Zahl der Unfälle bleibt hoch

Trotz vieler Präventionskampagnen bleibt die Zahl der verletzten Fussgänger im Kanton St. Gallen hoch. Im Mai wurde alt Regierungsrat Ernst Rüesch angefahren und starb dabei.

René Hornung
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Der Fussgängerstreifen kann auch eine Gefahrenzone sein. (Bild: Hanspeter Schiess)

Der Fussgängerstreifen kann auch eine Gefahrenzone sein. (Bild: Hanspeter Schiess)

ST. GALLEN. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres sind im Kanton St. Gallen 30 Fussgängerinnen und Fussgänger verletzt worden – zwei starben. Eines der Opfer war der frühere Regierungs- und Ständerat Ernst Rüesch. Obwohl die hohe Zahl erschreckt, stellt die Polizei seit 2007 im Trend eine Abnahme der Fussgängerunfälle fest – allerdings mit «Ausreissern» in den Jahren 2011 und 2012.

Zum langfristigen Trend beigetragen haben der Verkehrsunterricht in den Schulen, aber auch die Kampagnen und die 2011 begonnene, systematische und kantonsweite Überprüfung aller Zebrastreifen. Trotzdem: 2014 kam es zu 57 Unfällen auf Fussgängerstreifen – keiner forderte allerdings ein Todesopfer.

Zu spät oder abgelenkt

Die Hauptursache der Fussgängerunfälle ist laut Polizeistatistik «Unaufmerksamkeit» – häufiger seitens der Autofahrer und Autofahrerinnen, aber immer wieder mal auch seitens der Fussgänger und Fussgängerinnen. Eine genauere Statistik, wer am jeweiligen Unfall schuldig ist, führt die Polizei nicht. Sie berichtet in den Meldungen aber meist über die von den Beteiligten gemachten Aussagen: Zu spät gesehen, abgelenkt durchs Autoradio oder das Mobiltelefon, ein Kind, das unvermittelt auf die Fahrbahn rennt, Jugendliche, die noch den wegfahrenden Bus auf der anderen Strassenseite erwischen wollen – dies sind immer wiederkehrende Aussagen der Autolenker. Fussgänger wiederum laufen mit «Stöpseln» in den Ohren und dem Blick auf den Handy-Bildschirm oft ohne auf den Verkehr zu achten los und handeln sich als schwächste Verkehrsteilnehmer zusätzliche Gefahren ein. Gefährliche Situationen gibt es im dichten Verkehr viele. Etwa diese: Ein Autofahrer fährt am stehenden Bus vorbei, der auf der Busspur hält und realisiert nicht, dass vor dem Bus ein Fussgänger die Strasse quert. Oder ein Fussgänger, der trotz rotem Signal über die Strasse läuft. Oder rückwärts fahrende Lastwagen, deren Lenker nicht sehen können, ob sich jemand hinter oder direkt neben ihrem Fahrzeug – im toten Winkel der Rückspiegel – aufhält.

Auf St. Galler Stadtgebiet haben sich seit Jahresbeginn genau die Hälfte der registrierten Fussgängerunfälle ereignet: Von diesen 15 Unfällen ereigneten sich sechs auf Zebrastreifen. Auch wenn diese Zahl hoch liegt, «stellen wir statistisch keine Zunahme fest», sagt Roman Kohler, Pressechef der Stadtpolizei. Zwölf der 15 involvierten Personen waren Erwachsene, zwei waren Kinder unter sieben Jahren und ein Jugendlicher.

Über 70 Prozent sterben

Die gesamtschweizerische Statistik der Organisation Fussverkehr Schweiz stellt fest, dass in den letzten Jahren landesweit pro Jahr durchschnittlich rund 2250 Fussgänger und Fussgängerinnen in Unfälle verwickelt werden, über 70 sterben dabei. 40 Prozent dieser Unfälle passieren auf Zebrastreifen, 60 Prozent an ungesicherten Stellen. Fussverkehr Schweiz stellt fest, dass die landesweite Statistik zwar eine Abnahme bei den schweren Strassenverkehrsunfällen zeigt, die Gesamtzahl der Fussgängerunfälle aber stagniert.