Zurück von der Ersatzbank

Christopher Chandiramani rückte während der Swissair-Turbulenzen ins Rampenlicht. Nun rückt er ins Kantonsparlament nach. Den Betrieb kennt er.

Regula Weik
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Christopher Chandiramani Neuer SVP-Kantonsrat (Bild: ky/Walter Bieri)

Christopher Chandiramani Neuer SVP-Kantonsrat (Bild: ky/Walter Bieri)

ST. GALLEN. Fünf Stimmen fehlten Christopher Chandiramani damals – im März 2012. Der SVP-Politiker verpasste seine Wiederwahl und musste seinen Platz im Kantonsparlament räumen. Er nahm es sportlich: «Ich setze mich auf die Ersatzbank.»

Dieser Tage kehrt er aufs Spielfeld der kantonalen Politik zurück – dank Barbara Keller-Inhelder. Die neugewählte SVP-Nationalrätin tritt per sofort aus dem Kantonsparlament zurück. Chandiramani rückt als erster Ersatz nach.

Nach Kommentar Job weg

Chandiramani ist derartige Tiefs und Hochs gewohnt. Vor mehr als 15 Jahren hatte er unfreiwillig Bekanntheit erlangt – über Rapperswil-Jona und den Kanton hinaus. In seinem allmorgendlichen Kommentar hatte der Finanzanalyst der Credit Suisse die Swissair als Fass ohne Boden bezeichnet und einen Jahresverlust von bis zu einer Milliarde Franken prophezeit. Wenige Tage später war der Sohn eines Inders und einer Luzernerin seinen Job los. Die CS hatte ihm fristlos gekündigt. Chandiramani gab nicht klein bei, und später zahlte ihm die Bank eine Abfindung von 200 000 Franken.

Seit 2008 arbeitet Chandiramani für eine Vermögensverwaltung in Zürich, im gleichen Jahr wurde er ins St. Galler Parlament gewählt. Auf seiner Homepage heisst es: «Wir begrüssen Sie im neuen Jahr 2012 mit einem neuen und frischen Auftritt.» Drei Monate später war er abgewählt. Seither ist es ruhig um ihn geworden – und um seine Homepage.

Gegen Abzockerei

Dann war der heute 58-Jährige eines Tages wieder da: Chandiramani setzte sich an vorderster Front für Thomas Minders Abzocker-Initiative ein. Viele Managerlöhne seien unanständig hoch; er wehre sich gegen wirtschaftliche Exzesse und unethisches Handeln. Seine weiteren politischen Ziele: Überzeugung durch Fachwissen, freundschaftlichen Umgang auch mit Andersdenkenden, Eintreten für Schwache, natürliche Heilmethoden vor Schulmedizin.

Auf das Nachrutschglück hofft noch ein SVP-Politiker: Mike Egger. Der Bernecker Kantonsrat und Präsident der Jungen SVP grämte sich am Wahlsonntag bitterlich, dass er den Sprung nach Bern um 600 Stimmen verfehlt hatte. Nun setzt er sich dafür ein, dass Thomas Müller Ständerat wird – und er seinen Nationalratssitz erben kann.