«Wir laufen über dem Limit»

Die Meinungen der Delegierten, wie die Kosten bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde und den Sozialen Diensten Werdenberg in den Griff zu bekommen sind, gehen auseinander.

Hanspeter Thurnherr
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BUCHS. Es sei über die Kesb viel geredet und geschrieben worden. Sie sei zum öffentlichen Thema geworden, sagte Roland Ledergerber, Präsident der SDW und Vorsitzender der Kesb. Damit keine Polemik entstehe, brauche es gute und gut begründete Entscheide. «Denn wir müssen die <Bugwelle> an Aufgaben abbauen können», verdeutlichte der Seveler Gemeindepräsident bildlich.

Heinz Rothenberger sagte als Vertreter von Buchs: «Wir müssen erkennen, dass der Arbeitsanfall gestiegen, die Mitarbeiterzahl aber gleich geblieben ist. Sie müssen daher viele Überstunden leisten, was auf das Klima drückt.» Die vielen Aufgaben seien eine Folge der gesellschaftlichen Entwicklung. Die Stellenerhöhungen ablehnen heisse für die Mitarbeitenden: Weiterarbeiten, Überstunden machen, auf Freizeit verzichten. «Die Quittung wird dann in Form von Kündigungen kommen, wie wir im Sarganserland sehen», schloss Rothenberger.

Grabs sieht Handlungsbedarf

Beat Tinner, Gemeindepräsident von Wartau, sagte: «Wir stellen nicht in Frage, was sinnvoll ist. Fakt ist aber auch, dass die Kosten gestiegen sind. Wir müssen deshalb diskutieren, wie weit die Leistungserbringung gehen kann, wo wir Prioritäten setzen. Roland Ledergerber sagte: «Wir sind ständig daran, die Organisation zu optimieren. Aber ebenso klar ist, dass sie über dem Limit läuft.»

André Fernandez legte die Haltung der Gemeinde Grabs dar: «Unsere Gemeinde sieht grundsätzlich den Handlungsbedarf. Aber uns fehlt eine genaue Analyse, wo welche Bedürfnisse sind. Und uns fehlt das Bewusstsein und ein Konzept, um die Kosten in den Griff zu bekommen.» Heinz Rothenberger konterte: «Wir haben bei den Personalkosten kein Sparpotenzial mehr. Wenn wir hier streichen, können die Aufgaben nicht mehr erfüllt werden.»

«Schwindelerregende Zahlen»

Simon Eggenberger als Gamser Vertreter sprach von schwindelerregenden Zahlen. Das geforderte 30-Prozent-Pensum für die Betreuung der privaten Beistände solle durch einen Projektbeitrag oder eine externe Beratung ersetzt werden. Die Zahlen bei den Berufsbeiständen enthielten Reserven. Aber grundsätzlich sei Gams für eine Aufstockung. Erschrocken über die Entwicklung der Zahlen zeigte sich Christoph Tinner als Sennwalder Vertreter. Es sei klar, dass es einen Stellenausbau brauche, aber nicht in solchem Ausmass.

Nun hatten die Delegierten über die einzelnen Anträge zu befinden. Kesb-Präsident Patrik Terzer begründete die 40prozentige Aufstockung bei der Behörde mit der Entwicklung der Überzeit vorallem bei zwei Behördenmitgliedern. Eine Person sei beispielsweise zu 30 Prozent angestellt, leiste aber 50 bis 60 Prozent.

Investieren, um zu sparen

André Fernandez beantragte, über die Aufstockung und die Aufrechterhaltung der 20-Prozent-Stelle bei der Revision getrennt abzustimmen. Der Antrag wurde mit 8:7 Stimmen angenommen, aber Aufstockung und Erhalt genehmigt (siehe Frontseite).

«Wir müssen etwas investieren, um wenigstens die privaten Beistände halten zu können und eventuell neue zu finden», begründete Roland Ledergerber den Antrag für einen Ausbau von 30 Prozent für die Betreuung der privaten Beistände. Müssten die heutigen privaten Beistände durch Berufsbeistände ersetzt werden, würde dies rund 370 000 Franken zusätzlich kosten, rechnete er vor. Nach angeregter Diskussion entschieden die Delegierten, anstelle der Stellenerhöhung 60 000 Franken für ein Betreuungsprojekt zu genehmigen.

Als nächstes hatten die 15 Gemeindevertreter als Vereinsmitglieder über die drei Anträge des Vorstands der Sozialen Dienste zu entscheiden. Nebst der Zunahme der Mandate sei auch deren Bearbeitung aufwendiger geworden, begründete der Vorstand die Erhöhung um 100 Stellenprozente bei der Berufsbeistandschaft. Mit 8 zu 6 Stimmen wurde der Stellenausbau genehmigt.

Der Überlastung begegnen

Geschäftsleiter Kurt Lehmann begründete die Aufstockung von 180 Stellenprozenten bei den Zentralen Diensten mit der seit langem anhaltenden Überlastung. Die letzte Aufstockung habe nicht die nötige Entlastung gebracht. Zudem nehme der administrative Aufwand parallel zur Zunahme der Beistandschaften zu. Weiter würden heute 150 Steuererklärungen extern bearbeitet. Diese möchte man wieder intern und damit näher bei den Mandanten erledigen können. Auch dieser Aufstockung stimmten die Versammlung mit 8 zu 6 Stimmen zu.

Schliesslich entschieden die 15 Delegierten mit dem gleichen Stimmenverhältnis, die nötigen zusätzlichen Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Dazu hatte ihnen Kurt Lehmann drei Varianten zur Wahl vorgelegt und deren Auswirkungen, Konsequenzen und Kostenfolgen erläutert.

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