«Wir konnten nicht auf Tesla warten»

Nachgefragt

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Daniel Lüchinger, Sie bauen eine Gondelbahn mit Solarkraft. Fährt sie auch bei schlechtem Wetter?

Ja, das tut sie. Wir speichern die Sonnenenergie in zwei Batteriespeichern ab. Der eine Speicher befindet sich an der Talstation und der zweite oben am Berggasthaus Staubern. Bei schlechtem Wetter fahren automatisch weniger Gäste, und ich brauche daher weniger Strom.

Sie wollten unbedingt eine Seilbahn mit Solarkraft und Tesla-Technologie bauen. Warum?

Sowohl die Seilbahn als auch der Strom in unserem Berggasthaus sollen aus erneuerbaren Energien stammen. Wir wollen unabhängig werden von fossilen Brennstoffen und vom Atomstrom. In den Tragseilen der beiden Gondeln befinden sich Kupferleitungen, die den Strom hinauf zum Gasthaus Staubern leiten. Damit kann ich den Dieselgenerator für unsere Stromversorgung ersetzen. Zudem habe ich schon vor einiger Zeit ein Stromaggregat oben am Berggasthaus gebaut, das mit altem Speiseöl läuft.

Setzen Sie auch privat auf erneuerbare Energien?

Ja, wir nutzen auch privat eine Solaranlage. Ich bin nicht grün im eigentlichen Sinne. Wir schätzen einfach die Natur und wollen diesen Schatz erhalten.

Kann die Firma aus Deutschland mit Tesla mithalten?

Ja, wir Europäer können das auch. Eine Testfahrt der neuen Seilbahn gab es zwar bereits, allerdings nur mit Strom aus dem Netz. Notfalls funktioniert die Bahn auch so. Die erste Passagierfahrt mit Sonnenenergie findet bei der Eröffnung vom 6. bis 8. April statt.

Sie bauen die erste batteriebetriebene Seilbahn der Welt. Wie wichtig sind Superlative für Sie?

Gar nicht. Das ist nur ein schöner Nebeneffekt. Damit können wir die Wertschöpfung in der Region behalten.

Wie viel teurer ist die Seilbahn durch das Solarprojekt im Vergleich zu einer konventionellen Bahn?

Gemessen an der ganzen Investitionssumme sind es etwa zehn Prozent.

Sie investieren fünf Millionen in die Seilbahn. Das Geschäft läuft also gut?

Die Familie steckt natürlich sehr viel Fronarbeit hinein und jeder trägt in seiner Freizeit viel dazu bei. Wir haben das Glück, im Alpsteingebiet zu sein: in einem der schönsten und am besten erschlossenen Wandergebiete der Welt.

Als Wirt eines Berggasthauses hat man sicher einige lustige Geschichten zu erzählen. Woran denken Sie gerne zurück?

Seit 2009 hängt ein Postbriefkasten weit sichtbar 80 Meter hoch in der Felswand der Staubernkanzel. Die Post wollte den Kasten an der Bergstation der Staubern-Seilbahn abmontieren, weil er nicht mehr rentierte. Als ich hörte, dass es keinen Ersatz gibt, habe ich gedacht, so einfach mache ich es dem Postboten nicht. (dal)