Ab Dezember gilt Maulkorb-Pflicht in liechtensteinischen Bussen – auch auf den Schweizer Teilstrecken

Ab 15. Dezember reisen Hunde beim Liechtensteiner Busbetrieb günstiger, ein Beissschutz ist aber neu Pflicht. Eine einheitliche Regelung und das Wohlbefinden der Passagiere sind die Beweggründe dafür. Anders als Lie Mobil verzichten Postauto, Bus Ostschweiz und die SBB auf eine Maulkorb-Pflicht für Hunde.

Thomas Schwizer
Drucken
Teilen
In den Bussen von Lie Mobil muss dieser Hund ab Mitte Dezember einen Maulkorb tragen. (Bild Getty)

In den Bussen von Lie Mobil muss dieser Hund ab Mitte Dezember einen Maulkorb tragen. (Bild Getty)

«Bisher gab es keine Vorfälle und das soll auch so bleiben.» Das schreibt das liechtensteinische Busunternehmen Lie Mobil zu einem Beitrag auf der Facebook-Seite des «Liechtensteiner Vaterland».

Darin wird berichtet, dass Lie Mobil mit dem Fahrplanwechsel am 15.Dezember eine Maulkorbpflicht für Hunde einführen wird. «Hunde sind absolut willkommen im Bus, darum reduzieren wir den Jahresabopreis Hund von 280 auf 80 Franken», teilt Lie Mobil weiter mit.

Für Sicherheit und Wohlbefinden der Passagiere

Die Maulkorb-Vorschrift wird damit begründet, dass im Bus Mensch und Tier nahe beieinander seien. Mit dieser Vorschrift wolle man Konflikte vermeiden sowie Sicherheit und Wohlbefinden für alle Fahrgäste gewährleisten. «Deshalb weiten wir die Maulkorb-Pflicht nun auf das ganze Liniennetz aus.» Assistenzhunde sind von der Maulkorb-Pflicht ausgenommen.

Mediensprecherin Alexandra Stocker verweist auf Anfrage des W&O darauf, dass in Vorarlberg die Maulkorb-Pflicht für Hunde im öffentlichen Verkehr schon länger gilt. Auf der Teilstrecke nach Feldkirch gelte dies deshalb schon bisher auch in den Bussen von LieMobil. 

Auf dem gesamten Streckennetz von Lie Mobil

In Österreich dürfen gemäss einer Bestimmung grössere Hunde nur an der Leine und mit Maulkorb in Bussen und Bahnen mitfahren. In Vorarlberg habe sich diese Regelung etabliert, dort habe man gute Erfahrungen damit gemacht.

Das sagt Alexandra Stocker, Abteilung Marketing und Kommunikation von Lie Mobil, und verweist dabei auf den Verkehrsverbund Vorarlberg. Die Maulkorb-Pflicht habe in Vorarlberg die Vorurteile von Fahrgästen etwas gesenkt, welche Angst vor Hunden haben.

Lösung galt bisher auf Teilstrecke nach Feldkirch

Lie Mobil musste diese österreichische Maulkorb-Vorschrift in ihren Bussen auf der Strecke von Schaanwald bis zum Bahnhof Feldkirch schon bisher einhalten. Um Unklarheiten zu beseitigen, habe Lie Mobil nun beschlossen, sich freiwillig auf ihrem gesamten Streckennetz der Regelung des Verkehrsverbund Vorarlberg anzuschliessen, erklärt Alexandra Stocker.

Auch auf den Teilstrecken in der Schweiz müssen Hunde, die nicht in einer Transportbox mitgeführt werden, in den Bussen von Lie Mobil ab 15.Dezember einen Maulkorb tragen. (Bild: Thomas Schwizer)

Auch auf den Teilstrecken in der Schweiz müssen Hunde, die nicht in einer Transportbox mitgeführt werden, in den Bussen von Lie Mobil ab 15.Dezember einen Maulkorb tragen. (Bild: Thomas Schwizer)

Eine Ausnahme sind gemäss Stocker kleine Hunde bis zu einer Schulterhöhe von 30 cm, die in einem Hundekorb, einer Transportbox oder einer Tasche mitgeführt werden. Für sie muss kein Billett gelöst wer- den. Für grössere Hunde dagegen gilt Fahrschein-Pflicht. Den Preis für das Jahresabo Hund senkt Lie Mobil mit Einführung der Maulkorb-Pflicht massiv von bisher 280 auf neu noch 80 Franken.

Für ÖV-Unternehmen in der Schweiz kein Thema

Kein Thema ist eine Maulkorb-Pflicht bei Postauto und Bus Ostschweiz. Zu Letzterer gehören auch Rheintal Bus und Bus Sarganserland-Werdenberg.

Auf Anfrage des W&O verweist Bus Ostschweiz darauf, dass bei Rheintal Bus auf den grenzüberschreitenden Linien, sie führen nach Hohenems und Dornbirn, wegen der rechtlichen Regelung in Österreich, eine Maulkorb-Pflicht gilt.

Auf dem Streckennetz in der Schweiz sei eine solche Vorschrift aber kein Thema, sagt Marco Kränzlin, der für die Bereiche Fahrausweiskontrolle und Backend zuständig ist. Aus Rücksicht auf andere Fahrgäste empfiehlt Bus Ostschweiz aber, den Hund für die Fahrt an die Leine zu nehmen.

In der Schweiz gilt wie bisher Leinenpflicht

Bei Postauto in der Schweiz ist eine Maulkorb-Pflicht für mitreisende Hunde derzeit kein Thema, teilt Mediensprecher Urs Bloch auf Anfrage mit. Sollte sich in der Branche des öffentlichen Verkehrs diesbezüglich etwas ändern, würde Postauto diese Vorgaben wieder beurteilen.

Bloch verweist auf die nationale Regelung, die auch bei den SBB gilt. Sie besagt, dass ein Hund im öffentlichen Verkehr an der Leine geführt werden muss. Verantwortungsvolle Hundehalter würden das aber ohnehin machen. Bezüglich Problemen zwischen anderen Fahrgästen und Hunden gebe es kaum Reklamationen. «Oder sie werden jeweils gleich vor Ort zwischen dem betroffenen Fahrgast und dem Hundehalter geregelt», stellt der Sprecher fest.

Kleine Hunde im Korb sind «Handgepäck»

Bei Postauto dürfen «kleine Hunde bis 30 cm Schulterhöhe in Käfigen, Körben oder ande- ren geeigneten Behältern als «Handgepäck» unentgeltlich mitgenommen werden. Sie müssen während der Fahrt im Behälter bleiben. Für Hunde, die nicht in einem Behälter oder einer Hundetasche reisen, ist der halbe Billettpreis zu bezahlen.

Gemäss Vorgaben des nationalen Verkehrs kostet ein Hunde-Generalabonnement in der Schweiz 805 Franken pro Jahr. Ansonsten gelten die Abo-Angebote der jeweiligen Tarifverbunde.

Gute Erfahrungen in Österreich

In öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus und Bahn) gilt in Österreich, auch in Vorarlberg, seit geraumer Zeit eine Maulkorb-Pflicht und ein Leinenzwang. Das bestätigt Christoph Gasser-Mair, Sprecher von Postbus und ÖBB, auf Anfrage des W&O. Die Bestimmungen zum Transport von Tieren würden grundsätzlich auch für Privatunternehmen gelten, welche im Rahmen dieses Gesetzes tätig sind.

Nach Erfahrungen von ÖBB, Postbus und Verkehrsverbund Vorarlberg werde die Maulkorb- und Leinenpflicht «zum allergrössten Teil eingehalten». Die allermeisten Fahrgäste wüssten darüber Bescheid, «daher gibt es so gut wie keine Probleme». Die Lenker müssten nur selten Fahrgäste darauf hinweisen.

Pro und contra in sozialen Medien

«Für uns heisst das, keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutzen zu können/wollen.» – «Übertrieben.» – «Für manche Fahrgäste wäre der Maulkorb besser angebracht.» – «Somit ist Busfahren mit Hund keine Option mehr. Das kann auch ein günstigeres Abo nicht wettmachen.» Nicht nur Hundebesitzer haben in den sozialen Medien in einer ersten Reaktion zur Maulkorbpflicht von Lie Mobil ihrem Ärger Luft gemacht.

Doch sowohl Nicht-Hundehalter wie Hundehalter zeigen auch Verständnis. «Ich empfehle, dem Hund das Tragen eines Maulkorbs anzutrainieren.» – «Ich habe selber einen Hund und finde das vollkommen gut, man weiss ja nie ob der Hund beisst.» – «Ich finde das richtig. Es gibt viele Menschen, die Angst vor Hunden haben, wenn auch meistens unbegründet. Mein Hund ist zum Beispiel Kinder nicht gewohnt und reagiert deshalb manchmal etwas heftig.»