Will ich wie ein Stern sein?

Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war.

Diakon Martin Nägele, Grabs
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Ein Stern trägt die Kraft zur Veränderung in sich. (Bild: Fotolia)

Ein Stern trägt die Kraft zur Veränderung in sich. (Bild: Fotolia)

Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. Als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. (Matthäusevangelium 2, 9b–11)

Die in der Bibel beschriebenen drei Weisen aus dem Morgenland. Sie hätten ohne diesen Stern nie zu Jesus gefunden. Sie hätten ihn nie in einem ärmlichen Stall vermutet, viel eher in einer grossen Stadt, einer Hauptstadt, wo immer alles Wichtige geschieht. Die mitgebrachten Geschenke – Gold, Weihrauch und Myrrhe – lassen sogar darauf schliessen, dass sie sich hundertprozentig sicher waren, den neugeborenen König der Juden standesgemäss in einem Palast zu finden.

Wie stark muss der Stern gestrahlt haben und wie wegweisend muss seine Erscheinung gewesen sein, dass die Weisen trotz ihrer völlig anderen Vorstellung und trotz Umwegen doch noch ans richtige Ziel gefunden haben.

Wie gerne sind wir Menschen doch auch so wie ein hell leuchtender Stern: wegweisend für unsere Gesellschaft mit einem starken Erscheinungsbild, dass wir nicht nur wahrgenommen werden, sondern massgebend sind. In diesem ganzen Bemühen um Wichtigkeit und die Angst, in die Bedeutungslosigkeit abzurutschen, verbrauchen wir unsere Kraft und verbrennen wir unsere Ressourcen. Genauso wie ein richtiger Stern am Himmel.

Sterne sind grosse heisse Gaskugeln. In ihrem Inneren ist die Temperatur so hoch, dass dort Kernfusionen, also Kernverschmelzungen, stattfinden. Dabei verschmelzen kleine Atomkerne zu grösseren und es werden ungeheure Energiemengen frei. Ist der enthaltene Wasserstoff aufgebraucht, erlischt der Stern.

Will ich sein wie ein Stern? Versuchen, Frieden, Freude, Trost und Orientierung aus eigener Kraft in unsere Gesellschaft hinein zu strahlen. Gerade vor und an Weihnachten sind wir darum bemüht, Frieden und Freude selber zu schaffen. Wir brennen dabei aus und resignieren, weil wir durch die hohen Erwartungen an die anderen und an uns selber oft enttäuscht werden. Das kann nicht die Idee hinter Weihnachten sein.

Es gibt noch einen anderen Himmelskörper, den wir vor allem nachts sehen: der Mond. Auch er scheint hell, er leuchtet uns im Dunkeln und gibt Orientierung in der Nacht. Anders als die Sterne leuchtet er nicht aus eigener Kraft, er steht «nur» im unglaublich starken und hellen Licht der Sonne. Trotzdem ist sein Erscheinen beeindruckend, vor allem in einer Vollmondnacht. Genau dann, wenn nichts zwischen ihm und der Sonne steht. Wenn er das Licht der Sonne, das auf ihn trifft, weitergibt.

Eher müssten wir Menschen es so machen wie der Mond: das, was wir empfangen und womit wir beschenkt werden, weitergeben.

Wir feiern Weihnachten, damit wir nicht vergessen, dass Gott seinen Sohn in diese Welt sandte, damit wir durch IHN unter anderem Frieden, Freude, Trost und Orientierung empfangen. Empfangen und nicht selber schaffen. Selber schaffen können wir es nicht, zu verworren, zu undurchsichtig und zu zerstritten ist inzwischen unsere vernetzte Welt. Das erwartet Gott auch nicht, denn Gott möchte uns nicht überfordern oder uns ausbrennen lassen. Er möchte nur, dass wir weitergeben, was wir von ihm bekommen und er gibt uns genug davon: Vergebung, Wertschätzung, Liebe. Das einzige, worum wir uns bemühen müssen, ist: dass nichts zwischen Gott und uns steht.

Morgen Freitag, 25. Dezember, ist Vollmond – ein Anblick, der sich lohnt und uns herausfordert, es ihm schon heute, am Heiligen Abend, gleichzutun: den Menschen um uns herum ein Licht und ein Grund zur Freude zu sein – nicht aus eigener Kraft, sondern durch die Kraft der Liebe Gottes.

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