«Wir setzen auf die Menschen»

Die vier Besitzer der neuen Kelag setzen auf die hohen Kompetenzen in der Schweisstechnik und Montage. Mit einer neuen Geschäftsleitung soll das Unternehmen rasch wieder Fahrt aufnehmen und Kunden zurückgewinnen.

Hanspeter Thurnherr
Drucken
Teilen
Hans Gattlen (rechts) und Dieter Widmer schauen dem Kelag-Mitarbeiter Murat Tuncer beim Schweissen zu. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

Hans Gattlen (rechts) und Dieter Widmer schauen dem Kelag-Mitarbeiter Murat Tuncer beim Schweissen zu. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

SENNWALD. «Die Kelag verfügt über eine hohe Kompetenz in der Schweisstechnik beim Rohrleitungs- und Anlagenbau sowie bei der Montage in schwierigem Gelände und bei erschwerten (Wetter)-Bedingungen. Auch die Kunden bestätigten uns die hohe Qualität und Liefertreue. Letzteres ist wichtig, um Verzögerungen in den Projekten der Kunden vermeiden zu können», nennt Dieter Widmer die Gründe für den Kauf von grossen Teilen der Kelag-Gruppe durch ihn und drei weitere Partner (siehe Kasten). «Wir setzen in Zukunft auf diese Kompetenzen und das Know-how der Mitarbeitenden», ergänzt Widmer beim Gespräch mit dem W&O.

Kunden rasch zurückgewinnen

Weil sich die vier Investoren auf das Kerngeschäft und die Kernkompetenzen der Kelag konzentrieren, haben sie nicht alle Aktivitäten der Kelag-Gruppe übernommen. «Die Wertschöpfung in Trübbach war nicht besonders hoch und deshalb öfters nicht mehr wettbewerbsfähig», erklärt Hans Gattlen. Die Umsätze der Kelag-Gruppe waren im Jahr 2014 stark rückläufig. «Mit der Eröffnung der Nachlassstundung haben ausserdem die meisten im Projektgeschäft tätigen Kunden mit der Vergabe von neuen Aufträgen zugewartet», erläutert Hans Gattlen.

Viele Kunden hätten aber glücklicherweise den Start ihrer Projekte verschoben, zugewartet und nicht sofort die Aufträge an andere Anbieter vergeben. Hans Gattlen: «Das war auch für uns entscheidend. Wir stehen so nicht vor einer unlösbaren Aufgabe.» In den verschiedenen Gesprächen mit den Kunden hätten diese bestätigt, dass ihnen die Kelag-Kompetenzen sehr wichtig seien. «Wir sind deshalb überzeugt, rasch Kunden (zurück-)gewinnen zu können», ergänzt Gattlen.

Personal als Firmenwert

In der Philosophie der vier Privatinvestoren gibt es einen bedeutenden Unterschied zu klassischen Finanzinvestoren. «Die meisten schauen sich Bilanz und Erfolgsrechnung an und berechnen daraus den Wert der Firma. Das Personal ist aber in einer Bilanz immer mit Null bewertet. Doch was zeichnet im Hochlohnland Schweiz eigentlich erfolgreiche Firmen aus? Es sind die menschlichen Fähigkeiten», führt Hans Gattlen aus. Deshalb sei bei ihrem Ansatz das Know-how, die Fähigkeiten und die Haltung der Mitarbeitenden zentral. Dieter Widmer ergänzt: «Wir investieren nicht in eine Firma, um nach zwei, drei Jahren wieder auszusteigen, sondern bleiben nachhaltig in unseren Unternehmen investiert.»

Um den 86 übernommenen Mitarbeitenden rasch Sicherheit zu geben, haben die Investoren am Mittwoch den Mitarbeitenden persönlich die Massnahmen, welche am Tag zuvor mit der neuen Geschäftsleitung ausgearbeitet wurden, vorgestellt und ihnen die Zuteilung auf die restrukturierten Abteilungen innerhalb der Firma bekanntgegeben.

Alte Firma hält Liegenschaften

Der Verwaltungsrat besteht aus den vier Privatinvestoren. Die Geschäftsleitung besteht aus Thomas und Franz Kendlbacher, Markus Pfister, Thomas Spitz und René Hug. «Harry Houthuijse sucht zurzeit einen neuen Geschäftsführer, der auch für die Bereiche Finanzen, IT, Legal, Personal und Administration zuständig sein wird. Hans Gattlen und ich werden bis dann die Geschäfte auch operativ führen», erläutert Dieter Widmer.

Die Liegenschaften bleiben im Besitz der alten Firma. Die Kelag Systems AG bleibt lediglich als Mieter in den Räumlichkeiten. Hans Gattlen: «So bleibt in der alten Firma Substanz zurück, und es wird langfristig Geld fliessen. Damit sollte es möglich sein, einige Gläubiger teilweise zu entschädigen. Der Sachwalter sucht auch nach einer Lösung für den Standort Trübbach.»