunden. Im Frühjahr 2022 werden hier das Psychiatrie-Zentrum Werdenberg-Sarganserland und die Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienste St.Gallen den Betrieb unter einem Dach aufnehmen.

Hans Bärtsch
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Gemeinsam ans Werk: Christoph Eicher, CEO Psychiatriedienste Süd, Urs Spirig, Architekt bei der Spirig Partner AG, Peter von Rotz, Bauherr von der Electracom AG, und der Sarganser Gemeindepräsident Jörg Tanner nehmen den Spatenstich vor.

Gemeinsam ans Werk: Christoph Eicher, CEO Psychiatriedienste Süd, Urs Spirig, Architekt bei der Spirig Partner AG, Peter von Rotz, Bauherr von der Electracom AG, und der Sarganser Gemeindepräsident Jörg Tanner nehmen den Spatenstich vor.

Bild: PD

Seit 2008 ist das Psychiatrie-Zentrum Werdenberg-Sarganserland in einer Fabrikliegenschaft in Trübbach eingemietet.

St.Galler Regierung stützte Umzug von Trübbach nach Sargans

Weil die Nachfrage nach Beratungs- und Behandlungsleistungen stetig zunahm, mussten die Räumlichkeiten durch Umbauten laufend an die Bedürfnisse angepasst werden. Zudem war die Zumietung weiterer, auf verschiedene Gebäudeteile verteilte Räume nötig.

In einer Interpellation hatten die FDP- und SVP-Fraktion des Kantonsrates den neuen Standort Tiefriet in Sargans betreffend der Zonenkonformität der Nutzung kritisch hinterfragt. Die St. Galler Regierung hielt in ihrer Antwort Anfang 2019 aber fest, dass sie den neuen Standort in Sargans für ideal hält.

Letzte Einsprache wurde ausgeräumt

Nachdem die noch hängige Einsprache ausgeräumt werden konnte, kam es diese Woche im Gebiet Tiefriet zum Spatenstich des Neubaus, in dem die beiden psychiatrischen Zentren ab Frühling 2022 ihren Betrieb aufnehmen werden. Weil der Mietvertrag des Psychiatrie-Zentrums Werdenberg-Sarganserland auf dem Kauf-Areal in Trübbach dieses Jahr ausläuft wurde eine Weiterführung des Betriebs in Trübbach mit einem möglichen Neubau in Sargans verglichen.

Letztlich gab der Verwaltungsrat der Psychiatrieverbunde des Kantons St. Gallen im Oktober 2018 der Neubauvariante in Sargans der Vorrang. Im Oktober 2019 erhielt das Vorhaben durch die Gemeinde Sargans die Baubewilligung.

Psychiatriezentrum: «Optimale Abstimmung»

Der Neubau Tiefriet gleich ennet den Gleisen beim Bahnhof Sargans ist zentral gelegen. Als Bauherrschaft fungiert die Electracom AG von Peter von Rotz aus Appenzell. Realisiert wird der Vorschlag des Architekturbüros Spirig Partner AG aus Widnau, das schon die Psychiatrische Tagesklinik Rheintal in Heerbrugg realisiert hatte.

Das Psychiatrie-Zentrum Werdenberg-Sarganserland, das zu den Psychiatrie-Diensten Süd gehört, wird der Hauptmieter im Neubau sein. «Die optimale Abstimmung von Raumnutzung und Behandlungsabläufen wird zukünftig eine moderne und noch individuellere psychiatrische Versorgung im ambulanten und tagesklinischen Setting ermöglichen», heisst es in einer Medienmitteilung der Psychiatrie-Dienste vom Dienstag. Mit «zukünftig» ist das Frühjahr 2022 gemeint; dann soll der Betrieb am neuen Standort aufgenommen werden können.

2800 Patientinnen und Patienten pro Jahr

Das Psychiatrie-Zentrum Werdenberg-Sarganserland bietet umfassende psychiatrische und psychosoziale ambulante sowie tagesklinische Beratungs- und Behandlungsleistungen für erwachsene Menschen an – in Ergänzung zum stationären Angebot der Klinik St. Pirminsberg, Pfäfers.

Gemäss der Psychiatrie-Dienste Süd werden im Psychiatrie-Zentrum pro Jahr 2800 Patientinnen und Patienten aus dem Sarganserland, Werdenberg und Fürstentum Liechtenstein behandelt. 60 Fachpersonen (Voll- und Teilzeitarbeitende) erbringen über 20 700 Konsultationen und 8400 tagesklinische Behandlungstage.

«Gesundheitszentrum bietet grosse Vorteile»

Bis jetzt nicht bekannt war, dass auch der Standort Sargans der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienste St. Gallen (KJPD, der heute im Gebäude der UBS an der Grossfeldstrasse ist, in den Neubau zügeln wird. Man sei sowohl mit der Bauherrschaft wie mit den Psychiatrie-Diensten Süd schon länger in Kontakt gewesen, sagt Marco Giovanettoni, Verwaltungsdirektor bei den als Stiftung organisierten KJPD, auf Anfrage.

Die im Neubau vorgesehene Infrastruktur habe den Ausschlag gegeben. In ein Gesundheitszentrum zu ziehen, wie Giovanettoni das Psychiatrie-Zentrum nennt, habe grosse Vorteile. Sei man bis dato eher separat unterwegs gewesen, ergäben sich nun gute Synergien zwischen der Kinder/Jugend- und der Erwachsenen-Psychiatrie. Vom «hohen Vernetzungspotenzial» würden sowohl die Fachpersonen wie die Patientinnen und Patienten profitieren. «Wir begrüssen es sehr, Teil des neuen psychiatrischen Gesundheitszentrums in Sargans zu sein», sagt Giovanettoni weiter. Für die KJPD sei es «ein grosser Gewinn, in Zukunft mit den Psychiatrie-Diensten Süd unter einem Dach beherbergt zu sein». Damit sei man dann «auf Augenhöhe» unterwegs.

Stiftung Förderraum als Restaurantbetreiberin

Mit dem Spatenstich geht das Neubauprojekt Tiefriet in Sargans in seine konkrete Realisierungsphase. Das geplante Restaurant plus die Hauswartdienste wird die Stiftung Förderraum übernehmen, welche seit 30 Jahren mit einem Netzwerk von Wohn-, Arbeits- und Ausbildungsangeboten in und um die Stadt St. Gallen sowie im Rheintal aktiv ist. Sie engagiert sich für Menschen mit einem erhöhten Unterstützungsbedarf, also psychischen, körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen.

Vier der fünf Stockwerke im Neubau sind für die psychiatrischen Dienstleistungen vorgesehen.

Vier der fünf Stockwerke im Neubau sind für die psychiatrischen Dienstleistungen vorgesehen.

Bild: PD

Wie dem Pressetext des ausführenden Architekturbüros zu entnehmen ist sind vier der fünf Stockwerke für die psychiatrischen Dienstleistungen vorgesehen: Die Stockwerke 1 bis 3 für das Psychiatrie-Zentrum Werdenberg-Sarganserland, das Attikageschoss für die Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienste St. Gallen (KJPD).