Zwei-Länder-Ritt in der Region

Das Distanzreiten ist hierzulande eher eine Randsportart. Darum haben sich hiesige Distanzreiter zum Ziel gesetzt, dies zu ändern, und organisieren am 10. September in Sevelen einen Wettkampf mit sechs Kategorien. Die Strecken führen durch das Werdenberg und Liechtenstein.

Melanie Steiger
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Im September findet in Sevelen ein Distanzritt statt. Die Strecken führen bis nach Sennwald und wieder zurück. (Bild: Corinne Hanselmann)

Im September findet in Sevelen ein Distanzritt statt. Die Strecken führen bis nach Sennwald und wieder zurück. (Bild: Corinne Hanselmann)

DISTANZREITEN. Nervenstärke, Ausdauer und Kampfgeist sind Eigenschaften, die beim Distanzreiten im Vordergrund stehen. Denn es geht nicht nur darum, eine vorgegebene Strecke von 20 bis 160 Kilometern so schnell wie möglich zu bewältigen. Trotz weiter Strecke und zum Teil unwegsamem Gelände soll das Tier noch fit und gesund ins Ziel kommen. Denn dort wird der Allgemeinzustand des Pferdes von einem Tierarzt unter die Lupe genommen. Dabei darf der Puls einen Grenzwert nicht überschreiten. Zudem überprüft der Veterinär das Gangwerk, um Anzeichen von Lahmheiten oder einer Krankheit feststellen zu können, die auf eine Überbeanspruchung hinweisen. Ausserdem gilt es zu testen, ob das Tier an einem Wassermangel leidet und ob der Kreislauf in Ordnung ist. Somit liegt die Herausforderung in dem Sport nicht nur im Wettkampf selbst, sondern auch im richtigen Training, das individuell und mit viel Feingefühl auf das Tier angepasst werden muss.

Final in Sevelen

Hauptsächlich werden Distanzritte in der Schweiz von Privatleuten und Vereinen organisiert, wie der am 10. September anstehende Distanzritt in Sevelen, der auch durch Liechtenstein führt. Diesen organisiert DiR, Distanzreiten im Rheintal, mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden.

Dazu gehört der Final der Kategorie Endurance Light (25 Kilometer). «Das ist die kurze Strecke. Sie führt von Sevelen dem Rhein entlang nach Trübbach, dort über die Brücke nach Balzers und über Triesen bis nach Vaduz, wo der Weg wieder in die Schweiz und über Räfis zurück nach Sevelen geht», erklärt die Organisatorin Martina Nussbaumer aus Grabs. Normalerweise brauche es für diese Kategorie keine besonderen Voraussetzungen. Da es sich aber um den Final der OKV-Endurance-Light-Serie handelt, musste man sich im voraus dafür qualifizieren.

Gesundheitskontrollen fallen an

Bei den Kategorien EVG 1 bis 4, die in Sevelen ebenfalls angeboten werden, handelt es sich um eine Distanz mit Tempoeinschränkung, die für Einsteiger geeignet ist. Man beginnt mit dem EVG 1 (25–39 Kilometer), den man erfolgreich beenden muss, um künftig im EVG 2 (40–59 Kilometer) starten zu können. Ab dieser Kategorie fallen unterwegs sogenannte VetGates an. Das sind Tierarztkontrollen, die darüber entscheiden, ob das Pferd-Reiter-Paar den Ritt fortsetzen darf. Je länger die Strecken werden, desto mehr solcher Kontrollen fallen an. Dabei zählt nebst der Zeit auch der Puls des Pferdes nach dem Ritt. Der EVG 3 (60–79 Kilometer) und EVG 4 (80–90 Kilometer) stellen dann bereits höhere Ansprüche an das Pferd-Reiter-Team. Das Durchschnittstempo bei einem solchen Ritt liegt zwischen 10 und 15 Kilometern pro Stunde, was einem zügigen Trab oder ruhigem Galopp entspricht. Doch hängt das Tempo auch vom Gelände ab, denn steinige Wege und Strassen lassen ein zügiges Tempo nicht zu.

Am Ziel angekommen, findet innerhalb von 20 Minuten eine Nachkontrolle des Gesundheitszustandes des Tieres durch den Tierarzt statt.

«Die längere Route für den EVG umfasst 31 Kilometer und führt auf dem Rheindammweg von Sevelen nach Sennwald und über das Riet und den Binnenkanal entlang zurück. Je nach Kategorie werden diese Strecken ein- bis dreimal geritten», führt Nussbaumer aus. «Für den EVG ist ein Brevet Voraussetzung, und das Pferd muss im Sportregister eingetragen sein.»

Fitness als Voraussetzung

Reiter und Pferd werden auf der Strecke an bestimmten Stellen – den sogenannte Groompoints – betreut. Dies wird beim Wettkampf in Sevelen von einigen Helfern gemacht. «Wir möchten ein erhöhtes Verkehrsaufkommen vermeiden. Wenn bei etwa 100 Teilnehmern jeder noch einen Helfer hat, der für die Betreuung mit dem Auto dorthin fährt, herrscht in den Naherholungsgebieten zu viel Verkehr», begründet Nussbaumer.

Besondere Voraussetzungen für Reiter und Pferd gebe es nicht. Das Pferd muss gesund und lahmfrei sein. «Für die Kategorie EVG 1 genügt es eigentlich, wenn das Pferd ausreichend bewegt und regelmässig im Gelände geritten wird. Für das EVG 2 braucht es dagegen bereits ein leichtes Training», meint Nussbaumer. Der Reiter muss ebenfalls für eine solche Strecke gewappnet sein, denn er verbringt je nach Stufe viele Stunden im Sattel. In den höheren Kategorien halten sich Reiter mit Joggen und Schwimmen fit. Denn auch im Reitsport werden einige Strecken zu Fuss zurückgelegt, wie etwa bei langen Abwärtsstrecken, um die Gelenke des Tieres zu schonen.

Rasse spielt keine Rolle

Für lange Distanzen eignen sich besonders arabische Pferde. In Amerika haben sich zudem Mustangs für die Disziplin bewährt. Jedoch eignet sich grundsätzlich bei entsprechendem Training jedes Pferd dazu – auch Ponies. Das bestätigt auch Nussbaumer, die einen Freiberger für die Sportart trainiert und bereits mehrere EVG 4 erfolgreich beendet hat.

Noch ist die Organisation des Anlasses in vollem Gange. Einige Bewilligungen für Streckenabschnitte sind sich noch in Bearbeitung. Freiwillige Helfer werden noch gesucht.