Zentrum wuchs Schritt für Schritt

Am Missionsabend der Kirchgemeinde Grabs-Gams referierten Verena Bont und Anita Seifert über das Anugrah-Projekt zugunsten behinderter Kinder in Nordindien.

Hanspeter Thurnherr
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Die Referentinnen Verena Bont (links) und Anita Seifert nach dem Vortrag im Gespräch mit einer Zuhörerin. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

Die Referentinnen Verena Bont (links) und Anita Seifert nach dem Vortrag im Gespräch mit einer Zuhörerin. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

GAMS. Der Missionsabend begann in der Oase mit dem Dankeschön-Essen für die Missionssammlerinnen. Wiederum hatten die Frauen in diesem Jahr für die Mission 21 und die Mission am Nil fast 7700 Franken zusammengebracht. Für nicht weniger als 30 Jahre aktives Mittun durfte Ursula Eggenberger, Erlenhof Grabs, ein Geschenk entgegennehmen.

Anugrahs Geschichte

Im Zentrum des Abends stand der Vortrag der beiden Physiotherapeutinnen Anita Seifert, Grabs, und Verena Bont, Gams, welche seit Jahren in Herbertpur in Nordindien (300 Kilometer nördlich von Delhi) im dortigen Anugrah-Zentrum für behinderte Kinder tatkräftig – auch mit ihren Fachkenntnissen – helfen. Verschiedene Gruppen der Kirchgemeinde Grabs-Gams unterstützen das Projekt. Anita Seifert erzählte den Zuhörern die Geschichte des Zentrums. Anugrah (der Name bedeutet Gnade) ist der Name eines behinderten Kindes.

Sein Vater Robert Kumar, Projektmanager im christlichen Spital von Herbertpur, erfuhr durch die eigene Betroffenheit, dass es in der Region mit ihren 300 Dörfern keinerlei Hilfe oder Beratung für die Betreuung behinderter Kinder gab. Das wollte er ändern – und erhielt Unterstützung von Ursula Gerber aus Basel und später auch von weiteren Schweizerinnen und Schweizern unterschiedlicher Fachgebiete, darunter die beiden Werdenberger Therapeutinnen. Schritt für Schritt entstand das Anugrah Intervention Center und drei Aussenstationen. Heute werden auch viele Kinder zu Hause in ihren Dörfern betreut.

Schock als «Motivation»

Bei ihrem ersten Besuch 2004 war Anita Seifert über die einfachen, primitiven Einrichtungen und Hilfsmittel sowie die zu kleinen Räume erschrocken. Zurück in der Schweiz, half sie mit, einen Sponsorenlauf zu organisieren. Mit dem Erlös konnte das dringend benötigte neue Gebäude gebaut werden.

In Verena Bont fand Anita Seifert eine Fachperson, die sie beim Ausprobieren von Therapien in Indien unterstützte. «Eine Herausforderung ist, dass man in Indien die Patienten nicht ausziehen darf», erläutert Anita Seifert. Die beiden Schweizerinnen brachten auch Material wie Rollstühle und Schienen mit. Rasch erkannten sie, dass es für die Anpassung dieses Materials an die Patienten aber entsprechende Einrichtungen (Schreinerei und Orthopädiewerkstatt) braucht. Dank Fachleuten aus der Schweiz wurden hier grosse Fortschritte erzielt.

Neue Herausforderungen

Wie diese gelangen und was sie bewirkten, aber auch welche Schwierigkeiten überwunden werden mussten, schilderte Verena Bont am Beispiel von Anugrah, dem behinderten Sohn von Robert Kumar. Inzwischen sind Anugrah und weitere Kinder zu Jugendlichen und junge Erwachsenen geworden. Da stellen sich neue Herausforderungen. «Sie wollen nützlich sein. Wie können wir mit ihnen weiter gehen?», beschreibt Verena Bont die Kernfrage.

2010 wurde in der Schweiz der Verein Anugrah Therapiezentrum Nordindien gegründet. Aktuell plant der Verein einen Neubau für die Holzwerkstatt, welche aus allen Nähten platzt. Darin soll auch die Orthopädiewerkstatt, welche im nahe gelegenen Spital Unterschlupf gefunden hat, sowie weitere nötige Räumlichkeiten untergebracht werden.

Samstag, 21. November, Zentrum Neuhof Buchs: Massagetage zugunsten des Anugrah Therapiezentrums in Nordindien.