Im Werdenberg musste in diesem Winter noch nie Schnee gepflügt werden – gab es das je einmal?

Auf den Kantonsstrassen wird schneller und häufiger Schnee gepflügt und gesalzen als auf den Gemeindestrassen. Das Strassenkreisinspektorat Buchs ist dafür zuständig.

Heini Schwendener
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Das Team des Strassenkreisinspektorats Buchs besorgt den Winterdienst auf dem 152 Kilometer langen Kantonsstrassennetz in seinem Einzugsgebiet. Einsätze wie auf unserem Bild gab es in diesem Winter in Tallagen noch keine.
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Das Material für den Winterdienst steht im Werkhof in Buchs bereit. Die Schneepflüge kamen in diesem Winter bisher nur auf Kantonsstrassen am Berg zum Einsatz.
 In diesem Silo lagert das Streusalz. Pro Kilometer Kantonsstrasse werden durchschnittlich 4,5 Tonnen verstreut.

Das Team des Strassenkreisinspektorats Buchs besorgt den Winterdienst auf dem 152 Kilometer langen Kantonsstrassennetz in seinem Einzugsgebiet. Einsätze wie auf unserem Bild gab es in diesem Winter in Tallagen noch keine. 

Bild: Heini Schwendener/Buchs, 17. Februar 2009 

Seit Oktober 2005 ist Urs Kurath Strassenkreisinspektor. Er und seine 23 Angestellten stehen während des Winterdienstes gestaffelt zuweilen von 4 Uhr früh bis abends um 22 Uhr im Einsatz. Heuer ist die Situation aber doch etwas speziell. Denn der Winter ist, zumindest in Tallagen, noch gar keiner. Auf dem 152 Kilometer langen Kantonsstrassennetz, das vom Strassenkreisinspektorat Buchs unterhalten wird, war bisher nämlich noch kein Einsatz eines Schneepflugs im Tal notwendig.

Die Schneepflüge im Tal blieben bisher in den Werkhöfen

Föhnbedingt tageweise Temperaturen über 15 Grad im Dezember und frühlingshafte Werte im Januar: Der Winter 2019/20, der meteorologisch am 1. Dezember und kalendarisch am 21. Dezember begonnen hat, mied bisher die Tallagen im Werdenberg. Schnee gab es nur in Form einiger weniger Flocken, die auf dem Boden aber sofort wieder schmolzen. Dass der Winter bisher im Rheintal auf rund 450 Höhenmetern noch nicht einmal ansatzweise an die Türe geklopft hat, bestätigen die Leiter der Gemeindewerkhöfe. Auf die Frage, ob in Tallagen ihre Schneepflüge überhaupt je zum Einsatz gekommen seien, antworten sie unisono: «Nein, bisher noch nie.» 

Das ist sehr ungewöhnlich. Auch wenn die Winter in tiefen Lagen längst nicht mehr so schneereich sind wie noch früher, so fiel die weisse Pracht in den vergangenen Jahrzehnten doch immer wieder bis ins Tal. Doch die derzeitige Situation, dass bis Mitte Januar noch nie gepflügt werden musste, scheint einmalig zu sein. Mario Steiner ist langjähriger Leiter des Werkhofs Grabs. Er sagt auf Anfrage: «Das gab es in den letzten 20 Jahren noch nie.» Er glaubt sich zu erinnern, dass 1999, als er im Januar im Werkhof angefangen habe, die Schneepflüge im Tal auch erst gegen Ende Januar zum ersten Mal zum Einsatz gekommen sind. Der verspätete Wintereinbruch damals war dann aber besonders heftig. Er ging als Lawinenwinter mit Dutzenden von Todesopfern in die Geschichte ein. (she)

Urs Kurath bestätigt damit, was auch die Leiter der Werdenberger Gemeindewerkhöfe erzählt haben (siehe Zweittext). Einzig in höheren Lagen, wie beispielsweise in Wartau ab etwa 700 Metern, ist in diesem Winter schon ein Schneepflug zum Einsatz gekommen. Dass im Tal so lange kein Schnee gefallen sei, ist auch für Kurath aussergewöhnlich. Das sei wohl höchstens zwei Mal während seiner Zeit als Strassenkreisinspektor vorgekommen.

Der Leistungsauftrag ist klar und einzuhalten

Zum Strassenkreisinspektorat Buchs gehören auch einige Kantonsstrassen im Berggebiet, etwa die Stossstrasse von Altstätten nach Gais, die Strecke Bad Ragaz bis Valens sowie die Strasse nach Flumserberg. Auf diesen Bergstrecken wurde diesen Winter bereits gepflügt und gesalzen, im Tal hingegen musste Kuraths Team erst an wenigen Tagen mit den Fahrzeugen mit den Salzstreuern ausrücken.

Im Gegensatz zu den Gemeindestrassen, die längst nicht mehr überall schwarzgeräumt werden, lautet der Leistungsauftrag für Kantonsstrassen in den Wintermonaten unmissverständlich: Schwarzräumen! Dies ist der Bedeutung dieser Strassen und deren Verkehrsaufkommen und Sicherheitsanforderungen geschuldet. Der Leistungsauftrag schlägt sich nieder im Aufwand für das Pflügen, das Abführen von Schnee, den Salzeinsatz und damit letztlich auch in den Kosten, die der Winterdienst verursacht.

4,5 Tonnen Salz je Kilometer Kantonsstrasse

Kurath hat einen Blick in die Zahlen der vergangenen Jahre geworfen und dabei Eindrückliches zusammengetragen. Bezogen auf die vergangenen zehn Jahre kostete der Winterdienst auf den Kantonsstrassen im Einzugsgebiet des Strassenkreisinspektorats Buchs durchschnittlich 7600 Franken pro Kilometer. Je nach Temperaturen und Niederschlägen, vor allem in Form von Schnee, bewegte sich dieser Wert in einer Bandbreite von 5000 bis 11000 Franken. Noch viel grösser sind die Schwankungen beim Salzverbrauch auf den Kantonsstrassen in der Region. Er bewegt sich zwischen 2 und 8 Tonnen, mit einem Durchschnitt in den vergangenen zehn Jahren von 4,5 Tonnen Salz je Kilometer.

Die Arbeit geht den Werkhöfen nicht aus

Dass in diesem Winter bisher im Tal noch nirgends gepflügt werden musste, hat auch Auswirkungen auf das Personal der Werkhöfe beim Kanton und den Gemeinden. In einem schneereichen Winter fallen beim Winterdienst schnell einmal viele Überstunden an. Diese innert nützlicher Frist wieder zu kompensieren, fällt nicht immer leicht, denn der öffentliche Druck auf sauber geräumte Strassen – ob schwarz oder weiss – ist gross. Alleine könnten dies die Werkhöfe gar nicht bewerkstelligen. Darum haben sowohl die Gemeinden wie auch das Strassenkreisinspektorat Buchs Partner aus der Privatwirtschaft, welche Gemeinden und Kanton beim Winterdienst mit ihren eigenen Pflügen unterstützen. Diese Privaten (Baufirmen, Transportunternehmen, Landwirte usw.) konnten diesen Winter noch nicht gross Geld verdienen, weil noch kaum Schnee gepflügt werden musste.

Urs Kurath sagt, sein Team freue sich eigentlich darauf, dass endliche Schnee bis ins Tal falle, um mit den Pflügen ausrücken zu können. Denn trotz Pikett und unregelmässiger Arbeitszeit gelte: «Der Winterdienst ist eine schöne und interessante Arbeit.»