Zugehörigkeitsgefühl unterstützen

Die Ethnologin Monika Müller sprach über «Mehrfachzugehörigkeit von Jugendlichen mit Migrationshintergrund». Das Resultat aus 24 Interviews und Gruppengesprächen zeigte, dass die jungen Menschen mehrere Strategien haben, um sich am neuen Wohnort zurechtzufinden.

Drucken
Teilen

Die Ethnologin Monika Müller sprach über «Mehrfachzugehörigkeit von Jugendlichen mit Migrationshintergrund». Das Resultat aus 24 Interviews und Gruppengesprächen zeigte, dass die jungen Menschen mehrere Strategien haben, um sich am neuen Wohnort zurechtzufinden. «Die einen bilden Gruppen mit Jugendlichen gleicher Herkunft, andere wenden sich von der angestammten Religion und ihrem ehemaligen Heimatland ab.»

Das Streben nach Normalität

Als grosse Schwierigkeit ortet Monika Müller die Tatsache, dass meist andere, wie beispielsweise der Türsteher vor einem Club, entscheiden, wer dazugehört und wer nicht. Erschwerend komme dazu, dass Moslems aktuell stark unter Vorurteilen zu leiden haben. Dabei werde die Schweiz von den meisten Jugendlichen mit Migrationshintergrund als Lebensmittelpunkt wahrgenommen. «Sie streben nach Normalität und möchten ganz einfach als Mensch wahrgenommen werden.»

Beispiele aus der Praxis

Als Schulsozialarbeiterin hat Alexandra Büchel-Gassner täglich mit jungen Menschen, ein grosser Teil davon mit Migrationshintergrund, zu tun. «Mit Beispielen aus der Praxis versuche ich zu erklären, wie ich arbeite.» Erwähnt wurden zwei junge Frauen und ein Mann, alle mit schulischen und teilweise auch gesundheitlichen oder seelischen Problemen. «Es geht nicht darum, die Defizite zu betonen, sondern zu schauen, was gut läuft, und die Ratsuchenden dann in diesen Bereichen zu unterstützen.»

Konkret: «Wenn eine junge Kroatin nicht akzentfrei Deutsch spricht, dafür aber immer wieder Dolmetscherarbeit erledigt, soll sie spüren, dass auch ihre Muttersprache wertvoll ist.» Und bei einem Spanier, der dank eines verständnisvollen Lehrmeisters Fuss fassen konnte, aber Probleme beim Schulstoff hatte, brauchte es einen besonderen «Brückenbauer».

Für Alexandra Büchel-Gassner geht es um Verständnis zwischen den Individuen und darum, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. «Strukturelle Fremdheit entsteht durch die Nicht-Zugehörigkeit, und dem müssen wir entgegenwirken.» (adi)

Aktuelle Nachrichten