65-Jähriger fädelte aus dem Saxerriet heraus einen Drogendeal ein und wurde erwischt

Er war eine Grösse im Zürcher Drogenmilieu, wurde von «Aktenzeichen XY ungelöst» gesucht und wurde nun erneut verurteilt: Das Kreisgericht Mels schickt einen 65-jährigen Rentner ins Gefängnis Saxerriet, der dort bereits einsass. Insgesamt über 30 Jahre sass der Mann im Gefängnis. 

Reinhold Meier
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Vom Gefängnis Saxerriet ging es für den Angeklagten ins Kreisgericht Mels (Bild) und von dort aus wieder ins Gefängnis Saxerriet.

Vom Gefängnis Saxerriet ging es für den Angeklagten ins Kreisgericht Mels (Bild) und von dort aus wieder ins Gefängnis Saxerriet.

Patrick Gutenberg

Die Anklage hat dem 65-Jährigen vorgeworfen, seine Finger einfach nicht von Drogenhandel lassen zu können, wie so oft in seinem Leben. So habe er sogar noch aus dem Strafvollzug heraus am vorvorigen Silvester einen stattlichen Kokain-Deal eingefädelt. Zuvor hatte ihn ein Bekannter gefragt, ob er ihm ein Kilogramm Kokain liefern könne.

Deal eingefädelt

Das hatte der Mann im Rentenalter zwar abgelehnt, er vermittelte aber telefonisch den Kontakt zu einem Lieferanten in der Innerschweiz. Am Berchtoldstag fuhr der Angeklagte dann während eines Hafturlaubs mit dem Interessenten zu dem besagten Lieferanten nach Luzern, wo dieser dem Einkäufer den Stoff übergab, für 50000 Franken. Nach der Übergabe trennte man sich, der Angeklagte selbst hatte nicht gedealt und somit eine vermeintlich weisse Weste.

Vom Knast ins Gericht und von dort aus wieder in den Knast

Der Einkäufer aber suchte daraufhin seinerseits einen weiteren Käufer auf, im Kanton Uri. Der war bereit, 55000 Franken für das Rauschmittel zu zahlen, der Zwischenhändler erzielte 5000 Franken Gewinn. Fünf Tage später schnappte ihn die Polizei, die Spuren führten auch nach Saxerriet. Der nun in Mels Angeklagte, der den Handel im Hintergrund eingefädelt hatte, wurde in der Strafanstalt festgenommen, wo er ohnehin schon seit Jahren per Gerichtsurteil wohnhaft war.

Er landete zunächst drei Monate in Untersuchungshaft, später im Flughafengefängnis Zürich und derweil in einem anderen Ostschweizer Gefängnis. Hier darf er seine noch laufende Vorstrafe von siebeneinhalb Jahren fortsetzen, nun jedoch im geschlossenen Vollzug.

«Krone als Schneekönig» zur Seite legen

Bei der Verhandlung an Schranken in Mels kamen nun nochmals zweieinhalb Jahre obendrauf, unbedingt. Sachverhalt und Strafmass waren auch beim Beschuldigten und seinem Anwalt unbestritten, weshalb ein sogenannt abgekürztes Verfahren gewählt werden konnte. So folgte ein Schuldspruch wegen schwerer Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, fast schon Routine. Denn als bemerkenswert darf gelten, dass der Angeklagte bereits als 21-Jähriger seine erste Haftstrafe kassiert hat.

Er war eine Grösse im Zürcher Drogenmilieu

Gleichwohl – oder auch deswegen – stieg er später zu einer Grösse im Zürcher Drogenmilieu auf. Er wurde schon von der deutschen Fahndungssendung «Aktenzeichen XY ungelöst» gesucht, erhielt mehrfache einschlägige und langjährige Haftstrafen, war einst sogar nach Brasilien geflohen, von wo aus er 100 Kilogramm Kokain zurück in die Schweiz schmuggeln wollte, dabei aber letztlich gefasst wurde.

Er weiss nicht, wieso er immer noch Straftaten begeht

Auf die Frage, warum er denn in seinem derweil doch schon etwas fortgeschrittenen Alter immer noch delinquiere, gab er zur Antwort, er wisse es nicht. Er habe keine Ziele mehr, wolle eigentlich nur noch heiraten und sich unter Palmen zur Ruhe setzen. Seine «Krone als Schneekönig», die ihm die Medien aufgesetzt hätten, wolle er zur Seite legen, hatte er seine Demission schon in einem Buch vorab angekündigt. Bevor es jedoch dazu kommt, dürften noch jene 29960 Franken bitter zu Buche schlagen, die der Verurteilte an die aktuellen Verfahrenskosten zu zahlen hat.

Insgesamt hat er inzwischen über ein halbes Dutzend Strafverfahren hinter sich und sass über 30 Jahre im Knast, sein halbes Leben, in dem es jedoch an Geld offenbar nicht mangelte. In einem früheren Verfahren war er einmal dazu verurteilt worden, eine Ersatzforderung von 300000 Franken dadurch zu bezahlen, dass er seine Wohnung auf Mallorca verkaufe. Der Mann hat sich vom Drogenkonsum selbst immer ferngehalten.