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«Wir sind Island» – in Buchs wie in Paris

Dank der Erfolge der Isländer an der Fussball-EM in Frankreich ist nicht nur im kleinen Land am nördlichen Polarkreis die Begeisterung riesengross. Auch hierzulande ist Island in aller Munde. Aber ehrlich: Wer hat sich davor je mit Island beschäftigt.
Heini «christiansson» Schwendener
Vulkane, Wasserfälle (hier der Kirkjufellsfoss) und Gletscher prägen die isländische Landschaft. (Bild: pd)

Vulkane, Wasserfälle (hier der Kirkjufellsfoss) und Gletscher prägen die isländische Landschaft. (Bild: pd)

Dank der Erfolge der Isländer an der Fussball-EM in Frankreich ist nicht nur im kleinen Land am nördlichen Polarkreis die Begeisterung riesengross. Auch hierzulande ist Island in aller Munde. Aber ehrlich: Wer hat sich davor je mit Island beschäftigt. Das Wissen beschränkte sich auf wenige Bruchstücke: kalt und dunkel ist es dort oben; bei der Finanzkrise gab es fast eine Staatspleite; es gibt Gletscher und Vulkane – einer davon, mit einem komplizierten Namen, legte 2010 den halben europäischen Flugverkehr lahm. Dann hat es sich aber.

Die Island-Fraktion

Auf der W&O-Redaktion indes gibt es eine Island-Fraktion – immerhin drei von neun Leuten –, die diese Insel im Atlantik schon lange auf ihrem Radar hat. Nicht wegen der Fussballer (vgl. Kasten). Alexandra «Norbertsdottir» Gächter, Corinne «Jürgsdottir» Hanselmann und meine Wenigkeit – Heini «Christiansson» Schwendener – sind sehr Island-affin. Wegen der einzigartigen Natur dieses kleinen Landes und wegen der einzigartigen Pferde, die es dort oben gibt, ist für uns Island eine der besten Feriendestinationen.

Hanselmann und Gächter wissen sehr viel über Islandpferde. Erstere kennt zudem viele Dörfer, Städte und Landstriche, und einige isländische Wörter. Ich weiss, dass besagter Vulkan der sechstgrösste Islands ist und Eyjafjallajökull heisst – Jökull, weil er unter einem Gletscher vor sich hin kocht. Und dass Island mit Halldór Laxness (1902–1998) einen Autor hat, der 1955 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Lieber als seine Romane lese ich indes Krimis von Arnaldur Indri?ason (Jg. 1961).

Herrliches Diskussionsthema

Diese Island-Affinität hat wohl auch dazu beigetragen, dass unsere beiden ziemlich Fussball-abstinenten Frauen sofort beim redaktionsinternen EM-Tipspiel mitgemacht haben, weil sich ja Gunnarsson und all die anderen -sons aus dem hohen Norden ziemlich überraschend für die EM-Endrunde in Frankreich qualifiziert haben. Wenn nicht über Fussball direkt, so doch über Island lässt sich in diesen Tage nach den jüngsten Erfolgen der tapferen Wikinger einfach herrlich diskutieren.

Szenenwechsel: Am Montag erlebte ich in Paris, wie Island in der Fussballwelt wahrgenommen wird. Neben mir im Stade de France sass eine gebürtiger Engländer, der inzwischen in den USA lebt, und schaute sich Spanien gegen Italien an. In unserem Gespräch kamen wir auf den letzten Achtelfinal Island gegen England zu sprechen, der später in Nizza angepfiffen wurde. Mein Verweis, bei den Isländern kicke ein Spieler aus der Schweiz, beeindruckte den Engländer nicht. Wer kennt denn schon die Isländer, erst recht, wenn sie noch nicht einmal in der zweiten oder dritten Liga in England spielen. Birkir Bjarnasson interessierte ihn nicht die Bohne.

Der Engländer neben mir brach zweimal in grossen Jubel aus, da ihm die Azzurri lieber waren. Als Spanien-Fan hatte ich das Nachsehen. Als ich meinem Sitznachbarn zum Sieg «seines» Teams gratulierte, meinte er im Brustton der Überzeugung: «Das wird heute ein grosser Tag, denn im Abendspiel gewinnt auch noch England.»

«Au revoir corned beefs!»

Szenenwechsel: In einem kleinen Bistro am Boulevard Diderot in Paris schaute ich mir besagtes Abendspiel im Fernsehen an. Gerne hätte ich dabei das Gesicht meines Nachbarn aus dem Stade de France gesehen. Der Marktwert des isländischen Teams ist geringer als jener des wertvollsten Engländers. In England gibt es vier mal mehr lizenzierte Fussballer als Island Einwohner zählt. Dessen ungeachtet lautet das Resultat: Island 2, England 1. Die Franzosen im Bistro geraten zwischen Pommes, Bier, Wein und Absinth aus dem Häuschen: «Au revoir corned beefs!» skandieren sie, und grölen ein sarkastisches «Brexit! Brexit!» hinterher. Die Gastgeber der EM treffen im Viertelfinal nun nämlich auf die Isländer, was den Franzosen um Welten lieber ist als die Engländer, zu denen sie eine uralte Rivalität pflegen.

Die Island-Begeisterung im Bistro in Paris hat pragmatische Gründe, jene der Island-Fraktion beim W&O hingegen ist echt und älteren Datums als die EM 2016. Falls die Isländer den Franzosen am Sonntag dieselbe Schmach zuführen wie den Engländern, dann skandiere ich: «Au revoir les baguettes!» Obwohl ich auf Frankreich als Europameister getippt habe.

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