«Wir waren jedenfalls authentisch»

Nachdem sie eine Woche lang für die «Traube» Buchs Beizen testete, zieht Stammgast Edith Willi gemeinsam mit Norma Gehin-Keel Bilanz und erzählt, warum sie in Zukunft anders fernsehen wird.

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Stammgast Edith Willi, Gilde-Koch Richard Gehin und Norma Gehin-Keel (von links) vom Restaurant Traube in Buchs werden Mitte Oktober in der Sendung «Mini Beiz, dini Beiz» auf SRF 1 zu sehen sein. (Bild: Doris Büchel)

Stammgast Edith Willi, Gilde-Koch Richard Gehin und Norma Gehin-Keel (von links) vom Restaurant Traube in Buchs werden Mitte Oktober in der Sendung «Mini Beiz, dini Beiz» auf SRF 1 zu sehen sein. (Bild: Doris Büchel)

Norma Gehin-Keel, die «Traube» ist nicht eine typische Beiz, wie sich das unsereins vorstellt. Hatten Sie deswegen keine Bedenken, bei der Sendung mitzumachen?

Norma Gehin-Keel: Typische Beizen, wo noch geraucht wird und sich die Leute den ganzen Tag am Stammtisch treffen, gibt es tatsächlich nicht mehr viele. Doch auch bei uns kann man nicht nur ausgiebig essen, sondern eben einfach sein Bierli oder Kafi trinken. Auch am Stammtisch. Viele Gäste kommen gerne zu uns auf einen Jass oder Schwatz. So gesehen sind wir gar nicht so weit von einer Beiz entfernt.

Wie kam es zu Ihrer Teilnahme bei «Mini Beiz, dini Beiz»?

Gehin-Keel: Wir bekamen vom Schweizer Fernsehen eine Anfrage via E-Mail. Darin hiess es, dass sie unser Restaurant interessant fänden und ob wir Lust hätten, bei der neuen Vorabendsendung mitzumachen. Die Bedingung war, dass wir einen Stammgast stellten. Jemand, der die «Traube» vertritt und an fünf Abenden am Stück die anderen Restaurants testet.

Einen Stammgast zu finden, dürfte nicht allzu schwierig gewesen sein.

Gehin-Keel: Für uns war rasch klar, dass wir Edith Willi fragen wollten. Sie ist nicht nur seit vielen Jahren eine liebe Freundin von uns, sondern kommt regelmässig zum Essen vorbei. Ausserdem kann sie sehr gut mit Leuten umgehen und ist immer für eine spontane Aktion zu haben. Das ist ja für die Fernsehsendung auch wichtig (lacht).

Wie ist Ihr Drehtag verlaufen?

Gehin-Keel: Im Gegensatz zum Casting, das ziemlich schnell über die Bühne ging, war der Drehtag schon intensiver. Das Kamerateam war von 13 Uhr bis 1 Uhr morgens bei uns. Gewisse Dinge mussten wir mehrmals wiederholen.

Edith Will: Die «Traube» kam als zweite Beiz an die Reihe. Das war vielleicht ein kleiner Nachteil, denn sowohl für die Crew wie auch für uns Stammgäste war alles noch relativ neu. Danach wurde es jeden Tag ein bisschen lockerer. Hätten wir noch eine Chance, würden wir sicher selbstsicherer auftreten.

Was ist das eigentliche Ziel der Sendung?

Gehin-Keel: Die Sendung soll die Leute gluschtig machen, verschiedene Restaurants auszuprobieren. Sie sollen sich nach der Sendung sagen: «Da könnten wir auch einmal hin. Das müssen wir mal ausprobieren.» Die Sendung soll auch die Vielseitigkeit der Schweizer Gastronomie aufzeigen.

Es ging also nicht darum, «big-brother-mässig» in den Schubladen fremder Leute zu stöbern und möglichst häufig zu kritisieren?

Gehin-Keel: Nein. Das war zuerst auch unsere Befürchtung. Aber nachdem uns das Produktionsteam versichert hatte, dass es nicht darum gehe, konnten wir mit gutem Gewissen zusagen.

Willi: Sie wollten lediglich, dass wir Stammgäste für «unser» Restaurant jeweils eine Kampfansage lancierten. Aber das entsprach weder meiner noch der Mentalität der anderen Stammgäste. Also haben wir uns darauf geeinigt, es bleiben zu lassen. Das wurde so akzeptiert.

Konnten Sie selber entscheiden, was Sie den Gästen auftischen?

Gehin-Keel: Wir mussten dem SRF zwei Zwei-Gang-Menus vorschlagen. Das SRF entschied sich für eine Vorspeise und Eglifilet als Hauptgang. Daran haben wir uns gehalten, auch wenn schon das erste Restaurant als Hauptgang Fisch auftischte.

Willi: Was einem der Stammgäste schon gar nicht gefiel.

Ist Eglifilet eine Spezialität der «Traube»?

Gehin-Keel: Wir haben nicht eine eigentliche Spezialität des Hauses. Vielmehr legen wir Wert darauf, dass unsere Speisekarte möglichst vielseitig und abwechslungsreich daherkommt. Aber Eglifilet mag fast jeder gerne. Wir wollten damit auf Nummer sicher gehen. Schliesslich wollten wir den Wettbewerb gewinnen (lacht).

Wie ist die «Traube» bei den anderen Stammgästen angekommen?

Willi: Das Essen war super und wurde sehr positiv aufgenommen. Auch die Stimmung war bestens. Es wurde viel gelacht. Das Produktionsteam war besonders von den schönen Räumlichkeiten begeistert.

Ist auch etwas schiefgegangen?

Willi: Grundsätzlich hat alles bestens geklappt.

Aber?

Willi: Ich kenne Norma und ihr Team so gut, ich habe gespürt, dass doch eine gewisse Nervosität und Anspannung da war. Sie waren gut, aber nicht ganz so locker und souverän wie sonst.

Gehin-Keel: Das stimmt. Im Nachhinein kann ich sagen, dass wir wohl etwas gehemmt waren. Einerseits sind wir uns nicht gewohnt, auf Schritt und Tritt von Kameras verfolgt zu werden. Andererseits waren wir etwas eingeschüchtert, weil wir gewisse Sachen zigmal wiederholen mussten. Etwa ein Glas Wein einschenken oder die Gäste begrüssen. Hätten wir nochmals eine Chance, wären wir sicher schon viel lockerer.

Wird der Zuschauer dennoch einen authentischen Einblick in den Alltag der «Traube» bekommen?

Gehin-Keel: Auf jeden Fall. Was er im Fernsehen zu sehen bekommen wird, das wird er auch bekommen, wenn er bei uns zu Gast sein wird. Wir haben weder dick aufgetragen, noch eine Show abgezogen. Wir waren vielleicht nicht ganz locker, aber auf jeden Fall authentisch.

Edith Willi, würden Sie sich wieder einspannen lassen für ein derartiges Projekt?

Willi: Absolut. Es war eine super Erfahrung und ich werde in Zukunft anders fernsehen. Zukünftig werde ich mir wohl bei jeder Serie denken: «Wie oft mussten die wohl hin- und herlaufen, bis alles perfekt war?» Ich war zwar nudelfertig nach dieser Woche, denn ich kam jeweils erst weit nach Mitternacht ins Bett und habe tagsüber 100 Prozent gearbeitet. Aber wir waren eine super Truppe, konnten eine Woche lang fein essen und haben erst noch viel gelacht.

Was erhofft ihr euch durch die Teilnahme bei «Mini Beiz, dini Beiz»?

Gehin-Keel: Es wäre schön, wenn einige Leute aufgrund der Sendung Lust bekommen, unser schönes Haus zu besuchen.