Ziege auf der Alp gerissen

Auf der Alp Färnli im Toggenburg wurde am Wochenende eine junge Ziege gerissen. Der kantonale Wildhüter geht von einem Wolfsriss aus. Die DNA-Spuren werden Klarheit bringen.

Alessia Pagani
Drucken
Teilen
War es der Wolf, der kürzlich am Frümsel gesichtet wurde? (Bild: Fotolia/Angelika Möthrath)

War es der Wolf, der kürzlich am Frümsel gesichtet wurde? (Bild: Fotolia/Angelika Möthrath)

EBNAT-KAPPEL. Der Chef der Alp Nageldach hat am vergangenen Samstagmorgen eine tote Ziege gefunden. Diese gehörte zu einer Ziegenherde auf der Alp Färnli im Gebiet Tanzboden oberhalb von Ebnat-Kappel. Der Kantonale Wildhüter dieses Reviers, Urs Büchler, bestätigt laut einer Mitteilung der Staatskanzlei des Kantons St. Gallen, dass es sich mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit um einen Wolfsriss handelt.

18 Kilogramm gefressen

Gemäss Dominik Thiel, Leiter des Amtes für Natur, Jagd und Fischerei St. Gallen sei von der toten Ziege nicht viel mehr als der Kopf übriggeblieben. «Der Wolf scheint hungrig gewesen zu sein», sagt er. Die Vermutung, das ein Wolf das Tier getötet hat, begründen die zuständigen Wildhüter damit, dass kaum eine andere Tierart in der Lage sei in nur einer Nacht eine Ziege, wenn auch eine junge, von 18 Kilogramm Körpergewicht fast vollständig zu nutzen. Um den definitiven Nachweis zu bringen wurden DNA-Spuren entnommen.

Bestimmung durch Genetik

Ob es sich beim Riss auf der Alp Färnli um denselben Wolf handelt, der vor genau drei Wochen am Frümsel in den Churfirsten von Wanderern beobachtet und fotografiert worden war, sei noch nicht bekannt, heisst es in der Mitteilung weiter. Eine genaue individuelle Bestimmung des Tieres sei nur anhand der Genetik möglich.

Auch zugewanderte Wölfe

Das Calanda-Rudel im Grenzgebiet von Graubünden und St. Gallen hat sich in diesem Jahr zum viertenmal in Folge fortgepflanzt. Zudem wandern immer wieder Wölfe aus der italienisch-französischen Wolfspopulation in die Schweiz ein oder durchqueren diese auf der Suche nach neuem Lebensraum. Dementsprechend können jederzeit und überall im Kanton St. Gallen Wölfe beobachtet werden, heisst es in der Medienmitteilung der Staatskanzlei weiter.

Seit der Rückkehr der Wölfe in die Schweiz sind in der Region immer wieder Wolfsrisse gemeldet worden. So zum Beispiel auch im März dieses Jahres in Urnäsch, wo dem aus Italien zugewanderten Wolf ein Reh zum Opfer gefallen ist. Oder im Mai vergangenen Jahres, als ein Wolf aus dem Wallis in Untereggen und Heiden Schafe gerissen hat. Die beiden Wölfe sind inzwischen höchstwahrscheinlich aus der Region abgezogen. «Wenn sich ein Wolf längere Zeit in der Gegend aufgehalten hätte, wäre uns das aufgefallen», sagte der kantonale Wildhüter Heinz Nigg damals nach dem Riss in Urnäsch.

Gemäss der Internetseite von Kora, die sich mit der Ökologie der Raubtiere in der modernen Kulturlandschaft befasst, leben derzeit ungefähr 15 bis 20 Wölfe in der Schweiz. Die meisten Tiere seien nur auf der Durchreise und würden dabei auf ihren Wanderungen grosse Gebiete durchstreifen.