Wo bleibt das Wissen über die AHV-Vorlage?

Buchs Über die AHV-Initiative wird viel diskutiert. Paul Rechsteiner, SP-Ständerat und oberster Gewerkschafter, äusserte seine Ansichten auf Einladung der SP Werdenberg.

Heidy Beyeler
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Die SP Werdenberg wählte für den Rentner-Zvieri vom vergangenen Donnerstag das Thema AHVplus. Ständerat Paul Rechsteiner stellte gleich zu Beginn seiner Ausführungen fest, dass das Wissen um die AHV heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist. «Viele Bürger kennen die Gründe nicht mehr, weshalb die AHV für unser Land, für unsere Bürger so wichtig ist. Die AHV ist die Basis unseres Sozialstaates.» Er erinnerte daran, dass Gewerkschaften und Arbeiterbewegungen während Jahrzehnten für die AHV gekämpft haben, bis es endlich – nach dem Zweiten Weltkrieg – 1948 gelang, die Alters- und Hinterbliebenen-Versicherung zu realisieren, trotz erbittertem Widerstand.

Zehn Prozent mehr Rente

Rechsteiner staunt heute noch, dass das Volk damals allen Widerständen zum Trotz mit 80 Prozent der Stimmen die AHV guthiess. Etwas konsterniert, um nicht zu sagen empört, zeigte sich Paul Rechsteiner am Donnerstag über die Aktion der CVP, die auf dem Bundesplatz drei lebende Schweine auffahren liess, mit der Begründung, dass man in einem Abstimmungskampf mit Symbolen arbeiten müsse, «um die Folgen dieser schädlichen AHVplus-Initiative aufzuzeigen». Damit werde Angst vorm Älterwerden geschürt, sagt Rechsteiner, und dabei vergessen, dass 1975 die AHV-Rente auf einen Schlag verdoppelt worden sei.

Aus seiner Sicht kann man mit einer Annahme der AHVplus-Initiative definitiv einen Fortschritt verbuchen. Zehn Prozent mehr Rente für Einzelpersonen würden etwa 2400 Franken mehr Rente pro Jahr bedeuten. «Das ist nicht nichts, wenn man diesen Betrag den Krankenkassenprämien gegenüberstellt – aber es kostet etwas. Wenn wir das auf Lohnprozente ausrechnen, macht das etwa je 0,4 Prozent für Arbeitnehmer und Arbeitgeber aus. Das bedeutet, mit geringen Beiträgen erreicht man eine gute Leistung.»

Die Angst vor dem Zahnarzt

Dem Einwand, unseren Rentnern gehe es gut, hält Rechsteiner entgegen: «Es gibt reiche Rentner, das stimmt, aber es gibt auch andere, die zu spüren bekommen, dass sie seit Ewigkeit keinen Teuerungsausgleich mehr bekommen.» Letztmals habe es bei den besten Kassen vor gut 15 Jahren einen Teuerungsausgleich gegeben. Nicht zu vergessen, dass die Beiträge bei den Pensionskassen heutzutage bei fast 20 Prozent liegen. Und sie werden weiter steigen.

Anhand eines Beispiels zeigte Rechsteiner auf, was es für Rentner bedeuten kann, wenn es keinen Teuerungsausgleich gibt. Rentner haben Angst vor dem Zahnarzt – nicht etwa vor dem Bohrer, sondern wegen der Rechnung, die sie zu bezahlen hätten, weil die Kosten derart exorbitant gestiegen seien.

Vor 40 Jahren gab es in der Schweiz 900 000 Rentner. Heute sind es 2,2 Millionen Menschen. Die steigende Lebenserwartung ist der Spiegel einer wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und sozialen Entwicklung. «Aber prozentual bezahlen wir exakt genau gleich hohe Lohnbeiträge wie vor vierzig Jahren, je 4,2 Prozent Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Das geht nur, weil wir bei der AHV das einfachste und genialste Finanzierungssystem haben.» Jede Person bezahlt von ihrem Einkommen die vollen Lohnbeiträge – insgesamt 8,4 Prozent. Bei der AHV führt die Rente allerdings nicht über einen Umweg zu den Finanzmärkten, sondern direkt zum Rentner. «Und nur so ist es möglich, mit nur 0,4 Prozent höheren Beiträgen die Erhöhung der AHV-Rente um zehn Prozent zu finanzieren. Das ist hocheffizient», betonte Paul Rechsteiner an der Veranstaltung letzten Donnerstag.