«Wildhaus realisiert 53,4 Prozent Ersteintritte»

Nachgefragt

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48,7 Prozent der Pooleinnahmen aus dem gemeinsamen Winterticket gehen an die Bergbahnen Wildhaus AG (BBW), folglich erhält die Toggenburg Bergbahnen AG (TBB) 51,3 Prozent. Dies legt Jack Rhyner, Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Wildhaus AG, nun offen und nimmt im Interview Stellung zu den weiteren Kritikpunkten seitens der TBB, welche die VR-Präsidentin Mélanie Eppenberger in ihrem Verwaltungsratsbericht geäussert hat (der W&O berichtete).

Jack Rhyner, was sagen Sie zur heftigen Kritik seitens Mélanie Eppenbergers im Geschäftsbericht der TBB?

Ich erachte diese Kritik als unhaltbar.

Ihnen wird vorgeworfen, die Bergbahnen Wildhaus AG würde ungerechtfertigt Poolumsätze abschöpfen?

Das Resultat aus dem Tarifverbund ist eine Folge der effektiven Gästenachfrage. Wir haben immer für unsere gemeinsamen Kunden gebaut und werden das auch mit unserem Projekt Wildhaus 2.0 zukünftig tun. Unsere Messlatte ist einzig und allein das Gästebedürfnis.

Konkret kritisierte Mélanie Eppenberger die Sesselbahn Oberdorf-Gamsalp...

Diese Sesselbahn erschliesst drei Pisten, wovon nicht weniger als zwei technisch beschneit sind. Sie ist somit für die Obertoggenburger Wintersportler die wichtigste sogenannte Beschäftigungsanlage im Gebiet. Erfolgreiche Wintersportbahnen in unserer Branche zeichnen sich ganz generell dadurch aus, dass sie topografisch interessante und zudem technisch beschneite Pisten erschliessen. Das «Runterkommen» auf beschneiten Pisten ist unterdessen wichtiger wie das «Hochkommen» mit den Bahnen.

Worauf genau basiert denn der Tarifpool?

Unser Pool basiert auf den technischen Werten, also dem Wert der investierten Anlagen multipliziert mit der Anzahl der damit beförderten Personen. Der Tarifpool bildet in der Folge die Nachfrage im Verhältnis zur Investition ab. Er wird in der gleichen oder einer ähnlichen Form in sämtlichen uns bekannten Wintersportgebieten im Alpenraum angewandt. Wenn man eine einfache Überschlagsrechnung macht, dann kommt man zwangsläufig zum Schluss, dass der aktuelle Poolverteiler so grundfalsch nicht sein kann: Wildhaus realisierte im vergangenen Winter 53,4% der Ersteintritte der Region. Wenn dabei am Schluss ein Poolanteil von 48,7% herausschaut, kann wohl von einer «Übervorteilung von Wildhaus» nicht die Rede sein.

Die Strategie und Bauten der Bergbahnen Wildhaus AG sollen laut Eppenberger darauf ausgerichtet sein, Frequenzen zu generieren und die Gäste möglichst schnell wieder an der Talstation zu haben.

Auch diese Behauptung ist falsch. Die Strategie der BBW ist darauf ausgerichtet, den Gästen echte und gute Freizeiterlebnisse zu bieten. Durchaus auch sportliche.

Also geben Sie zu, die Tempobolzerei zu fördern?

Das Gegenteil ist der Fall. Wildhaus 2.0 fokussiert sich auf Familien und Beginner. Zentrales Element davon ist die Beginnerpiste von der Freienalp bis ins Oberdorf, eine sehr einfache und langsame Piste. Zentral ist auch hier: die Frage des «Runterkommens».

Allgemein zweifelt Mélanie Eppenberger Ihre Investitionen und die Gebietsentwicklung an. Hat sie recht?

Diese Behauptungen sind mehr als nur widersprüchlich. Wie kann man von falschen Investitionen sprechen und uns gleichzeitig vorwerfen, dass unsere Anlagen für den Pool zu erfolgreich seien, also zu viele Gäste anziehen. Wir haben zu diesem Thema eine marktwirtschaftliche Haltung. Der Wurm muss bekanntlich dem Fisch schmecken und nicht dem Fischer. Ein gutes, stimmiges Angebot erzeugt die betriebswirtschaftlich notwendige Nachfrage.

Sie zweifelt ja sogar das unabhängige wirtschaftliche Fortkommen der Bergbahnen Wildhaus AG an...

Ich würde empfehlen, die beiden Geschäftsberichte genau zu lesen und zuweilen etwas selbstkritischer zu sein. (kru)