Working Poor und Kinderarmut

Sozialtipp

Drucken
Teilen

In der politischen Landschaft wird von Mittelschicht stärken, Sozialschmarotzern und den reichen Abzockern gesprochen. Vergessen und sehr wahrscheinlich politisch nicht attraktiv genug und zu wenig wählerstark, geht die unterste Schicht. Das sind die Menschen, welche arbeiten, aber trotz allem am Existenzminimum leben: die Working Poor. Menschen, die im Tieflohnsegment arbeiten. Menschen die jeden Tag Gefahr laufen, dass sie eine ausserordentliche Rechnung nicht bezahlen können, entsprechend unter Druck sind und in Armut leben.

Der Bereich Working Poor wächst

Tatsache ist, dass der Bereich Working Poor wächst, auch wenn das in den wunderbaren Statistiken nicht so ausgewiesen wird. Die Gründe sind einfach zu nennen. Leider ist es so, dass immer noch Löhne bezahlt werden, die schlichtweg nicht reichen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Löhne im Tieflohnsegment sind in den letzten 20 Jahren faktisch nicht ge­stiegen, aber die Ausgaben umso mehr. Auch in der Region Werdenberg gibt es Arbeitgeber, die einen Monatslohn von knapp 3000 Franken für eine 100-Prozent-Stelle oder einen Stundenlohn von 16 Franken bezahlen. Immer wieder höre ich Leute sagen: «Es gibt doch einen Mindestlohn in der Schweiz». Leider nein.

Die Problematik ist die Kostensteigerung bei den Mieten und Krankenkassen. Seit der Einführung des Krankenkassengesetzes 1996 sind die Krankenkassenprämien um über 300 Prozent gestiegen. Die Krankenkassenprämien einer vierköpfigen Familie kostet heute rund 900 Franken gegenüber 300 Franken im Jahre 1996. Im Gegenzug hat der Kanton schon zweimal die Prämienverbilligung gekürzt. Früher hat man gesagt: «Die Miete darf nicht mehr als 25 bis 30 Prozent des Lohnes ausmachen». In den letzten 10 Jahren sind die Mieten aber exorbitant gestiegen. Bei Menschen im Tieflohnsegment macht die Miete heute 40 bis 50 Prozent des Lohnes aus. Meine Erfahrung als Budgetberater für armutsbetroffene Menschen zeigt, dass viele Familien und Alleinerziehende für die Miete und die Krankenkasse bis zu 60 Prozent ihres Lohnes ausgeben müssen.

Kinder leiden unter der Armut

Unter der Armut leiden vielfach die Kinder. Wussten Sie, dass Kinder aus armutsbetroffenen Fa­milien weniger soziale Kontakte und weniger Freunde als andere Gleichaltrige haben? Häufiger unter Stress leiden und zu geringerem Selbstbewusstsein neigen? Besonders viel Zeit auf der Strasse verbringen, weil ihr Zuhause psychisch belastet ist? Häufiger krank werden und anfälliger, beispielsweise für Infektionen, Karies und Asthma sind? Schlechtere Aussichten in ihrer schulischen und beruflichen Ausbildung haben? Oft sozial ausgegrenzt werden und nur halb so oft wie Gleichalterige in Vereinen oder anderen Einrichtungen aktiv sind?

Dies alles sind Tatsachen, die nicht zu unterschätzen oder zu bagatellisieren sind. Die Kinder sind unsere Zukunft. Auch Kinder aus armutsbetroffenen Familien sollen eine Chance für die Zukunft haben. Aus diesem Grund wurde vor zwei Jahren der «Aktivitäten-Fonds Sargans» gegründet. Mit diesem Fonds finanzieren wir Kindern aus der Region Sarganserland-Werdenberg zum Beispiel den Jahresbeitrag für den Fussballclub oder den Schwimmkurs, bezahlen die Wanderschuhe für die Wanderwoche der Schule oder die Kinder-Reka-Ferien­woche.

Was können Sie tun? Kennen Sie armutsbetroffene Menschen? Falls ja, wären wir froh, wenn Sie die Menschen auf unser Angebot aufmerksam machen würden. Möchten Sie mehr zum Thema Armut in der Region erfahren? Melden Sie sich bitte bei uns. Wollen Sie den «Aktivitäten-Fonds Sargans» unterstützen und somit Kindern aus Ihrer Region eine Chance auf gesellschaftliche Teilnahme ermöglichen? Konto: 90-155888-0, IBAN: CH65 0900 0000 9015 5888 0, Caritas St. Gal­len-Appenzell, Vermerk: «Aktivitäten-Fonds Sargans».

Lorenz Bertsch

Regionalstelle Sargans, ­Caritas St. Gallen-Appenzell, Telefon 081 725 90 20

sargans@caritas

-

stgallen.ch